Samstag, 23. September 2017

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Was "smart luggage" alles kann Wenn der neue Koffer schlauer ist als man selbst

Smart Luggage: Das sind die neuen schlauen Koffer
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TMN/Cowarobot

Öffnen per Fingerabdruck, GPS-Tracking, mobile Powerbank: Seit der Koffer das Rollen gelernt hat, gab es beim Reisegepäck kaum Innovationen. Dafür können neuartige Trolleys nun umso mehr - sogar selbst fahren oder sich wiegen. Müssen wir uns bald daran gewöhnen, dass Flugpassagiere sich auf ihr motorisiertes Handgepäck setzen und vom Schalter zum Gate brausen? Als der vielreisende Unternehmer Kevin O'Donnell aus Chicago seine Kinder mal wieder auf dem Rollkoffer hinter sich her zog, kam ihm die Idee: "Warum eigentlich können wir auf unserem Gepäck nicht selber fahren?" Er setzte sie um.

Gemeinsam mit einem Bekannten konstruierte O'Donnell die bis zu 13 km/h schnelle Modobag - mit Fußrasten, Teleskoplenkstange und Bremshebel. Über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo kann der Trolley vorbestellt werden. Mit der ganzen Technik an Bord bleiben immerhin noch 85 Prozent des ursprünglichen Volumens für die eigenen sieben Sachen.

Die Möglichkeit, über das Internet Geld für seine Ideen einzusammeln, hat Bewegung in die Gepäckbranche gebracht, in der große Weiterentwicklungen lange Zeit Mangelware waren. "Innovationen sind sehr überschaubar, seit es Koffer gibt", sagt Ulrich Reinhardt von der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Die wortwörtlich umwälzendste Idee der vergangenen Jahrzehnte waren seiner Ansicht nach die Rollen unterm Koffer, die das Schleppen des Gepäcks weitgehend überflüssig machen.

Doch jetzt erobert Smart Luggage die Lounges und Terminals - Gepäckstücke mit erweitertem Funktionsumfang dank Digitaltechnik. Das Spektrum an Fähigkeiten ist breit und reicht von der Lademöglichkeit fürs Handy über GPS-Tracking bei Verlust bis zum Entfernungsalarm, den zum Beispiel das Berliner Start-up Horizn Studios für seinen Cabin Trolley als Extra anbietet.

Kunden können eine scheckkartengroße Guard Card erwerben, die mit dem Smartphone über Bluetooth in Verbindung steht. Es schlägt Alarm, wenn die Karte im Koffer steckt und dieser sich mehr als 30 Meter vom Träger des Handys entfernt - etwa wenn ein Diebstahl im Gange ist. "Unser Anliegen ist es, Reisen komfortabler und sorgenfreier zu gestalten", sagt Horizn-Studios-Gründer Stefan Holwe.

Auch andere denken so und gehen in dem Versuch, ihren Produkten möglichst viel digitale Intelligenz einzuhauchen, noch weiter - etwa das US-Unternehmen BlueSmart aus San Francisco. Ab einem gewissen Abstand zum Besitzer schließt sich der BlueSmart Trolley von selbst. Im Griff ist eine Zugwaage eingebaut. Wer den Koffer hochhebt, bekommt das Gewicht auf dem Handy angezeigt.

Die Powerbank zum Laden elektronischer Geräte an USB-Ports kann anders als beim Konkurrenzprodukt von Horizn Studios allerdings nicht entnommen werden. Will man seinen Trolley als Aufgabegepäck abgeben, geht das dann laut den Sicherheitsbestimmungen vieler Airlines nicht.

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