Mittwoch, 22. November 2017

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Trends bei Geschäftsreisen "Kluge Unternehmen verabschieden sich von starren Reiserichtlinien"

Business Travel: Wohin die Reise geht
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Yannis Karmis
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    Yannis Karmis ist als Senior Vice President Product Strategy and Development bei BCD Travel zuständig für alle Aspekte der Produktstrategie, -planung und -entwicklung. Das niederländische Unternehmen ist in 110 Ländern tätig und generiert Umsätze von jährlich um die 24 Milliarden US-Dollar.

manager-magazin.de: Herr Karmis, eine Umfrage des Deutschen Reiseverbands ergab jüngst: Neun von zehn deutschen Geschäftsreisenden geht es unterwegs nicht gut - Jetlag, Schlafstörungen, Stress.

Yannis Karmis: Natürlich können Businesstrips belastend sein, aber das sollte nicht die Norm sein. Unterwegs sein kann auch hoch produktiv sein. Es ist ein zentraler Erfolgsfaktor global agierender Unternehmen, dass die Bereiche und die Mitarbeiter persönlichen Kontakt miteinander haben. Es gibt einen hohen Return of Investment bei Geschäftsreisen.

mm.de: Was kann das Reisemanagement dafür tun, dass Geschäftsreisende sich wohlfühlen?

Karmis: Es ist nicht unser Job zu sagen, wer Business Class fliegen darf und wer Holzklasse. Aber das ist auch nicht unbedingt der größte Stressfaktor. Travel Manager müssen zuallererst eines tun: Zuhören. Die müssen die richtigen Fragen stellen und lernen, was die Leute wirklich brauchen. Und sie müssen die Reisenden sehr gut briefen. Wer die richtigen Erwartungen hat, hat deutlich weniger Stress - die lange Schlange am Flughafen ist weniger belastend, wenn ich schon darauf eingerichtet bin und nicht auch noch in Zeitnot gerate. Informierte Reisende sind entspannter unterwegs.

mm.de: Sie sind bei BCD verantwortlich für alle Aspekte der Produktstrategie. Wie werden sich Geschäftsreisen in den kommenden fünf Jahren verändern?

Karmis: Ein zentrales Thema ist die Masseneinbindung einzelner Tools. Heute laufen Bezahlung, Buchung und Sicherheitschecks oft in voneinander unabhängigen Arealen. Das wollen wir alles integrieren. Unser Ziel ist eine nahtlose Reiseerfahrung, für die ich mich nicht bei drei verschiedenen Portal umständlich einloggen muss. Ein weiterer Trend betrifft die Unternehmen selbst. Wir sehen da einen langsamen, aber tiefgreifenden Wandel. Geschäftsreisende sehen sich selbst eher als Verbraucher denn als passive Empfänger. Kluge Unternehmen reagieren darauf, verabschieden sich von starren Reiserichtlinien und ermöglichen es ihren Mitarbeitern, selbst kluge Entscheidungen zu treffen. Da setzt sich eine ganz neue Mentalität durch. Der dritte Trend ist ein ganzheitliches Risikomanagement, von Risiken durch Cyberkriminalität bis zu aktuellen Faktoren: Wenn ein Reisender sich in einem unsicheren Gebiet aufhält, wie kann seine Firma ihn erreichen und ihm helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen?

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