Dienstag, 28. Juni 2016

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Vegan reisen Garantiert nicht auf Daunen gebettet

Reiseangebote für Veganer: Ohne Fleisch und Daunenfedern
Fotos
TMN / VeggieHotels / Villa Vegana

Obwohl manche Touristik-Anbieter nach Voranmeldung auch rein pflanzliche Gerichte anbieten, ist Reisen für Veganer immer noch nicht einfach. Erste Veranstalter wagen sich in die Marktlücke. Ein Überblick in Fragen und Antworten.

Fleisch, Eier, Milch, Honig: Veganer verzichten auf tierische Lebensmittel, ob aus gesundheitlichen oder ökologischen Gründen. Das Reisen wird dadurch nicht gerade einfacher. Wo gibt es passende Restaurants? Wo vegane Hotels? Ein Überblick.

Wie finde ich vegan betriebene Unterkünfte?

Die Zeiten, in denen Veganer nur mit Studentenfutter, Müsliriegel und Bananen auf Reisen ihren Hunger stillten, sind vorbei. Das Portal Veggie Hotels listet unter mehr als 500 weltweit erfassten vegetarischen Hotels derzeit 73 rein vegane Häuser auf, in denen niemand unter Daunen schlafen, auf Ledersofas sitzen oder ein Shampoo verwenden muss, das an Tieren getestet wurde. "Es werden allmählich mehr", sagt Geschäftsführer Thomas Klein. "Und fast alle Veggie-Hotels bieten gute vegane Optionen zum Essen."

Was mache ich, wenn es kein veganes Hotel am Urlaubsziel gibt?

Das Portal Vegan Welcome, das von Veggie-Hotels betrieben wird, listet neben rein veganen Häusern auch vegetarische und klassische Hotels aufs, die zumindest pflanzliche Mahlzeiten ohne tierische Produkte anbieten. Rubriken wie Städtereisen, Wellness oder Gourmetreisen vereinfachen die Wahl.

Hier geht es zu unserem Interview mit Österreichs vegetarischem Sternekoch Paul Ivic

Wer ein bestimmtes Reiseziel vor Augen hat, in dem kein veganes Hotel zu finden ist, muss auswärts essen. Auf der Seite des Vegetarierbunds Deutschland (Vebu) können Urlauber nach rein veganen Restaurants und Cafés suchen. Die Tierrechtsorganisation Peta kennzeichnet fast 100 rein vegane Optionen in Deutschland mit einem "V" in ihrer Linkliste vegetarischer Restaurants. Eine Liste für Österreich, die Schweiz und europäische vegane Gourmetrestaurants gibt es auch.

Das Online-Magazin "Deutschland i(s)st vegan" führt für Deutschland und Österreich mehr als 240 vegane Häuser auf. Und der Bioverlag hat einen Restaurantfinder mit mehr als 300 vegetarischen und veganen Restaurants, Cafés und Läden im Programm. Weltweit bietet die amerikanische Website Happy Cow das vollständigste Angebot an vegetarischen und veganen Restaurants.

In welchen Ländern ist es schwierig, ohne tierische Produkte durch den Tag zu kommen?

"Osteuropa ist eine eher fleischlastige Ecke", sagt Thomas Klein von Veggie Hotels. "In Russland finden wir beispielsweise keine geeigneten Partner". Happy Cow listet für das Riesenland nur 105 vegetarische Restaurants, davon sind nur eine Handvoll vegan. Da ist ein "Vegan Passport" im Gepäck hilfreich, der in 74 Sprachen jeweils auf einer Seite aufführt, was Veganer essen. So weiß der Gastronom vor Ort gleich Bescheid. Peta Deutschland verkauft die Broschüre.

In welchen Ländern kommen Veganer gut zurecht?

Asien gilt als veganerfreundlich, aber man muss genau hinschauen. Viele Gerichte sind mit Fischsoße, Meeresfrüchtepaste oder Ei angemacht. In Indien wird gern Ghee - das ist Butterschmalz - zum Kochen und Braten genommen. In Indien, Sri Lanka, Singapur, Malaysia, Thailand, Vietnam oder Kambodscha fragen Veganer also besser nach - und müssen dann hoffen, eine brauchbare Auskunft zu bekommen. In den USA ist die taiwanesische Restaurantkette Loving Hut mit vielen vegangen Restaurants vertreten, weltweit sind es etwa 200. Schwerpunkt ist Kalifornien. Einige amerikanische Fastfood-Ketten wie zum Beispiel Taco Bell führen vegane Gerichte.

In Deutschland sieht es ebenfalls nicht schlecht aus, Berlin gilt sogar weltweit als "Veganer-Hauptstadt". Auf der Webseite der Initiative "Berlin vegan" finden Urlauber schnell zu einem Restaurant - und es gibt Auskunft über private vegane Unterkünfte in der Stadt. Gleich hinter Berlin folgen beim Top-5-Ranking von Happy Cow New York City, Portland und San Francisco in den USA sowie London. In Europa hat Großbritannien nach Deutschland die meisten veganen Restaurants.

Welche Reiseveranstalter haben ein Herz für Veganer?

Noch im Laufe dieses Jahres will Tui per Mausklick das passende Urlaubshotel mit veganen Angeboten präsentieren. Am ehesten wird man bei dem Veranstalter in den Häusern der Marke Viverde fündig. Bei Thomas Cook gehen die Sentido-Häuser auch auf vegane Wünsche ein. Generell sollten Veganer bei Pauschalreisen explizit vorab beim Reisebüro nach dem Angebot fragen. Nicht alle Hotels bieten Veganes an, und manche Airlines berechnen dafür Extrakosten.

Bei Nischenanbietern mit ökologischem Anspruch sind vegane Reisende oft besser aufgehoben: "Die meisten Unterkünfte, die wir bei unseren Reisen nutzen, haben sich auf den Trend eingestellt und bieten auf Wunsch eine vegane Verpflegung an", sagt Roland Streicher vom Nürnberger Anbieter Renatour. "Einige Häuser heben das Angebot sogar ganz explizit hervor". Der britische Veranstalter Ace Outdoor schickt vegane Wanderer zusammen mit Vegetariern in die französischen Alpen. Für die Karibik bietet etwa Holistic Holiday at Sea eine vegane Kreuzfahrt mit Vorträgen an, auf der es aber auch vegetarische Alternativen gibt.

Wo sind Veganer und solche, die es werden wollen, unter sich?

Das Ziel der ersten veganen Pauschalreise des Schweizer Veranstalters Kuoni heißt Berlin. Und Amazing Adventures veranstaltet zwei vegane Dalmatien-Kreuzfahrten. "Rein vegane Angebote gibt es noch wenig", sagt Dirk Fehring-Prieß von Veganes Reisen in Uetze bei Hannover, das seit 2014 Reisen nach Andalusien und Mallorca veranstaltet und andere vegane Reisen vermittelt. Der Kölner Wellnessreisen-Veranstalter Hibiskus Reisen bietet zwei vegane Reisen in die Türkei an. Die Briten von Veganbnb Travel veranstalten Reisen für kleine Gruppen nach Guatemala und Spanien. Und das Vinje Vegan Cycling Project bietet ab Juli 2015 vegane Renradreisen auf den Spuren der Tour de France.

Auf vegane Flusskreuzfahrten hat sich der Münsteraner Dirk Bocklage spezialisiert und will damit vor allem jüngere Gäste anlocken. "Wir polieren das angestaubte Image der Flusskreuzfahrten auf", sagt er. An Bord ist jeweils ein "veganes Gesicht", etwa der Berliner Koch Björn Moschinski. Pauschalangebote sind also insgesamt noch rar. Angesichts des Booms von veganer Ernährung und eines entsprechend bewussten Lebensstils könnte sich das aber zunehmend ändern.

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