Donnerstag, 26. April 2018

Luxushotel in Staatsbesitz Warum der Bund 35 Millionen Euro in dieses Haus investiert

Grandhotel Petersberg: Das einzige Luxushotel in deutschem Staatsbesitz
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Steigenberger/Volker Lannert

Das Grandhotel Petersberg ist historisches Terrain: 1892 eröffnet, war es nach dem Zweiten Weltkrieg Sitz der Alliierten Hohen Kommission und diente bis 1999 als Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland. Die Queen war hier zu Gast, der Dalai Lama, der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew, der japanische Kaiser und amerikanische Präsidenten. Große internationale Konferenzen tagten hoch über dem Rhein, Rennfahrer Michael Schumacher heiratete 1995 auf dem Petersberg seine Corinna und Daniela Katzenberger ihren Lucas Cordalis. Derzeit wird das einzige Luxushotel in deutschem Staatsbesitz für 35 Millionen Euro aus Steuergeldern renoviert. Hoteldirektor Michael Kain erklärt, worauf es dabei ankommt.

manager-magazin.de: Herr Kain, Sie renovieren seit sieben Jahren, erst das Steigenberger Parkhotel in Düsseldorf, seit 2015 das Grandhotel Petersberg. Haben Sie nicht mal genug von Baulärm?

Michael Kain
  • Copyright: Steigenberger
    Steigenberger
    Michael Kain ist seit 1979 bei Steigenberger und war schon Direktor etlicher Hotels, darunter Häuser in der Karibik, aber auch in Bad Kissingen und Bad Homburg. Bevor er 2015 als General Manager zum Grandhotel Petersberg kam, um den dortigen Umbau zu leiten, war er fünf Jahre lang Hotelchef beim Steigenberger Parkhotel Düsseldorf, wo es ebenfalls einen großen Umbau zu bewältigen galt.

Michael Kain: Eigentlich kann man davon gar nicht genug kriegen. Ich verändere gerne, ich gestalte gerne und erschaffe gerne Neues. Die Tristesse des Alltags mag ich weniger. Es gibt sicherlich Manager, die es hassen, wenn sie aus ungestörten Abläufen herausgerissen werden. Aber ich finde es schön, beides zu haben. Hotels bleiben bei Umbauten in der Regel ja geöffnet, man kann eben auch weiter Gastgeber und Hotelier sein. Ohne das möchte ich nicht leben.

mm.de: Sie wollen das einstige Gästehaus der Bundesregierung zu einem "richtigen Grandhotel" ausbauen. Was macht ein Grandhotel heute aus?

Kain: Die klassischen Attribute sind immer noch edle Stoffe, tolle Hölzer, Marmor, Messing und Gemütlichkeit. Die exzellente Dienstleistung am Gast gehört ebenso dazu wie die beste abwechslungsreiche Küche - und der Gast muss alle seine Medien überall problemlos nutzen können.

mm.de: Die 35 Millionen Euro für den Umbau hat der Steuerzahler aufgebracht. Was hat er davon?

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Kain: Dass es schon bald ein profitables Hotel wird und ihm nicht mehr auf der Tasche liegt. Und es gibt ein großes geschichtliches Interesse: Die reiche Historie des Hauses muss bewahrt werden. Das geht am besten, indem man es erfolgreich betreibt und damit den Menschen diesen besonderen Ort lebendig zur Verfügung stellt.

mm.de: Wird es denn bei 35 Millionen bleiben?

Kain: Im Großen und Ganzen ja. Es wird vielleicht kleinere Ausschläge geben, aber es wird voraussichtlich im vorgegebenen Rahmen bleiben.

mm.de: Wann sind Sie fertig?

Kain: Im Spätsommer oder Anfang Herbst. Dann wird es eine große Relaunch-Party geben.

mm.de: Wer steht denn da alles auf der Gästeliste? Kommt Angela Merkel?

Kain: Wir werden sie auf jeden Fall einladen. Ob sie kommt, weiß ich nicht, ich denke schon - es gibt viele Politiker, die mit unserem Haus und seiner Geschichte eng verbunden sind, und viele werden dann auch da sein.

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