Donnerstag, 16. August 2018

Tasmanien Wandern zu den Schätzen der Natur

Tasmaniens Naturschätze: Auf dem Overland Track
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TMN

Sechs Tage mit dem Rucksack durch die Wildnis wandern: Der Overland Track gehört zu Tasmaniens großen Abenteuern. Bei Urlaubern ist der Pfad beliebt, doch er ist nicht die einzige attraktive Route auf der Insel - auch andere Wehe führen zu besonderen Naturschätzen.

Darlington/Waratah - Adam Kilvert hat starke Nerven, und er hat Mut. Der Manager aus Brisbane liegt bäuchlings auf der Spitze von Bishop & Clerk, einem Gipfel auf Maria Island, und er robbt immer weiter an die Abbruchkante heran. Dann schiebt er seinen Kopf über den Rand des Doleritgesteins - und blickt gut 600 Meter fast senkrecht in die Tiefe. "Sei vorsichtig", ruft seine Freundin Margie, während Adam die Arme ausstreckt und mit seiner Kamera einzufangen versucht, wie dort unten die Wellen des Südpazifiks gegen die Felsen klatschen.

Maria Island ist eine kleine Insel vor der Ostküste Tasmaniens, ein Außenposten Australiens und zugleich ein Nationalpark. Die Tour hinauf zu Bishop & Clerk gehört zu den beliebtesten Aktivitäten hier. Vier bis fünf Stunden hin und zurück sind es von Darlington aus, dem einzigen Ort auf Maria Island. Erst führt der Weg durch eine hügelige Graslandschaft und lichten Eukalyptuswald, später in Serpentinen rund 150 Höhenmeter über ein breites Geröllfeld. Am Ende sind einige größere Brocken zu erklimmen, dann reicht der Blick weit: über den Ozean und zur tasmanischen Hauptinsel, nur 30 Fährminuten entfernt.

Adam Kilvert und Margie Hayler sind hier oben fast am Ende ihres Wanderurlaubs angekommen. Nach dem Abstieg folgt noch eine Nacht in Darlington, dann heißt es Abschied nehmen. Das Paar hätte sich den Nationalpark leicht durch eine mehrtägige Wanderung auf eigene Faust erschließen können, doch lieber hat es sich in die Obhut von The Maria Island Walk begeben. 2250 australische Dollar (rund 1560 Euro) haben Adam und Margie pro Person bezahlt, um in einer kleinen Gruppe und mit zwei Führern die Insel zu erkunden. Die Transfers von und nach Hobart, zwei Nächte in einem Camp, eine in einem historischen Gebäude, die Mahlzeiten und australischen Weine: alles inklusive.

Wandern war schon immer ein großes Thema für Tasmanien-Reisende, doch seit einigen Jahren ist es zunehmend auch ein durch und durch organisiertes Geschäft geworden. Sechs Tourenanbieter haben sich zum Verbund Great Walks of Tasmania zusammengetan, zur Auswahl stellen sie sieben Routen in verschiedenen Inselregionen. Die Bandbreite reicht von viertägigen, eher leichten Wanderungen am Ozean entlang wie auf Maria Island oder weiter nördlich im Freycinet Nationalpark bis hin zum neuntägigen, ziemlich herausfordernden South Coast Track.

Ohne Voranmeldung läuft nichts

Wanderer, die ohne Unterstützung eines Touranbieters ihre Stiefel schnüren, sind aber weiterhin in der Mehrheit. Wer keine Ausrüstung mitbringt, kann sich Zelte, Schlafsäcke und Kochgeschirr in Tasmanien leihen und losmarschieren - zum Beispiel in Freycinet. Dort ist Coles Bay als Ausgangspunkt vieler Routen verhältnismäßig leicht erreichbar, was nicht für alle Wandertouren gilt. Ohne gute Planung stoßen die Individualwanderer manchmal rasch an ihre Grenzen.

In Freycinet zum Beispiel werden für beliebte Campsites die Übernachtungsplätze in der Hochsaison lange im Voraus verlost. Und auf den Overland Track, der im Zentrum Tasmaniens über 65 Kilometer von Cradle Mountain zum Lake St. Clair führt, dürfen täglich nur maximal 34 Wanderer starten. Auch sie müssen sich lange vorab anmelden und in den Monaten November bis April eine Gebühr zahlen.

"2012 ist diese Gebühr auf 200 Dollar pro Person angehoben worden, um den großen Andrang auf den Overland Track stärker zu regulieren", erklärt Annabelle Sweetman, Wander-Expertin bei Tourism Tasmania. Wer beim Anbieter Cradle Mountain Huts gebucht hat, muss sich dagegen um die Anmeldung keine Sorgen machen - und übernachtet nicht im Zelt, sondern komfortabler in Hütten, die das Unternehmen am Track gebaut hat. Jedoch zahlt der Gast dafür auch einen deutlich höheren Preis.

Auf dem Gipfel von Bishop & Clerk hat Adam Kilvert inzwischen die Kamera wieder eingesteckt. Vor dem Abstieg schweift sein Blick noch einmal über Maria Island. Nicht zu sehen sind von hier die Painted Cliffs, eine in vielen Braun-, Ocker- und Gelbtönen schimmernde Sandsteinklippe, die bei Ebbe gut zugänglich ist und von fast allen Wanderern auf Maria Island besucht wird. Auch Darlington versteckt sich größtenteils hinter hohen Bäumen. Im 19. Jahrhundert war der Ort insgesamt 15 Jahre lang ein Gefängnis für Sträflinge, die die Briten nach Australien gebracht hatten. Einige Gebäude aus jener Zeit stehen noch, darunter der gut erhaltene Commissariat Store von 1825.

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