Samstag, 27. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Skigebiet Stranda in Norwegen Auf diesen Fjord fahren Sie ab

Stranda in Norwegen: Weite Blicke, leere Pisten
Fotos
TMN / Stranda / Andreas Skogseth

Feine Panoramablicke und leere Pisten: Das ist das kleine Skigebiet Stranda in Norwegen. Wem das noch nicht ruhig genug ist, der nimmt die Tourenski und erklimmt die Berge um den Hjørundfjord.

Irgendwann reißen die Wolken auf, und das Fantasiebild wird wahr: Die Piste glitzert in der Sonne, und im Hintergrund, weit unten zwischen schneebedeckten Bergen, erstreckt sich der tiefblaue Fjord. Dieses Bild war der Grund für die weite Reise nach Norwegen, zum Skigebiet Stranda. Längere Pisten, mehr Lifte und mehr Après-Ski-Bars findet man in jedem zweiten Alpental. Aber nicht mit Meerblick. Und selten mit besserem Schnee.

Stranda mit seinen 25 Kilometern Piste ist das größte Skigebiet in den Sunnmørsalpen, eine Stunde Fahrt südöstlich der Jugendstil-Stadt Ålesund. Es besteht aus zwei Bergen, zwischen ihnen liegen die Talstationen, der Parkplatz und der Skiverleih.

An wenigen Orten in Europa fällt mehr Schnee als hier: durchschnittlich acht Meter pro Jahr. Einfache Tiefschneehänge liegen hier direkt neben der Piste, anspruchsvollere Hänge sind in ein paar Minuten Gehzeit zu erreichen. Wer von den Bergstationen zu den zwei Gipfeln hinaufsteigt, hat die Wahl zwischen Abfahrten in alle Richtungen und zum Fjord hinab.

"20 Minuten aufsteigen, 1100 Höhenmeter abfahren, das ist der feuchte Traum jedes Skitouren-Anfängers", sagt Oscar Almgren. Der 30 Jahre alte Guide sieht mit seinen schulterlangen, blonden Haaren, dem Sieben-Tage-Bart und den eisblauen Augen aus wie Kurt Cobain in gesund. Almgren führt seit sieben Jahren Freerider und Skitourengeher durch die Sunnmørsalpen. Er stammt aus Schweden, aber mittlerweile würden ihn die Norweger akzeptieren, sagt er. Vielleicht auch, weil er zugleich der Schnee- und Lawinenexperte von Stranda ist.

Die Abfahrt ist nach der Tiefkühlpizza-Fabrik benannt: "Grandiosa"

"Fantastisch", sagt er an diesem Morgen, als er zum ersten Mal aus dem Sessellift rutscht und den Hang quert. Über Nacht sind 20 Zentimeter Schnee gefallen. Und es schneit weiter. Der Plan war eigentlich, den halben Tag auf der Piste zu fahren. "Nicht heute", sagt Almgren und lächelt selig. Dann wedelt er mit lockeren Schwüngen den Hang hinab. Mühelos gleitet er durch den Pulverschnee.

Stranda ist ein guter Ort, um das Fahren im Tiefschnee zu lernen. Viele Abfahrten hier sind relativ einfach: breite Hänge, nicht übermäßig steil. Almgren lebt in einem Holzhaus neben dem Ende einer der berühmtesten Abfahrten, der "Grandiosa". Benannt wurde sie nach dem grauen Klotz hinten im Tal, der größten Tiefkühlpizza-Fabrik Norwegens. In dem Städtchen mit gut 4600 Einwohnern werden auch Möbel gezimmert, Schinken und Lachs eingeschweißt.

Der Tourismus spielt bisher eine Nebenrolle, im Winter kamen lange nur Skifahrer aus der Gegend. 1956 lief der erste Lift in Stranda. Ein Volkswagen Käfer! Man nahm den Gummi von einem Hinterrad, legte ein Seil um die Felge und stellte oben am Hang ein Rad auf, um das das Seil lief. Der improvisierte Lift war so beliebt, dass bald ein verbesserter Motor eingebaut und dann ein echter Bügellift errichtet wurde. Doch das Skigebiet blieb klein.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH