Dienstag, 22. Januar 2019

South Dakota Auftritt der Präriegiganten

South Dakota: Buffalo Roundup
TMN

Jeden Herbst werden im Custer State Park in South Dakota die Bisons zusammengetrieben, um Brandzeichen zu setzen und den Bestand zu überwachen. Es ist ein Volksfest mit Wild-West-Flair, bei dem Cowboys, Ureinwohner und Touristen aufeinandertreffen.

Custer State Park - South Dakota, Ende September: Es ist früh um 4.00 Uhr. Der Herbst kündigt sich mit dunklen Wolken und kühlen Nächten an. Fröstelnd bereiten sich etwa 60 Wrangler, wie die Viehtrieber hier heißen, auf das jährliche Highlight im Custer State Park vor. Kevin Stolz gehört zu den 20 Profis, die diesmal dabei sind und zur Sicherheit einen Colt umschnallen, um im Ernstfall den 40 freiwilligen Cowboys auf Zeit, die per Losentscheid am Bisontrieb teilnehmen dürfen, zur Seite stehen zu können. "Wenn so ein Bulle mit etwa 900 Kilogramm auf dein Pferd losgeht, sollte man schon gut vorbereitet sein", empfiehlt er. "Auch mit Kühen, die ihr Kalb dabei haben, ist nicht gut Kirschen essen."

Kevin MacRitchie stimmt ihm zu: Er ist seit dem Jahr 2005 dabei und weiß von einigen brenzligen Situationen zu berichten. "Immer wieder versuchen insbesondere die Bullen aus der Herde auszubrechen. Deshalb versuchen wir, die Reihe mit allen 60 Wranglern so fest wie möglich zu schließen, um Druck von hinten auf die Herde auszuüben." Kevin, der im Hauptberuf bei einem großen IT-Konzern arbeitet, hat selbst 160 Bisons und kennt sich mit den Tieren aus.

Vier Stunden später haben sich die Wrangler in drei Gruppen hinter den Hügeln positioniert, auf denen die Bisons friedlich grasen. Noch immer strömen Besucher aus aller Welt zum Roundup-Gelände, von wo sie dem Treiben in sicherer Entfernung zusehen können. Lediglich das Zwitschern einiger Vögel durchbricht die Stille in der weiten Prärie. Dann endlich kommt das Signal: Alle Schaulustigen haben einen Platz gefunden, es kann losgehen.

5200 Hufe bringen die Erde zum Beben

Die erste Gruppe Wrangler reitet auf die Hauptherde zu, die sich mit Getöse in Bewegung setzt. Etwa 5200 Hufe bringen die Erde zum Beben, wirbeln Staub auf und verwandeln die Stille in ein Donnern. Von den Seiten treiben die anderen Wrangler kleinere Bisongruppen auf die Hauptherde zu, unterstützt von Pickups, die es im von Bächen durchfurchten, durch Baumgruppen getrennten und mit größeren Findlingen übersäten, unebenen Gelände nicht gerade leicht haben.

Doch die Wrangler haben die Lage im Griff. Langsam schieben sich die 1300 Bisons durch das geöffnete Gatter in ein umzäuntes Gelände. Anschließend werden sie in kleinere Gruppen getrennt und die gerade einmal drei bis vier Monate alten Kälber geimpft und gebrandmarkt. Die Kühe erwartet ein Schwangerschaftstest, denn die Brunftzeit geht dem Ende entgegen. 100 bis 300 Tiere ersteigern später Rancher oder Schlachthöfe.

"Unser Ziel ist es, den Bestand im Custer State Park stabil zu halten und eine Überweidung zu verhindern", erklärt der Gouverneur von South Dakota, Dennis Dougard. Nicht ohne Stolz verweist er darauf, dass sein Bundesstaat mit etwa 35.000 Tausend Bisons die größte Population des einstigen Symboltieres der nordamerikanischen Prärien beheimatet.

Das Buffalo Roundup hat inzwischen einen Volksfestcharakter angenommen: Nach dem Bisontrieb gibt es für alle ein zünftiges Chuckwagon-Lunch. Hauptbestandteil der Hamburger vom Verpflegungswagen ist natürlich Bisonfleisch. Ureinwohner vom Stamm der Lakota lassen zum Tanz ihrer Frauen und Kinder die Trommel erklingen, und Händler bieten in kleinen Zelten alles an, was mehr oder weniger zu einem Bisonfest gehört.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung