Freitag, 14. Dezember 2018

Winterurlaub auf Seiser Alm, Südtirol Zwischen Gourmetküche und schneller Abfahrt

Südtriol: Winterurlaub auf Seiser Alm
TMN/Verena Wolff

Rund 60 Kilometer Pisten, schneesichere Lage und ein vortreffliches Bergpanorama: Auf der Seiser Alm in Südtirol fühlen sich Skifahrer sofort wohl. Das liegt auch an der kulinarischen Köstlichkeiten. Franz Mulser macht Alpenküche auf Gourmet-Niveau.

Seiser Alm - Bis in den April hinein liegt Schnee auf den Wegen zur "Gostner Schwaige". Die Hütte liegt auf 1930 Metern Höhe. Man muss mit den Skiern kommen, auf dem Schlitten oder zu Fuß. Kein Lift stört die Ruhe hoch oben auf der Seiser Alm in Südtirol. Der Weg lohnt sich: Der Blick auf die umliegenden Dolomiten ist einzigartig, und die Küche in der "Schwaige" ist preisgekrönt.

Franz Mulser, Chef und Chefkoch in einer Person, ist allerdings niemand, dem es um den Glamour geht. Im Gegenteil: Er ist ein Bub vom Dorf, genauer gesagt vom Außergostnerhof in Seis am Schlern. Mulser trägt auch keine Kochmütze, sondern einen hellen Hut aus Schafwolle. "Darunter dampft es manchmal ordentlich", sagt er - denn die Hütte ist jeden Mittag voll. Draußen sitzen Skifahrer und Wanderer in der Sonne, in das holzvertäfelte Innere passen gut zwei Dutzend Menschen. Mulser bekocht sie alle mit seinen Südtiroler Spezialitäten, in einer Küche, die knapp fünf Quadratmeter misst.

Eine Almhütte sei die "Schwaige", sagt der Chef. "Nicht mehr und nicht weniger." Das sehen seine Stammkunden anders und auch der Gourmetführer "Gault Millau", der Mulser in schöner Regelmäßigkeit 14 Punkte zugesteht. Davon träumt mancher Koch in den großen Hotels.

Mulser trägt Trachtenhemd, Lederhose und grobe Schuhe. Früher mal wollte er Snowboarder werden. Italienmeister war er schon, im Sommer allerdings lernte er bei seinem Onkel Koch. Er arbeitete in der Spitzengastronomie, sogar im Münchner "Tantris" - doch er wollte wieder in die Berge. Dahin, wo er die Zutaten für seine bekannte Heusuppe im Wald und auf den Wiesen pflücken kann. Wo das Fleisch für seine Gerichte teils vom elterlichen Hof kommt und er als Senner den Käse selbst herstellt. Und wo er bestimmen kann, was er auf die Karte schreibt und was nicht.

Hexen-Geschichten

Franz Mulser ist ein Original auf der Seiser Alm, der größten Hochalm in Europa. Von seiner Sorte gibt es hier oben noch ein paar. Eine von ihnen ist Helga Rauch. Auch sie bewirtschaftet eine Hütte, die ihren Namen trägt und von den Großeltern aufgebaut wurde. Doch Helga Rauch rennt auch für ihr Leben gern, am liebsten 42,195 Kilometer. Ihre Marathon-Bestzeit liegt bei 2 Stunden und 53 Minuten. Nicht ganz so schnell ist Hexe Martha. Sie kennt alle Sagen und Mythen, die sich um den Schlern und die Bergwelt der Seiser Alm ranken. Martha Silbernagel erzählt Geschichten von Hexen und Zwergenkönigen, von den Saligen Frauen und anderen, die zur Folklore in Südtirol gehören.

Die Schlern-Hexen kommen noch an derer Stelle zum Zug: in der Kinder-Skischule. Die Hexe Nix ist das Maskottchen auf dem Gelände am Einstieg des Panorama-Lifts. Hier können die Kinder ungestört auf einem Sonnenhang die ersten Kurven drehen. Durch Tunnel geht es da und an verschiedenen Bildern mit den Hexen vorbei. Und selbst ein vergleichsweise steiler Hang ist kein Problem mehr, wenn der Schneepflug sitzt. Die Skilehrer scheinen tiefenentspannt.

Jonas ist mit der vierjährigen Emily unterwegs, die nicht das erste Mal auf den Brettern steht. "Die Sicherheit hat bei uns oberste Priorität", sagt Jonas. Die Kinder müssten zunächst die Grundlagen lernen, "aber immer kindgerecht". Dazu gehören auch das Fahren mit dem Teller und die Pistenregeln. Und die erklärt die Hexe Nix in einem kleinen Büchlein, das der Tourismusverband herausgegeben hat.

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