Mittwoch, 15. August 2018

Auf der Suche nach dem alten Oman Im Schatten der Dattelpalme

Oman: Wüstenerfahrungen
Fotos
TMN

Einsame Sandwüsten, grüne Oasen, schroffe Gebirge: Der Oman ist rau und exotisch, aber gleichzeitig weltoffen und wohlhabend. Tradition und Moderne überlagern sich auf eine ruhige, nahezu behäbige Art und Weise. Der Reisende bewegt sich träumend zwischen den Zeiten

Maskat - Das Fahren fühlt sich an wie auf Schnee. Die Reifen schlingern auf die nächste Düne zu. Jetzt nicht zu langsam fahren und nicht zu schnell, richtig schalten, die Räder dürfen nicht durchdrehen, der Wagen nicht steckenbleiben. Draußen sind es fast 40 Grad in der Sonne. Die Temperatur im Schatten zu messen, ist nicht möglich mitten in der Rimal Al Wahiba, der Bilderbuch-Sandwüste im Osten des Omans. Denn es gibt nichts, das einen Schatten werfen könnte - nur Sand bis zum Horizont und 150 Meter hohe Dünen.

Nach ein paar Kilometern übernimmt Mohammed Khater wieder das Steuer. Es braucht einen erfahrenen Guide wie ihn, um die Wahiba Sands mit einem Allradfahrzeug zu durchqueren. "Der weiße Sand ist der gefährlichste", sagt Mohammed. Dieser Sand ist besonders fein und damit schwierig zu durchfahren. Ortsfremde verlieren in der dimensionslosen Wüste sofort die Orientierung. "Die Straßen können unsichtbar werden, wenn ein Sandsturm kommt." Und manche Wege enden irgendwann einfach vor einer großen Düne.

Weil die Landschaft so menschenfeindlich ist, liegen die Wüsten-Camps für die Touristen gleich am Rand der Wahiba. Doch auch dort ist es am Abend absolut still und einsam. Vor den Toren ruhen die Dromedare, in den teils luxuriösen Zeltanlagen werden üppige Speisen aufgefahren. Die Mondsichel hängt am Himmel wie eine silberne Waage. Viele Reisende, die den Oman besuchen, wollen vor allem die Wüste sehen. Sie sind auf der Suche nach dem alten Arabien, den Schauplätzen aus den Geschichten aus 1001 Nacht.

In Maskat würde Sindbad der Seefahrer, sofern es ihn wirklich gegeben hätte, heute ziemlich fehl am Platz wirken. Was der Reisende am Flughafen der Hauptstadt zuerst wahrnimmt, ist ein moderner klinisch sauberer Oman. Auf der Fahrt ins Zentrum über eine hell beleuchtete Schnellstraße geht es an vier McDonalds-Filialen vorbei.

Blankgeputzte Opulenz

Fahrer schmutziger Autos zahlen im Oman ein Bußgeld. Das höchste Minarett der blitzblank geputzten Großen Moschee ragt strahlend weiß in den Himmel, der Gebetshof lässt sich mit einem automatischen Dach abdecken, obwohl es im Oman fast nie regnet. Der Kristallleuchter im Innenraum war zeitweilig der größte der Welt.

Noch mehr blankgeputzte Opulenz sieht der Reisende im Royal Opera House, in dem nur Edelhölzer und viel Marmor verbaut wurden. "Die wichtigste Botschaft dieses Opernhauses ist Frieden", sagt der Führer Badar Said al Dhuhi und spannt den großen Bogen: Mit den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 sei der Kampf der Zivilisationen ausgebrochen, doch das Opernhaus soll ein Ort der Zusammenkunft sein. "Sie kommen alle aus unterschiedlichen Kulturen", sagt Badar zu den Gästen. "Aber wenn Sie die Musik hören, fühlen Sie alle das Gleiche."

Der Oman wirbt damit, ein ruhiges, weltoffenes und sicheres Reiseland zu sein. Im Verhältnis zu vielen anderen arabischen Staaten stimmt das. Im instabilen Nachbarland Jemen werden regelmäßig Ausländer von fundamentalistischen Splittergruppen entführt. Zwar kam es im Sog der arabischen Revolutionen auch im Oman zu gewaltsamen Protesten, aber die Lage ist trotzdem ruhiggeblieben. Touristen können das Land selbstständig erkunden, ohne von korrupten Polizisten oder bewaffneten Straßenräubern behelligt zu werden. Dabei zeigt der Oman eine gediegene, nahezu schläfrig anmutende Schönheit. Vom Gigantismus und Größenwahn der Emirate ist man weit entfernt.

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