Sonntag, 24. September 2017

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Was der Brexit für Gibraltar bedeutet Ferien auf dem Stein des Anstoßes

Gibraltar: Urlaub auf "The Rock"
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TMN

Shopping-Paradies, Neandertalerhöhlen, freche Berber-Affen - und ein politischer Zankapfel: Was passiert mit Gibraltar, dem britischen Überseegebiet an der Südspitze Spaniens, wenn der Brexit kommt?

Bei den Brexit-Verhandlungen um den Austritt Großbritanniens aus der EU gibt es viele Stolpersteine. Einer von ihnen ist ziemlich massiv, im wörtlichen Sinne. Der Stein ist 426 Meter hoch, secheinhalb Quadratkilometer groß und liegt fernab der britischen Inseln an der Südspitze Spaniens: Gibraltar.

Bereits 1704 nahm Großbritannien den strategisch wichtigen Felsen an der Meerenge zwischen Europa und Afrika in Besitz. Seit Jahrhunderten fordert Spanien den sogenannten Affenfelsen zurück. Nur knapp 32.000 Menschen leben dort. Die Brexit-Verhandlungen haben den Streit um Gibraltar neu entfacht. Vor allem Gibraltars Tourismusbranche zittert vor den möglichen Folgen. Denn "The Rock" ist extrem vom freien Waren- und Personenverkehr mit Spanien und vom Tourismus abhängig.

Restaurants, Hotels und Supermärkte müssen alles aus Spanien importieren. In den Geschäften arbeiten hauptsächlich Spanier. "Täglich pendeln über 7000 Personen über die Grenze. Dürfen sie nach einem Austritt aus der EU noch in Gibraltar arbeiten?", fragt sich Julian Byrne, Vorsitzender von Gibraltars Kleinunternehmer-Verband.

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Nicky Guerrero, Gibraltars Tourismus-Direktor, beruhigt: Madrid werde wegen der hohen Arbeitslosenquote in der Region um Gibraltar kein Interesse an Grenzkontrollen und verschärften Arbeitsbedingungen für Spanier in Gibraltar haben. Doch was ist mit den Touristen?

Mehrere Millionen Urlauber besuchen jährlich den "Affenfelsen". Die meisten kommen über die Landgrenze. Werden sie das immer noch tun, sollte Spanien die Grenzkontrollen nach einem Brexit verschärfen? "Ich bin mir sicher. Gibraltar hat viel zu bieten", sagt Guerrero.

Mit Blick auf die geringe Landfläche hat er objektiv gesehen nicht Unrecht: Gibraltar ist klein und sicher. Das macht das britische Überseegebiet vor allem für Kreuzfahrtschiffe attraktiv, die hier für Tagesausflüge anlegen. Allein im Jahr 2016 empfing Gibraltar 400 000 Kreuzfahrtgäste - Tendenz steigend.

Besonders beliebt ist Gibraltar als Shopping-Paradies. Es gibt hier keine Mehrwertsteuer. So decken sich die meisten Urlauber mit Tabak, Alkohol, Parfüm, Uhren, Schmuck und elektronischen Geräten ein. Mit Eastern Beach, Catalan und Sandy Bay erwarten drei Mittelmeerstrände die Besucher. In der Straße von Gibraltar stehen Wracktauchen, Segeln und Delfin-Beobachtung auf dem Programm.

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