Samstag, 23. März 2019

Kwiggle und Stigo Zwei Klapp-Winzlinge im Pendler-Test

3. Teil: Kwiggle: Klappt bestens!

Exotische Form: das Klapprad Kwiggle - ein Test von mmo-Autoredakteur Wilfried Eckl-Dorna

Bislang stand ich Falträdern höchst skeptisch gegenüber - auch wegen eines Klappradfans im Rheinland, der mir beim täglichen Pendeln ein ums andere Mal mit seinem Brompton in die Quere gekommen war. Ein solches Rad, so urteilte ich damals, sei ein metallgewordener Akt der Verzweiflung.

Dann kam allerdings das Kwiggle: Mit acht Kilogramm ein echtes Leichtgewicht unter den Faltbaren, lässt es sich mit wenigen Handgriffen auf die Größe eines kleinen Rollkoffers zusammenfalten. Damit dürfte die Beförderung von Fahrer samt Rad auch in U- oder S-Bahn nicht zum Ärgernis ausarten.

Seine Nachteile: Die Optik des Rades ist gewöhnungsbedürftig, die Fahrposition ungewohnt - und noch ist das Kwiggle nicht regulär erhältlich. Seit über sieben Jahren tüftelt Erfinder Karsten Bettin, ein studierter Maschinenbauer, an dem Mini-Klapprad. Seit gut zwei Jahren widmet er sich seinem Rad hauptberuflich, laut eigenen Aussagen hat er feste Zusagen von Industriepartnern für die Großserienfertigung.

Das Kwiggle ist definitiv nichts für Radfahrer, die um keinen Preis auffallen wollen. Denn zwischen dem Sattel und der Gangschaltung befindet sich nur Luft. Zudem fährt man auf dem Rad fast komplett aufrecht. Bettins ursprüngliche Idee war es, ein Fahrrad für Standfahrten zu entwickeln. Der Sattel kam erst später hinzu - und schwingt beim Fahren hin und her, was zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig ist.

Aufsteigen: höchst ungewohnt

Deshalb ist auch der Aufstieg auf das Rad ungewohnt: Zuerst sollte man den Sattel zwischen die Beine klemmen, erklärt Bettin, dann erst auf die Pedale steigen. Mit etwas Überwindung klappt das auch. Und nach einigen Runden macht das Rad sogar richtig Spaß. Zwar ist zwischen dem Sattel und dem Lenker viel weniger Platz als bei einem herkömmlichen Fahrrad. Doch mit seinen fast schon winzig kleinen Reifen ist es sehr wendig zu lenken.

Und dank der Stehposition fällt auch die Balance sehr leicht. Ein Nebeneffekt: Mit dem Kwiggle kann ich problemlos auch langsames Schrittempo fahren, ohne zu wackeln anzufangen. Für Fußgängerzonen wäre das ideal.

Doch das Rad lässt sich auch mit deutlich mehr Tempo bewegen. Knapp 30 km/h Spitzengeschwindigkeit sind mit der von Bettin entwickelten Kettenübersetzung für die kleinen Räder möglich. Die hat er ebenso patentieren lassen wie seine Klappverschlüsse, die ohne Festschrauben auskommen oder etwa das Produktionsverfahren.

Insgesamt acht Patente hat Bettin für das Rad angemeldet, das Kwiggle ist also auch ein fahrender Ausweis deutscher Ingenieurskunst. Mit vier, fünf Handgriffen lässt sich das Rad auf die Größe eines Fluggepäckkoffers zusammenfalten, weniger als 20 Sekunden benötigt Bettin dafür. Und dank zweier geschickt angebrachter kleiner Rollen lässt sich das Kwiggle auch ebenso wie ein Rollkoffer hinterherziehen.

Ob wohlhabendere Mittelschichtangehörige dann 1500 Euro für ein solches Rad ausgeben, muss sich zeigen. Bettin hat ambitionierte Ziele für sein Rad: Um die 50.000 Stück möchte er in den kommenden Jahren davon verkaufen.

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