Montag, 11. Dezember 2017

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Bei "Valletta 2018" feiert ganz Malta Die kleinste Hauptstadt der EU kommt groß raus

Valletta: Kleine, große Kulturhauptstadt
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TMN/ Clive Vella/ viewingmalta.com

Valletta ist 2018 eine der beiden Kulturhauptstädte Europas - doch eigentlich feiert ganz Malta. Die kleine Insel im Mittelmeer lockt Touristen mit großer Geschichte. Doch der Boom der Hauptstadt hat nicht nur positive Seiten.

Um sein kulturelles Wirken zu beschreiben, wählt der Feingeist einen eher martialischen Vergleich: "Ich bin ein Rottweiler. Wenn ich einmal meine Zähne in etwas geschlagen habe, lasse ich so schnell nicht los", erklärt Kenneth Zammit Tabona in seiner Wohnung in St. Julian's auf Malta. Das Wohnzimmer des Malers steht voller antiker Möbel, die Wände tragen Gemälde bis zur Decke, ein Hausangestellter serviert Kaffee und maltesische Kekse.

Tabona, 60, ist ein schöpferischer Tausendsassa, Gesellschaftskenner - und der künstlerische Leiter des erfolgreichen Baroque Festivals, das seit 2013 auf Malta veranstaltet wird. Schauplatz ist das Manoel-Theater von 1732, eine der ältesten noch bespielten Bühnen der Welt. Das Jahr 2018 soll für das Barockfest ganz besonders werden: Valletta ist neben dem niederländischen Leeuwarden eine der beiden Europäischen Kulturhauptstädte. Wobei, Valletta? Eher ganz Malta.

"Inoffiziell machen wir das, wir dehnen das Kulturhauptstadtjahr auf die ganze Insel aus", räumt Tabona ein und schaut von seinem Sessel amüsiert aus dem Fenster seines barocken Reichs. Selbst die Tourismusbehörde spricht ganz offen von einem inselweiten Fest, bei dem Valletta als Dreh- und Angelpunkt diene. Das ist das Besondere: Es heißt zwar Kulturhauptstadt Europas, doch eigentlich feiert das ganze Land. Dafür gibt es gute Gründe.

Die kleinste Hauptstadt der EU

Valletta ist nicht nur die südlichste, sondern auch die kleinste Hauptstadt der EU. Nur knapp 6000 Menschen leben hier auf einer Fläche von nicht einmal einem Quadratkilometer - das ist weniger als halb so groß wie der Tiergarten in Berlin. Dafür gehört ganz Valletta seit 1980 zum Unesco-Weltkulturerbe. Jedes einzelne Haus der Altstadt steht unter Denkmalschutz. Außerdem ist wohl keine europäische Stadt so befestigt wie Valletta, gelegen auf einer Landzunge, von drei Seiten von Wasser umgeben. So konnte die Stadt nie wachsen.

Ihren Ursprung hat die Geschichte im Jahr 1530: Kaiser Karl V. übergab Malta als Lehen den Rittern des Johanniterordens, der später als Malteserorden bekannt wurde. Damals gehörte die Insel zum Königreich Spanien, das von den Habsburgern regiert wurde. "Karl gab Malta den Rittern", so Tabona. "Das hat alles verändert." Auf das abgeschiedene Eiland kamen nun Würdenträger aus Reichen, die das mittelalterliche Europa dominiert hatten. Die Kultur erblühte.

Nach der Großen Belagerung durch die Osmanen 1565 gründete der damalige Großmeister des Malteserordens, Jean de la Valette, die nach ihm benannte Festungsstadt Valletta. Der Orden schlug die Invasoren zurück, versklavte seinerseits aber auch Muslime. Wichtigstes Zeugnis jener Zeit ist der Großmeisterpalast mit seiner Waffenkammer, die bedeutendste Sehenswürdigkeit Vallettas.

Von 1798 an plünderten die Franzosen unter Napoleon die Insel, bis Malta 1814 britische Kolonie wurde. Die Unabhängigkeit folgte 150 Jahre später. Viel Geschichte also auf kleinstem Raum. Ist das kleine Valletta heute nur noch ein großes Freilichtmuseum? Keineswegs.

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