Montag, 18. Februar 2019

Luxushotels in Lissabon Rast als Gast im Palast

Reisetipps für Lissabon: Zu Gast in den schönsten Palasthotels
Pestana Palace

2. Teil: Das Haus war unbewohnbar für nur zwei Menschen

Eigentlich wollte Frederic Coustals den alten halbverfallenen Palast in Lissabons Alfama, der sich so unauffällig an die dicken Mauern des Castel Do San Jorge schmiegt, zu seinem privaten Alterssitz machen. "Als ich hier in den 1990ern neben dem Castel aus dem Taxi stieg, fand ich ein komplett verfallenes Anwesen vor. Sieben Fenster sah ich und dachte, es sei der Größe nach wohl passend für eine Privatwohnung in Lissabon."

Doch hinter der Fassade verbargen sich unzählige Räume, Säle, Verbindungstrakte, Anrichten, Gänge, Festzimmer und Separees, 3700 Quadratmeter und 380 Fenster. "Diese 380 Fenster und Türen jeden Tag selbst zu öffnen und zu schließen - das war mir dann doch zuviel", lacht er. "Das Haus war schlicht unbewohnbar für nur ein oder zwei Menschen."

Zu dieser Zeit brauchte Lissabon dringend mehr Hotels. So wurde das Belmonte für zwei Jahre zum Studienobjekt für den passionierten Ökologen. Die alten Bewohner des Viertels wurden befragt, alte Schriften studiert, und nach historischen Bautechniken geforscht, bis man wusste, welche Materialien und welche Art zu bauen 1420 aktuell waren, als die drei maurischen Türme zu einem Haus und dann 1640 zum Palast wurden.

1994 kaufte Coustals das Gebäude, und eine sechsjährige Restaurierung begann. Zehn Suiten entstanden so, jede benannt nach einen portugiesischen Schriftsteller, Künstler, Philosophen, Entdecker oder Erfinder. 26 Millionen Euro wurden ausgegeben, bis die Wände und alten Kacheln nach alten Methoden restauriert und wiederhergestellt wurden. Dabei entdeckten die Eigentümer zahlreiche historische und architektonische Kostbarkeiten, verborgene Fresken und Briefe der Könige und Königinnen Portugals.

Erbaut auf römischen und maurischen Fundamenten

Mehr als 500 Jahre war der Palast die Residenz der Grafen von Belmonte und des Marquis D'Atalia, Alvares Cabral, dem Entdecker Brasiliens. Der Palast wurde 1449 auf römischen und maurischen Fundamenten erbaut. Insgesamt sollen die alten Fundamente fast 2200 Jahre alt sein. 1503 erweitere Cabral das Anwesen, um so illustre Persönlichkeiten wie Vasco da Gama nach seiner triumphalen Rückkehr aus Indien standesgemäß beherbergen zu können.

Knapp 150 Jahre später wurden dem Gebäude die noch heute beeindruckenden Terrassen mit Blick auf die Alfama, das alte maurische Viertel, und das Meer zugefügt. Zwischen 1720 und 1730 statteten zwei Meister der portugiesischen Kachelmalerei das Anwesen mit mehr als 30.000 der weiß-blauen "Azulejos" genannten typischen Porzellankacheln aus, die typische Alltagsszenen vom portugiesischen Königshof zeigten. All dies überstand sogar das verheerende Erdbeben von 1775.

Kunst spielt im Palacio Belmonte eine große Rolle. Neben den Kunstbildbänden und den Bildern von Mendonca sind moderne, großformatige Werke des Künstlers Rui Goncalves in den Räumen verteilt. Im Belmonte finden auch Konzerte und Workshops mit Künstlern, Designern, Architekten und Musikstudenten statt. Regisseure haben den Palast auch als Location für ihre Filme entdeckt. So kennt man einige der Säle und auch den zauberhaften Garten aus Wim Wenders "Lisbon Story".

Palácio Belmonte
Páteo Dom Fradique, 14 1100-624 Lissabon
Tel.: +351 218 816 600

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