Samstag, 24. Juni 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Die besten Tipps fürs Gourmet-Sterne-Dorf Baiersbronn Gratis am Wegesrand, teuer auf dem Teller

Baiersbronn: Wanderlust und Sterneküche
Fotos
Baiersbronn Touristik

Anleitung für Aufstieg in den Wanderhimmel: Durch den tiefgrünen Schwarzwald ziehen, Fichtennadeln pur probieren, lecker einkehren. Kräuterküche lieben lernen, weiterwandern, schwelgen und vorfreuen auf das, was täglich abends kommt: Köstliches weltberühmter Köche.

Sehnsucht Deutschland
Heft 4/2016

Das Magazin vom Reisen, Leben und Entdecken

Heft bestellen

Zur Webseite

Wenn Baiersbronn für etwas bekannt ist, dann Spitzengastronomie. Da Essen allein zu sehr auf die Hüften gehen würde, kann man obendrein noch herrlich wandern. Oder beides verbinden.

"Mir könned net viel, aber des, was mir könned, könne mer gut", gluckst Rolf Wein mit spitzbübischem Lächeln, während er junge Fichtennadeln zwischen den Fingern verreibt und uns unter die Nasen hält. "Und des isch G'nieße und Natur", fügt er hinzu.

Dass er mit den Fichtennadeln keineswegs nur die Natur meint, sondern auch das Genießen, wird uns erst klar, als er uns zum Kosten auffordert. Fichtennadeln? Essen? Ja, sind wir denn Tiere? Wir wagen es und zermahlen ein wenig der noch ganz hellgrünen Fichtenspitzen vorsichtig zwischen den Zähnen. Schmeckt eindeutig nach Wald, recht aromatisch, keinesfalls bitter, eigentlich sogar süß, irgendwie nach Badekugeln.

Lesen Sie auch: Sternekoch Harald Wohlfahrt über Teambuilding

Wir sind in Baiersbronn. Nie gehört? Na gut: Schwarzwald. Genau: Kuckucksuhren, Bollenhüte, Kirschtorte, Schinken. Und im nördlichen Teil dieser klischeebehafteten Gegend, zwischen Stuttgart und dem französischen Strasbourg, liegt Baiersbronn. Herausragendes Kennzeichen: acht Michelin-Sterne - bei nicht einmal 15.000 Einwohnern. Zwei Restaurants sind mit der Höchstwertung von drei Sternen ausgezeichnet: die Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach und das Bareiss. Das Restaurant Schlossberg im Hotel Sackmann kommt auf zwei Sterne.

Fakten
STERNEDORF
Baiersbronn und seine neun Teilgemeinden, die sich im Nordschwarzwald genüsslich verteilen, ist einerseits wegen großer Sterneküche weltberühmt, anderseits in Deutschland kaum bekannt. Dabei locken Europas weitläufigstes Wanderwegenetz, Gletscherkarseen und Kurorte jeder Couleur. Hin, oder wenigstens auf die Liste setzen. Jetzt. baiersbronn.de

Doch zurück zu Rolf Wein, der uns inzwischen auch Wiesenthymian und Brunnenkresse zur Degustation gereicht hat - natürlich frisch vom Wegesrand. Rolf ist unser Wildkräuter-Guide und ein Baiersbronner Urgestein. Mit ihm erkunden wir einen bescheidenen Teil der über 500 Kilometer ausgeschilderten Wanderwege der Gemeinde. Bescheiden vor allem, weil wir alle paar Meter stehen bleiben, um uns der großenteils essbaren Flora zu widmen: Spitzwegerich, Rotklee, Walderdbeeren … Gourmetküche direkt vom Feld. Denn was frisch aus der Natur schmeckt, kann auf dem Teller nicht verkehrt sein. Dementsprechend präsentiert uns abends das Hotel Tanne Tonbach ein "Menü aus dem essbaren Wanderhimmel".

Die Beilagen sind unsere alten Bekannten von Wald und Wiese: Auf Ziegenbratkäse mit Honigklee folgen Lammbratwürstchen mit Wiesenthymian, geschmorte Rehbockkeule mit Spitzwegerich und schließlich Eiscreme mit Fichtenspitzen. Alles köstlich. Sicher nicht nur, weil wir unseren Gaumen bereits auf Wildkräuter konditioniert hatten.

Essbarer Wanderhimmel: Besser kann man das Tourismuskonzept von Baiersbronn kaum beschreiben. Außer vielleicht mit "G'nieße und Natur". Schließlich tun auch wir drei Tage lang nicht viel anderes, als zu speisen und die aufgenommenen Kalorien halbwegs wieder wegzuwandern. Alles andere als leicht, wenn Wanderhütten und sogenannte Genussplätze ständig zum Pausemachen verführen.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH