Montag, 20. November 2017

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Surfer-Paradiese an Marokkos Atlantikküste Wo es auf Kamelen zu den Wellen geht

Marokkos Atlantikküste: Von Asilah bis Sidi Ifni
Fotos
Manuel Meyer/ tmn

Ursprüngliche Küstendörfer, naturbelassene Strände und Surfparadiese: An Marokkos fast 2000 Kilometer langer Atlantikküste trifft der Orient in seiner ganzen Schönheit auf den tosenden Ozean.

Etwas enttäuscht kommt Yassin Said aus dem Wasser. Das Meer ist heute einfach zu ruhig. Er legt sein Surfbrett in den Sand und will seinen Neoprenanzug ausziehen, als ihn Ibrahim anspricht. "Die besten Wellen findest du dort drüben. Ich bringe dich hin, wenn du möchtest", sagt der Kameltreiber und zeigt ganz zum anderen Ende des Strandes. "Es kostet dich nur wenige Dirham."

Said ist zunächst ein wenig skeptisch. Das Tier ist riesig. Doch der Strand von Essaouira ist fast fünf Kilometer lang. Mit dem Surfbrett bis dorthin zu laufen, wäre zu weit. Er würde aber gerne noch ein paar lange Wellen surfen. "Einverstanden", antwortet Said handelt den Preis für das Kamel-Taxi noch ein wenig nach unten.

Ibrahim zieht kurz, aber heftig an der Leine. Das Kamel geht sofort in die Knie und setzt sich in den Sand. Mit einem Schwung springt Said auf den Sattel. Er muss die Balance halten, als sich das Tier wieder aufrichtet. Ibrahim reicht ihm das Surfbrett hoch. Gemächlich trottet das Kamel los, das Wasser platscht unter seinen großen Hufen. "So exotisch kann Surfen in Marokko sein", sagt Said.

Langsam verschwindet Essaouira im Hintergrund. Nur die mächtige Festungsmauer der Küstenstadt ist noch zu sehen, hinter der sich die Medina befindet. Die historische Altstadt mit ihren zwei wuchtigen Stadttoren und einem Labyrinth aus verwinkelten Gassen, Märkten, Ateliers mit Kunsthandwerk und gemütlichen Cafés wurde 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Die blauweiß getünchten Häuserfassaden erinnern noch heute an Essaouiras portugiesische Vergangenheit. Doch spätestens der Gebetsruf der Muezzine erinnert die Besucher daran, dass sie sich nicht an der Algarve befinden, sondern zwei Autostunden westlich von Marrakesch im Süden Marokkos.

In den Straßen riecht es nach Lederwaren, orientalischen Gewürzen, Minztee und natürlich Fisch, der in den zahlreichen Restaurants häufig in einer Tajine zubereitet und serviert wird, einer marokkanischen Tonpfanne. Den besten Fisch bekommt man allerdings direkt im Fischereihafen. In den zahlreichen Buden wird der Fang direkt am Kai auf den Grill geschmissen. Man schaut den Fischern beim Entladen der Boote und Flicken der Netze zu.

Im bunten Hafentrubel vergisst man schnell das Essen. Doch ein Heer von frechen Möwen sitzt auf der alten portugiesischen Festungsanlage mit den Bronzekanonen und wartet nur darauf, ihnen den Fisch vom Teller zu klauen. Bereits in den 60er und 70er Jahren entdeckten Hippies, Aussteiger und Künstler Essaouira für sich. Sogar Jimi Hendrix und Bob Marley kamen hier zum Relaxen hin.

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