Freitag, 16. November 2018

Weltmacht China Mit Finnair nach Fernost

Ab nach Fernost: Finnair steigt groß ins China-Geschäft ein - mit Flügen nach Peking, Shanghai, Hongkong, Chongqing und nun auch Xi'an.

Keine europäische Hauptstadt liegt näher an Asien als Helsinki. Diesen Standortvorteil nutzt Finnair aus und bietet immer mehr zeitsparende Direktflüge nach China, Japan, Korea und Südostasien an - zum Ärger der Lufthansa.

Hamburg - Exakt um 6.32 Uhr landet am Morgen des 15. Juni die Finnair-Maschine auf dem Flughafen der alten chinesischen Kaiserstadt Xi'an. Langsam rollt der Airbus 330 von der Landebahn Richtung Terminal. Links und rechts stehen rote Feuerwehrautos. Aus vollen Rohren ergießen sich Wasserstrahlen über das Flugzeug. Als dieses schließlich zum Parken kommt, wartet freudig winkend ein Spalier von Chinesen darauf, dass sich die Flugzeugtür öffnet, um der Crew Blumen zu überreichen und die obligatorischen Reden zu halten..

Denn dieser Flug mit der Nummer AY 059 war kein gewöhnlicher Flug. Es war der Jungfernflug. Zum erstenmal landete eine Maschine direkt aus Europa in Xi'an. Für die Chinesen also Premiere, für Finnair fast Routine. Für die Finnen ist Xi'an bereits die fünfte chinesische Destination nach Peking, Shanghai, Hongkong und Chongqing.

Warum steigt gerade die kleine Airline aus dem Norden so groß ins China-Geschäft ein? Abends beim Festbankett gibt Finnair-Chef Pekka Vauramo, der den Jungfernflug auf dem Sitz 1A erlebte, eine simple Erklärung: "Die Welt ist nicht flach, die Erde ist vielmehr eine Kugel." Diese jahrhundertealte Erkenntnis musste Vauramo zitieren, damit man Finnairs Strategie verstehen kann.

Denn keine europäische Metropole liegt näher an Asien als Helsinki. Finnlands Hauptstadt liegt also auf dem Weg nach China. Keine europäische Fluglinie ist schneller unterwegs nach China wie Finnair. Etwas mehr als sieben Stunden sind es von Helsinki nach Peking, 7 Stunden und 20 Minuten waren es beim Jungfernflug nach Xi'an.

Zeitsparende Alternative für Reisende aus Deutschland

Für Deutsche, die nicht direkt von den Drehkreuzen Frankfurt oder München Richtung China starten können, ist Finnair damit eine zeitsparende Alternative. Es macht mehr Sinn, von Berlin, Hamburg oder Düsseldorf nach Helsinki zu fliegen anstatt nach Frankfurt oder München. Zwei bis drei Stunden können so eingespart werden.

Auf diesen Standortvorteil der relativen Nähe zu Asien setzt Finnair. Pekka Vairamo, der erst seit Anfang Juni im Amt ist, sagt: "Ohne Asien könnten wir nicht überleben." Die Strategie lautet, aus ganz Europa Passagiere einzusammeln, um sie von Helsinki nach China (und auch in 13 andere asiatische Metropolen in Korea, Japan, Südostasien und Indien) zu befördern.

Die Strategie der kleinen Airline, die 2012 nach fünf verlustreichen Jahren erstnals wieder einen kleinen Gewinn erzielte, scheint aufzugehen. Bereits die Hälfte der jährlich rund 8,7 Millionen Passagiere sitzen inzwischen in Maschinen nach Fernost.

Auf die Kundschaft von und nach Asien ist das Bestreben von Finnair und dem Flughafen Helsinki Vantaa ausgerichtet. Die Wege sind kurz, ein neuer Terminal speziell für die Asien-Reisenden wurde gebaut. Passiert man nachmittags nach 16 Uhr die Passkontrollen zu den Gates 32 bis 40, trifft man mehrheitlich auf asiatische Gesichter. In den späten Nachmittagsstunden gehen die meisten Finnair-Flüge nach Fernost.

Finnische Pralinen namens Geisha

Viele Informationen sind auch in Chinesisch, Koreanisch und Japanisch. Die zahlreichen Duty-Free-Läden bieten Waren der finnnischen Designmarken Marimekko, Arabia, Iittala und Anu Pentik für die ausgabefreudigen Chinese, Japaner und Koreaner an. Selbst der finnische Chocolatier Fazer hat sich auf die neue Kundschaft eingestellt - und bietet eine Pralinen-Kollektion namens Geisha an.

Doch die heißeste Attraktion im Transitbereich ist die Sauna in der Finnair Lounge. Dort kann man bei 95 Grad schwitzen und gleichzeitig einen Blick über den Flughafen genießen. Entspannter kann man keinen Flug antreten.

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH