Montag, 10. Dezember 2018

Hamburger Hotel baut "Trump-Suite" Mit Gold-Deko und "Schwachkopf"-Shampoo im Bad

Trump-Suite der 25hours Hotels: "German Fake News" und "Schwachkopf"-Shampoo
Stephan Lemke / 25hours Hotels

20 Staats- und Regierungschefs werden zum Gipfel in Hamburg pompös empfangen. Macron residiert im Mövenpick, Trump im Gästehaus des Senats. Dabei hat ein Hotel extra eine Trump-Suite eingerichtet - samt "Schwachkopf"-Shampoo.

Wer den schlichten, eher auf Hipster ausgerichteten Stil der 25hours-Hotels-Kette kennt, ist überrascht. Fotos einer Suite im Hotel Altes Hafenamt in der Hamburger HafenCity zeigen vergoldete Polstersessel à la Ludwig XIV., eine angegoldete nackte Frauenskulptur, die kniend auf ihrem Rücken einen Glastisch trägt. Ein Globus mit der Aufschrift "Make America Great Again", eine fluffige blonde Perücke und russische Matroschka-Puppen in einem Präsentkorb sind weitere Accessoires.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eine Trump-Suite eingerichtet - dabei wird der US-Präsident zumindest während des G20-Gipfels nicht in Ihrem Haus absteigen.

Marti: Nein. Aber rein ästhetisch haben wir alles getan, dass er sich wohlfühlen würde. Wahrscheinlich wäre der Dienstleistungsfaktor in unserem Hotel nicht groß genug für die US-amerikanische Delegation - wir sind eher ein "Smart luxury"-Haus und bringen nicht jedem alles aufs Zimmer.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben die Suite mit der Zeitung "German Fake News" und mit Shampoo der Marke "Schwachkopf" ausgestattet. Ich nehme an, Sie sind kein Trump-Fan.

Marti: Stimmt. Die Aktion ist allerdings auch mit unseren Gesellschaftern abgesprochen. Uns geht es aber dabei weniger dabei um Politik als um Stil, um eine bestimmte Lebenskultur. Uns ist Offenheit wichtig und das Miteinander.

"So great!" kündigten die 25hours Hotels und die Agentur Honey die Versteigerung einer Übernachtung in der Suite am kommenden Wochenende an. Wer auf der Plattform Ebay am meisten bietet, darf den für das Hotel ungewohnten Glamour samt Abendessen genießen. Der Erlös spendet die Kette an die Organisation "Klima ohne Grenzen". Für den Klimawandel-Leugner, den "Fake News!" skandierenden und Frauen missachtenden US-Präsidenten mit narzisstischen Zügen könnte das durchaus ein Affront sein. Eine ungewöhnliche Aktion für die sich sonst eher politisch neutral zeigende Hotelbranche.

SPIEGEL ONLINE: Fürchten Sie nicht, dass Trump Ihnen Ihre Aktion übel nimmt?

Marti: Ich hoffe nicht. Ein bisschen Humor erwarte ich auch von einem Staatschef. Allerdings glaube ich nicht, dass er die Aktion wahrnehmen wird - wir sind als Unternehmen wohl nicht wichtig genug für einen Präsidenten der USA.

SPIEGEL ONLINE: Wie man Trump kennt, würde er sonst per Twitter über Sie herziehen.

Marti: Das wäre selbstverständlich die Krönung dieser Aktion.

SPIEGEL ONLINE: Wenn man das Design Ihrer Hotels ansieht - Hängematten, poppige Wandgemälde, viel Holz - welcher Staatschef wäre denn Ihr Favorit gewesen?

Marti: Unsere Hotels sind vom Konzept her eher nicht geeignet für Staatsbesuche. Vielleicht könnte sich der ein oder andere einen Besuch als Privatperson vorstellen. Allerdings möchte ich mich nicht dazu äußern, ob und wen wir gerne sehen würden. Wir versuchen, uns politisch rauszuhalten: Wir haben eine Haltung, und die kommt auch bei dieser Aktion zum Ausdruck. Ansonsten ist bei uns natürlich jeder willkommen. Da wir im Kern die jüngeren Generationen ansprechen, würde natürlich eher der französische Präsident Emmanuel Macron oder der Kanadier Justin Trudeau in Frage kommen als ein 71-jähriger US-Präsident.

Macron allerdings wird während seines Staatsbesuchs in der Hansestadt im Hotel Mövenpick am Schanzenpark übernachten. Außer ihm werden zum G20-Gipfel am 7. und 8. Juli die Staats- und Regierungschefs von 19 weiteren führenden Industrie- und Schwellenländer anreisen, mitsamt ihren teils mehrere hundert Mitglieder umfassenden Gefolgschaften. Während Trump im Gästehaus des Senats am Feenteich unterkommt, logiert Angela Merkel im traditionsreichen Atlantic Kempinski direkt an der Außenalster - ebenso wie der Kanadier Justin Trudeau.

SPIEGEL ONLINE: Wer kommt bei Ihnen unter?

Marti: Wer bei uns übernachtet, kann ich natürlich nicht sagen. Mehrheitlich sind es aber Gäste, die aufgrund des Gipfels da sind. Unsere drei Hotels in Hamburg sind für die Tage ausgebucht - wie allerdings auch an allen Wochenenden. Individualreisende meiden Hamburg allerdings zurzeit - ich weiß nicht, ob wegen der hohen Preise oder der Hotelauslastung. Ich glaube eher nicht, dass der Gipfel eine abschreckende Wirkung hat - international hat er vorweg nicht so eine Riesenwelle in den Medien gemacht wie in Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Zwei von Ihren drei Hamburger Hotels befinden sich in der HafenCity - gibt es Einschränkungen aufgrund des G20-Gipfels?

Marti: Am Freitag liegen diese Hotels genau an der Grenze zur Sicherheitszone rund um die Elbphilharmonie. Offiziell sind wir damit zwar nicht in dem Bereich, in dem man kontrolliert wird. Aber wir haben unsere Gäste darauf hingewiesen, ihre Ausweispapiere mit sich zu führen. Einschränkungen wird es für jene geben, die die HafenCity besichtigen wollen: In die Zone darf nur, wer einen Grund dazu hat oder dort wohnt.

SPIEGEL ONLINE: Und das Auto sollte lieber zu Hause bleiben?

Marti: Ja, das ist auch ein Hinweis. In Hamburg ist es aber nicht ungewöhnlich, dass man am Wochenende das Zentrum mit dem Auto lieber meidet: Mal sorgt der Marathon für Einschränkungen, mal die Harley-Days Ende Juni oder der Schlagermove Mitte Juli.

Für diese Woche waren eine Vielzahl an Protestveranstaltungen gegen das Gipfeltreffen angekündigt - von Kanu-Demo auf der Alster, über Demo-Rave bis zu einem linken Alternativgipfel. Vor allem aber in der Innenstadt Hamburgs, von der Mönckebergstraße bis hin zum Passagenviertel um den Neuen Wall und Gänsemarkt, fürchten die Geschäfte Ausschreitungen durch nicht-friedliche Demonstranten. Die Läden schließen zum Teil früher und vernageln ihre Schaufenster mit Holzplatten. In der Hafencity bleiben Geschäfte am Freitag geschlossen, da die G20-Politiker zu einem Konzert in der Elbphilharmonie erwartet werden.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Angst um Ihre Fenster?

Marti: Nein. Wir glauben nicht, dass die Hafencity ein Angriffspunkt für Ausschreitungen ist. Außerdem hatten wir noch nie so viel Polizei ums Haus herum. Ich bin jede Woche in Hamburg - aber so viele Polizisten wie in den vergangenen Wochen am Flughafen oder in der Hafencity habe noch nie erlebt.

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