Donnerstag, 25. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Mit dem Käfer Cabrio durchs Rheingau Zu Gast bei den Stars der Weinszene

Rheingau: Zu Gast bei den Stars der Weinszene
Fotos
René Supper / Sehnsucht Deutschland

Wir haben uns mit einem Käfer Cabrio durch eine der wundervollsten Gegenden Deutschlands treiben lassen und wollen seitdem nur eines: zurück ins Rheingau!

Frau Schmolski putzte damals in meiner Schule. Sie kam aus Oestrich-Winkel, war beliebt und trotzdem in Hamburg nie so richtig glücklich geworden. Wenn sie sich unbeobachtet fühlte, bückte sie sich, langte in den Putzwagen, beförderte eine Flasche Riesling hervor und nahm einen kräftigen Schluck Heimat.

Heinrich von Kleist hätte sie verstanden, er nannte den Rheingau schon vor 200 Jahren den "Lustgarten der Natur". Und wer wollte so einen Landstrich schon freiwillig verlassen?

Ein Gau ist übrigens kein Störfall in einem Reaktor, sondern aus dem Althochdeutschen, ein am Wasser gelegenes Land. Also: das Land. Und weil der alte Goethe schon ins Rheingau, also in das Rheingau, fuhr, heißt es folglich auch so. Sagen die Deutschlehrer. Also: das Rheingau.

Würde hier gut passen, denn das Rheingau erstreckt sich von Flörsheim am Main über Wiesbaden, Eltville und Rüdesheim bis zum Welterbe Mittelrheintal bei Lorch, auf ganzer Linie eingebettet zwischen Mitte Fahrwasser Rhein - die andere Hälfte gehört zu Rheinhessen und das wiederum zu Rheinland-Pfalz - und zu den mächtigen Wäldern des Taunus.

Sehnsucht Deutschland
Heft 4/2016

Das Magazin vom Reisen, Leben und Entdecken

Heft bestellen

Zur Webseite
Der Duden bestätigt das Rheingau, wenn die Landschaft gemeint ist, der Rheingau, wenn, ja - was auch immer. Winzer schütteln nur den Kopf und sagen der Rheingau. Und da dies auch ein bisschen Jacke wie Hose ist, machen wir es im Winzerland wie die Winzer. Oder gerade so, wie es passt.

Natürlich ist der Rheingau größer, doch wer von ihm spricht, meint den überschaubaren Teil, der es sich lustvoll zwischen Rhein und den sanften Weinbergen des zum Taunus gehörenden Rheingaugebirges bequem macht. Und falls Sie mal in die Verlegenheit kommen sollten, bei Günther Jauch die Millionenfrage gestellt zu bekommen: Das Rheingau ist in Hessen. Der natürlich auch.

14.16 Uhr: Eine Halle Oldtimer, bitte!

Der Weg geht jetzt über Wiesbaden, wo Justus Schminke vor seiner randvoll mit Oldtimern gefüllten Garage steht und grinst. Vermutlich kann er sich nicht vorstellen, dass ich meine langen Beine hinters Lenkrad des weißen Käfer Cabrios von 1972 bekomme. Schminke vermietet auch ein Lebensgefühl, alte Traumautos, solche mit Blech und Chrom, Kanten und Macken, keine aseptischen Joghurtbecher, wie ein Freund das moderne Durchschnittsauto nennt.

Ich wollte den Käfer. Meine Mutter hatte auch mal einen. Den durfte ich fahren. Immer. Ein paar Mal auch wogegen. Das verbindet.

Ich klettere hinters Lenkrad. Vor 28 Jahren war mehr Platz. Aber wenn man erst mal sitzt, sitzt man gut. Wir rollen vom Hof, es regnet, leichter Wassereinbruch. Das war schon früher ganz normal, sogar ab Werk. Als es aufhört, ersetzt der Fahrtwind das Wasser, nur lauter. Ich drücke aufs Gas. Gefühlte 140 km/h sind reelle 60 km/h. Sonores Knattern. Besonders schön zu hören unter Brücken oder in engen Straßen. Alles wie früher. Ein Auto wie mein alter Freund Kuhlmann: ewig nicht gesehen, sofort vertraut.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH