Donnerstag, 19. Juli 2018

Idahos heiße Quellen Traumtour für Mountainbiker

Mountainbiken: Zu Idahos heißen Quellen
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TMN

Wechselbad inklusive: Wer sich in Idaho zum Radwandern auf den Sattel schwingt, sollte die Hot Springs Mountain Bike Route wählen. Die quellenreichste Etappe der anspruchsvollen Tour verläuft entlang des Boise River.

35 Grad zeigt das Thermometer - und das mitten in den Rocky Mountains. Doch es hilft nichts: Wir wuchten die Fahrräder aus dem Kofferraum des Vans, hängen die Satteltaschen ein. Der Plan: Wir wollen uns von Idaho City aus auf die Hot Springs Mountain Bike Route wagen, einen Zusammenschluss von 1200 Kilometern Strecke in einem der am dünnsten besiedelten US-Staaten. Markenzeichen: ihre vielen heißen Quellen als Überbleibsel der einst vulkanisch sehr aktiven Gegend.

Als der Van in einer Staubwolke verschwunden ist, atmen wir die kühle Luft des Morgens ein, der Sandweg reflektiert das Sonnenlicht. Wir radeln inmitten eines Teppichs lila blühender Prärielilien, an den buckeligen Bergflanken stehen die Ponderosa-Kiefern stramm. Auch der Fernblick ist fantastisch. Die Massive der Sawtooth Range erheben sich wie Schattenrisse am Horizont. Etliche Gipfel knacken die 10 000-Fuß-Marke (3048 Meter).

Wir rollen bergab, durch dichter werdenden Wald. Nach 30 Minuten und einigen Höhenmetern kommen wir in einer anderen Welt an. Die Bergrücken sind kahl und braun, zwischen ihnen liegt wie ein tiefblauer Farbklecks der zum Arrowrock Reservoir aufgestaute Boise River. Die Sonne knallt, der Schweiß rinnt, nur mühsam arbeiten wir uns bei leichter, aber zäher Steigung voran - in Richtung der ersten Quellen.

Idaho ist ein geothermisch aktiver Bundesstaat. Die Hauptstadt Boise nennt sich "Hot Water Capital", schon 1892 nutzte man dort das heiße Wasser aus der Erde für ein Heizungssystem, mit dem 200 Häuser und öffentliche Gebäude versorgt wurden. Der Staat hat zwar wohl nicht die meisten heißen Quellen - der Titel geht an Nevada - aber die meisten mit Badetemperatur, 130 von 340 sollen es sein.

"Hi guys!" Von hinten schließt eine Gruppe mit drei jungen Radfahrerinnen auf, die ersten Menschen seit längerem. Ihr Gepäck ziehen sie in Anhängern hinter sich her, eine von ihnen saugt an einem Schlauch, der irgendwo hinter ihrer Schulter verschwindet, wahrscheinlich in einem Trinkbeutel mit flüssiger Sportlernahrung - ein Profi-Auftritt.

Und wir? Nicht ganz so gut im Training. Dafür haben wir Profi-Essen in den Geschmacksrichtungen "Beef Stroganoff" und "Fettuccine Alfredo" dabei: In unserem Fahrradverleih in Boise, der sich wie andere Läden der Hauptstadt auf Expedition-Touristen eingestellt hat, gab es neben dem Mountainbike auch Trockennahrung zum Aufgießen.

Als die Sonne hinter den Felsen verschwindet, finden wir ein Plätzchen zum Zelten. In einem Knick hat der Fluss einen einsamen Sandstrand aufgeschichtet, auf der anderen Uferseite prangt eine Felswand wie eine Mini-Loreley. Die Forellen stehen im klaren Wasser. Bald baumeln die Satteltaschen in bärensicherer Höhe an einem Ast. Die Drahtesel halten an einen Baum gelehnt Wache. In der Nacht knackt irgendetwas in der Nähe. Zum Glück aber fährt keine Bärenpranke durch den Zeltstoff. Abwehrspray gehört dennoch in jedes Tour-Gepäck.

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