Montag, 22. Oktober 2018

Wandertour Mallorca, 17 °C, heiter bis sonnig

Mallorca: Frühlingsluft und Sensationsaussichten
Andrew Montgomery

Lust auf Frühlingsgefühle mit einer riesigen Portion Frischluft und Sensationsaussichten? Dann auf zum Nordwesten der Baleareninsel und hineingewandert ins atemberaubende Tramuntana-Gebirge.

Tag 1: Schön der Wärme entgegen

Die erste Wanderetappe beginnt in Es Capdellà und folgt dem Weg GR221 zur Finca de Galatzó. Von dort windet sich der Pfad einen Pass hinauf, ehe er durch einen Pinienwald hinab nach Estellencs führt (ca. 11 km, fünf Stunden). Da ab hier der Weg teils gesperrt ist, geht es per Bus nach Banyalbufar.

Herrlich, die Sonne spielt mit. Wie eine überdimensionierte Wärmelampe hängt sie am strahlend blauen Himmel und vertreibt die kühle Morgenluft. Während sich im Norden Europas noch alle durch das Ende des Februars bibbern, spazieren wir bei wohltemperierten 17 °C durch die Landschaft Mallorcas. Frischluftwellness für Körper, Seele und die Sinne. Hier umweht ein zauberhaft süßer Blumenduft die Nase, dort schmücken Mandelbäume die Wiesen mit ihren jetzt zartrosa blühenden Baumkronen. "Kaum zu glauben, dass noch Winter ist, oder?", fragt Jesca begeistert, als wir nach einem guten Frühstück mit Montaditos (spanischen Sandwiches) und jeder Menge Cafe con leche langsam das Bergdorf Es Capdellà hinter uns lassen. "Zu dieser Jahreszeit hierherzukommen, ist einfach das Beste!" Jesca ist eine eingefleischte Mallorca-Kennerin und führt seit mehr als zehn Jahren Wanderer durch die Serra de Tramuntana. Das wildromantische Gebirge an der Nordwestküste ist das schönste Trekkingareal der ganzen Insel. Fröhlich marschieren wir los.

Die nächsten vier Tage werden wir auf der Ruta de Pedra en Sec, der Route der Trockensteinmauern, unterwegs sein. Über rund 150 Kilometer schlängelt sich der Fernwanderweg auf alten Maultierpfaden den Höhenzug entlang. "Auf der Route liegen die charmantesten Orte der Insel", verspricht Jesca, "die Natur ist atemberaubend und man erfährt unterwegs viel über die Geschichte." Das macht neugierig.

Nach gut einer Stunde Marsch erreichen wir die Finca Galatzó, ein altes arabisches Landgut mit Ölmühle und Pferdeställen. Das Anwesen stammt noch aus der Zeit der Mauren, die zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert auf Mallorca herrschten. An den umliegenden Hängen sieht man noch heute die Steinterrassen ihres Bewässerungssystems. Diese Trockensteinmauern sieht man hier auch heute noch überall am Wegesrand. Die Araber haben sie einst errichtet. Sie brachten auch die Orangen, Zitronen und Mandeln mit, die auf den Terrassen angebaut wurden und der mallorquinischen Küche eine feine orientalische Note verleihen. Hinter der Finca durchqueren wir ein schattiges Tal mit einem knorrigen Steineichenwald. Was ist das, bitte?! Zwischen den Bäumen ducken sich kleine runde Geröllhaufen mit einem dunklen Einstiegsloch drin. Obendrauf thronen wie Zipfelmützen Dächer aus Gras. Sind wir plötzlich in Hobbithausen angelangt? "Haha, nein", lacht Jesca, "das sind alte Köhlerplätze." Noch bis in die 1920er-Jahre war Holzkohle der wichtigste Brennstoff auf Mallorca. Mitunter arbeiteten ganze Familien in den Wäldern und brannten Kohle. Ein hartes Leben!

Gefunden in
Lonely Planet Traveller
Heft März 2015

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Am Mittag scheint die Sonne schon ganz angenehm warm auf die Haut. Zu Hause sind's dagegen gerade minus 2 °C, meldet der Wetterdienst im Handy. Dazu grauer Himmel und Schneegriesel. Ein Hauch von Schadenfreude schleicht sich bei uns ein... Der Wald ist mittlerweile in eine struppige Macchia aus Rosmarin und Thymian übergegangen. Wir wandern unterhalb des Gipfels des Puig de Galatzó, dem südlichsten Tausender der Tramuntana. Nach alpinen Maßstäben ist er ein Zwerg, aber wir sind nah am Meeresspiegel, da wirken die Berge spektakulär wie Zweitausender. Auf der Ebene entfalten die ersten Wildsträucher zarte lila Blüten. "Im April explodiert die Landschaft geradezu", erzählt Jesca. "Dann ist alles mit einem bunten Teppich aus Mohnblumen und Affodille überzogen."

Auf der Passhöhe sehen wir endlich das Meer: Blau glitzert es weit unten in der dunstigen Winterluft. Was für ein schöner Anblick! Die Silhouette einer Hotelanlage wirkt in dieser Kulisse wie ein Bauklötzchen. An der Nordflanke der Tramuntana ist das Klima feuchter. Ein moosiger Pfad führt durch einen kühlen Pinienwald. Wir folgen dem alten Weg der Köhler zum Markt in Estellences. Hier ist Schluss für heute mit dem Wandern.

Per Bus zuckeln wir zu unserem ersten Übernachtungsstopp in Banyalbufar und freuen uns jetzt auf ein deftiges Abendmahl und einen herrlich entspannten zweiten Tag - mit allerlei kulinarischen Überraschungen!

ÜBERNACHTEN Das Hotel "Son Borguny" mit seinen sieben charmanten Zimmern ist umgeben von Weinbergen, mit Traumblick über die Dächer von Banyalbufar und auf das Meer. DZ ab ca. 85 €, sonborguny.com

ESSEN Leckere mallorquinische Küche serviert das "Son Tomás". Draußen sitzen Radler bei einem Snack, im Restaurant gibt's knuspriges Le chona (Spanferkel) und deftigen Suquet, Meeresfrüchte-Eintopf mit Kartoffeln. Calle de la Baronia 17, Banyalbufar, Hauptgerichte ab ca. 15 €

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