Dienstag, 20. November 2018

Fahrradtour in Südafrikas Wüste Unterm Vollmond durch die Namib

Wüsten-Trip mit dem Fahrrad: Als "Desert Knight" durch Afrika
TMN

Schon morgens brennt die Sonne unerbittlich über der kargen Steinwüste, nur vereinzelt sträuben sich Büsche mit kleinsten, knochenharten Blättern gegen das Vertrocknen. Die Landschaft gehört zu einem Nationalpark mit dem etwas sperrigen Namen "/Ai/Ais-Richtersveld Transfrontier Park".

Die karge Schönheit des Grenzgebiets zwischen Namibia und Südafrika erschließt sich auf einer kurzen Stippvisite per Auto oder Reisebus kaum. Deshalb gibt es eine entschleunigte Variante: Desert Knights, eine sechstägige Fahrradtour von Namibias Süden über den Grenzfluss Oranje in den südafrikanischen Norden. Zweimal jährlich, wenn die Temperaturen im April und September einigermaßen erträglich sind und der Vollmond auch nach Sonnenuntergang für ausreichend Licht sorgt, durchqueren bis zu 100 Abenteurer die fast unheimliche Stille der Wüste. Ohne Stoppuhr, jeder in seinem Tempo.

"Die Absicht war, die touristischen Höhepunkte des Transfrontier Parks in eine Tour zu packen", erklärt deren Erfinder Roland Vorwerk, Marketing-Manager bei der Agentur Boundless Southern Africa. Doch es sind längst nicht nur die hervorstechenden Landmarken, der Blick in den Canyon oder das Bad in den heißen Thermalquellen von "/Ai/Ais", die diese Tour ausmachen. Auf den 300 Kilometern, 20 davon per Kayak auf dem Oranje, ist vielmehr der Weg das Ziel.

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Nach einem Warmfahren am ersten Tag führt die Etappe am nächsten Abend von Hobas, einem kleinen Campingplatz samt Ferienhäusern nahe des Canyons, nach "/Ai/Ais". "Heiß wie Feuer" bedeutet der Name in der Sprache der Nama, der sich auf das 65 Grad warme, schwefelhaltige Wasser der Quelle bezieht. Seit den frühen 70er Jahren ist hier ein kleines Ferienparadies mit einem wohltemperierten Pool entstanden.

Kaum kühler fühlt es sich in den späten Nachmittagsstunden jedoch auf der Schotterstraße an, die sich von Hobas aus gen Süden durch die welligen Weiten zieht. Ein erbarmungsloser, staubtrockener Gegenwind lässt selbst dann den Schweiß laufen, wenn es einmal leicht bergab geht. Im Westen fallen Sonnenstrahlen durch die Wolken über dem Canyon. So lila-rot sind die Farben, dass das Panorama fast schon kitschig wirkt. Nur der Wind rauscht hier in den fast blattlosen Bleistiftsträuchern, einer robusten Euphorbien-Art, die für Menschen hochgiftig ist, Nashörnern und Kudu-Antilopen aber als Nahrung dient.

Sonst ist Ruhe, 68 lange Kilometer. Unterbrochen wird sie nur von drei Verpflegungsstationen, an denen die Radler Wasser und Energie tanken, letztere in Form von Datteln, Keksen und Biltong, dem in Namibia und Südafrika allgegenwärtigen Trockenfleisch.

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