Samstag, 17. November 2018

Norwegische Landschaftsrouten Rastplätze mit Kunstgenuss

Große Kunst am Straßenrand: Unterwegs auf den Norwegischen Landschaftsrouten
TMN

Lange oder kurze Distanzen, nah am Meer oder vorbei an eisblauen Gletschern: Die 18 norwegischen Landschaftsrouten verführen zum Stehenbleiben und Staunen. Denn auf den Nasjonale turistveger gehört die Kunst zur Rast.

Gudbrandsjuvet - Ein eiserner Steg führt über die Schlucht des schäumenden Valldølaflusses. Er führt die Reisenden vom Rastplatz Gudbrandsjuvet zu einem Café. Manch ein Besucher blickt ängstlich aus der Höhe in die brausenden Fluten: Nur schnellen Schrittes weiter, zur Pause ins Café.

Der Rastplatz Gudbrandjuvet liegt an der Landstraße 63, die vom Geirangerfjord nach Åndalsnes führt und besser bekannt ist als Trollstigenstrecke. Mit 106 Kilometer Länge zwischen dem See Langevatn im Strynefjell oberhalb von Geiranger und dem Romsdal zählt die Straße zu den 18 Nasjonale turistveger, den Landschaftsrouten Norwegens.

"1994 haben wir die ersten vier Routen geplant: die Hardangerstraße, die Helgeland-Küstenstrecke, Gamle Strynefjell und die Sognefjellroute, mit einer Passhöhe von 1434 Meter über dem Meeresspiegel der höchste Gebirgspass in Nordeuropa", erinnert sich Per Ritzler von der Staatlichen Straßenbauverwaltung in Lillehammer. Was damals als Experiment begann, hat sich inzwischen etabliert und wird zu einem Netz von 18 Landschaftsrouten ausgebaut. Die Straßen sind zwischen 27 und 416 Kilometer lang.

Von 18 Routen sind 6 samt Aussichtsplattformen, Kunstwerken an den gestalteten Rastplätzen und erläuternden Hinweisschildern bereits komplett fertiggestellt, im Jahr 2023 soll das gesamte Projekt abgeschlossen sein.

Leben in abgelegenen Landstrichen

"Alle Strecken bieten spektakuläre Architektur und Kunst an den Rastplätzen und führen durch faszinierende Landschaften. Darüber hinaus sind Hotels und Gasthäuser entlang der Routen prägend für die jeweilige Region", so Ritzler zu dem Konzept. Dabei ist das ungewöhnliche Straßenprojekt kein Selbstzweck: Durch mehr Reisende auf den Straßen soll Leben in abgelegene Landstriche kommen.

Bei der Landschaftsroute Geiranger-Trollstigen scheint das kaum notwendig - sie ist schon seit vielen Jahren so etwas wie ein Aushängeschild Norwegens. "1910 kamen bereits 120 Kreuzfahrtdampfer in den Geirangerfjord", so Karl Mjelva, der in dritter Generation das "Union-Hotel" in Geiranger führt. Anfangs brachten die Bauern ihre Besucher in Pferdekutschen zu den Aussichtspunkten oberhalb des idyllischen Fjordes.

Nach und nach wurden die Pferdekutschen in den 1920er Jahren durch Sieben-Sitzer Autos ersetzt, die von den Einwohnern gemeinschaftlich erworben wurden. "Weil die normalen Pkw für unsere Pisten nicht geeignet waren, wurden deren Fahrwerke hier im Ort entsprechend umgebaut. Wir hatten hier in Geiranger eine kleine Automanufaktur", erinnert sich Mjelva. Zehn dieser Oldtimer - alle sind fahrbereit - können im kleinen Oldtimermuseum des Hotels besichtigt werden.

Rund 800.000 Touristen reisen heute nach Schätzungen des örtlichen Tourismusbüros pro Jahr nach Geiranger, dessen imposante Fjordlandschaft mit den steil abfallenden Berghängen seit 2005 zum Unesco-Weltnaturerbe zählt. Im Sommer kommen Tag für Tag riesige Kreuzfahrtschiffe in den 15 Kilometer langen Meeresarm hinein, der an einigen Stellen nur 600 Meter breit ist.

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