Montag, 19. November 2018

Rom im Hochsommer Die schönsten Schattenseiten der ewigen Stadt

Urlaub in Rom: So lässt sich der Sommer genießen
Christoph Driessen/dpa-tmn

Es gibt kaum etwas so Wunderbares wie eine Abkühlung mitten im römischen Sommer. Ein besonders sehenswertes Beispiel dafür findet sich im Zoo Bioparco, gleich neben der Villa Borghese. Den beiden Kegelrobben dort macht der römische Sommer ebenso zu schaffen wie den Touristen. Dennoch muss das Wasser in ihrem Bassin ab und zu ausgetauscht werden, auch bei 35 Grad im Schatten. Wenn das frisches kalte Wasser ins Bassin sprudelt, legen die beiden Nordatlantiker geradezu südländischen Überschwang an den Tag: Immer und immer wieder schießen sie aus dem Wasser und lassen sich lustvoll zurückfallen. Es ist der pure Genuss.

Genau das ist der Schlüssel zu einem unvergesslichen Rom-Urlaub im Sommer: Schwitzen wird man unvermeidlich, aber die eisgekühlte Cola oder das Amarena-Eis entschädigen dafür, weil sie unter diesen Umständen noch einmal doppelt so gut schmecken. Denn eher früher als später wird der Moment kommen, in dem man kraftlos in einem Straßencafé niedersinkt. Der Schweiß läuft, das Shirt klebt. Und dann wandert der Blick zum Nachbartisch, und dort sitzt ein Italiener - im Anzug. Weißes Oberhemd, schicke Sonnenbrille, alles piccobello. Wie ist das möglich? Es soll Römer geben, die an solchen Tagen vorsorglich ein zweites Hemd mit ins Büro nehmen und das Deo immer griffbereit haben. Doch wie sie es genau schaffen, auch bei sengender Hitze noch bella figura zu machen, bleibt ihr Geheimnis.

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Einige Tricks kann man sich als Tourist allerdings abschauen. Die einfachste Maßnahme ist natürlich: früh aufstehen. Um sechs Uhr morgens hat man selbst das Ballett der Meeresgötter und Nymphen am Trevibrunnen ganz für sich allein. Wenn die Sonne im Zenit steht, sollte man sich dagegen ins Schattenreich der abgedunkelten Wohnungen oder eben ins Hotelzimmer zurückziehen. Fensterläden schließen, Vorhänge zuziehen und die betäubende Hitze draußen halten.

Und dann natürlich der Abend, der für alles entschädigt. Schon Rom-Liebhaber Goethe rühmte den Zauber, der sich bei Nacht "über die ungeheure Stadt verbreitet". Die seidige Nachtluft verstärkt eine Atmosphäre unbestimmter Erwartung. Natürlich speist man im Sommer draußen, so ist es seit jeher Brauch bei den Römern. Die Kinder, so vorhanden, spielen auf der Piazza. Die Spanische Treppe wird zur Bühne. Rosenverkäufer, Gitarrenspieler und Straßenmaler sind in Aktion. Es ist ein großes Stadttheater, das sich entfaltet. Und wenn um Mitternacht die Küchen schließen, ist es Zeit, den Eissalon aufzusuchen. Besonders berühmt: "Gelateria Giolitti". Die Kundschaft ist so gemischt wie das Eis-Sortiment.

Eine weitere Maßnahme besteht darin, die großen Plätze tagsüber zu meiden und in die schattigen Gassen des Centro Storico abzuwandern. Außerdem gibt es ja immer noch 2500 kostenlose Erfrischungsstationen: die uralten, wunderschönen römischen Trinkwasserbrunnen, von den Einheimischen "nasoni" genannt, was ungefähr "große Nasen" bedeutet. Das Wasser sprudelt unaufhörlich, einen Hahn zum Abdrehen gibt es nicht, so dass es ganz überwiegend ungenutzt in die Kanalisation fließt. Gerade deutsche Touristen haben oft Bedenken, doch die Qualität des Wassers ist hervorragend. Dementsprechend wundern sich die Römer über Touristen, die schwere Wasserflaschen mit sich herumschleppen oder bei fliegenden Händlern einen Euro für ein kleines Fläschchen bezahlen. Nicht geeignet zum Trinken sind nur die großen Monumentalbrunnen etwa auf der Piazza Navona.

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