Sonntag, 18. November 2018

Ausländische Fachkräfte - Deutschland steigt in Gunst der Expats ab Primitives Internet, kinderfeindlich, unfreundlich

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Fachkräfte aus dem Ausland fühlen sich in Deutschland unfreundlich behandelt. Eine Studie zeigt, in welchen Ländern sie sich wohler fühlen. Auch die digitale Infrastruktur in Deutschland erhält deutliche Kritik.

Arbeitnehmer aus dem Ausland fühlen sich in Deutschland immer unwohler. Das Land hat seit 2015 deutlich an Beliebtheit eingebüßt. Das ist ein Ergebnis der Studie "Expat Insider" des Expatriate-Netzwerk Internations. Befragt wurden mehr als 18.000 Menschen aus 178 Nationen, die in 187 Ländern leben. Die Antworten der Expats wurden in ein globales Ranking in fünf Bereichen gebündelt: Lebensqualität, wie einfach es ist, sich einzuleben, Arbeitsleben, Familienleben, Finanzen und Lebenshaltungskosten.

Internations legt die Studie jedes Jahr neu auf. Deutschland zählt binnen dieses Zeitraums zu den größten Absteigern: In nur vier Jahren fiel Deutschland im Länderranking vom 12. Platz auf Platz 36.

Fast die Hälfte der Expats finden, dass die Deutschen sich gegenüber Ausländern unfreundlich verhalten und mehr als die Hälfte der Befragten haben Probleme, sich mit Einheimischen anzufreunden. Ein amerikanischer Studienteilnehmer schreibt über die Deutschen: "Sie sind unfreundlich gegenüber Menschen, die sie nicht kennen." Nur in Kuwait und in Saudi-Arabien falle es Expats laut der Studie noch schwerer, sich in die lokale Kultur einzuleben. Mehr 60 Prozent der Befragten finden, es gäbe auch zu wenig Freizeitmöglichkeiten, um überhaupt mit Deutschen in Kontakt zu treten. Außerdem verhielten sich viele Deutsche unfreundlich gegenüber Familien mit Kindern.

Deutsche waren noch nie besonders freundlich

Internations-Mitgründer und Chef Malte Zeeck sagt, hinsichtlich der Freundlichkeit hätten die Deutschen noch nie gut abgeschnitten, da lägen traditionell südliche und lateinamerikanische Länder vorne. Trotzdem gebe es einen leichten Abwärts-Trend. "In den letzten zwei Jahren wurde viel öffentlich über Migration diskutiert und das kriegen unsere Befragten natürlich mit." Konkret gefragt, ob Expats aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert wurden, habe Internations in der Studie jedoch nicht.

Die Wirtschaftslage in Deutschland bewerteten die befragten Expats jedoch sehr positiv. In der Kategorie Wirtschaft und Sicherheit der Arbeitsplätze landete Deutschland auf dem zweiten Platz hinter Luxemburg. Expats lobten außerdem, wie wenig Bildung kostet. Rund 90 Prozent der Befragten sind angetan von der Verkehrsinfrastruktur des Landes und meinen, dass hier Umweltschutz ernst genommen wird.

Primitive digitale Infrastruktur

Blamabel für Deutschland ist allerdings die Platzierung hinsichtlich der digitalen Infrastruktur. Hier liegen die Deutschen auf Platz 53 von 68. Besonders das Internet ist den Expats zu langsam: Den Zugang zu Highspeed-Internet bewerten sie ähnlich schlecht wie in der Türkei und Südafrika. Ein moldauischer Expat beschreibt das Internet-Netzwerk sogar als "primitiv".

Auch Probleme mit bargeldlosem Zahlen stoßen den Befragten bitter auf. Als einziges europäisches Land liegt Deutschland in dieser Hinsicht auf einem der letzten zehn Plätze. Auf die Attraktivität Deutschlands für IT-Fachkräfte wirkt sich das jedoch nicht negativ aus. Hierzulande arbeiten 20 Prozent der Internations-Mitglieder im IT-Sektor, während es weltweit nur 12 Prozent sind.

Internations
Das Unternehmen Internations wurde vor elf Jahren von Malte Zeeck und Philipp von Plato gegründet. Von Plato war damals bei McKinsey international tätig, Zeeck arbeitete für deutsche Fernsehsender im Ausland. Nach eigenen Angaben hat Internations drei Millionen Mitglieder in 420 Städtecommunities. Internations ist ein soziales Netzwerk für Fachkräfte im Ausland, sogenannte Expatriates. Jeden Monat gibt es für die Mitglieder rund 5000 Veranstaltungen vom After-Work-Bier über Wandern bis zu Info-Treffs.

2014 befragte Internations erstmals seine Mitglieder, wie zufrieden sie in ihrem Land sind. Die Gründer sind noch als Führungsteam an Bord, aber seit Juli 2017 gehört Internations zum Karriereportal Xing, das das Expat-Netzwerk für rund zehn Millionen Euro erwarb. Mitgründer Malte Zeeck: „Wir erwarten für 2018 einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich.“

Das beliebteste Land unter Expats ist wie letztes Jahr das Königreich Bahrain. In keinem Land fiele es leichter, sich schnell einzuleben. Auch die Arbeitsbedingungen seien unübertroffen. Taiwan auf Platz 2 des Länderrankings punktet mit Bildung, Arbeitsbedingungen und hoher Lebensqualität, im drittplatzierten Ecuador wittern Expats besonders gute Karrierechancen und niedrige Lebenshaltungskosten. Gewinner der Studie sind außerdem Panama (von Platz 36 auf Platz 13) und Australien (von Platz 34 auf Platz 12). In beiden Ländern hätten sich Arbeitsbedingungen und Finanzen stark verbessert. Unbeliebter zum Arbeiten im Ausland wurden Hongkong (von Platz 39 auf 56), wo die Kosten für Kinderbetreuung und Bildung viel zu hoch sind, sowie Schweden (Platz 46 statt 22). In Schweden werden Expats immer unzufriedener mit ihren Karrierechancen und in Sachen Freundlichkeit schneiden die Schweden kaum besser ab als die Deutschen.

Kuwait ist unbeliebtestes Land bei Expats

Verlierer der Studie sind Kuwait, Saudi-Arabien und Indien. Knapp die Hälfte aller Befragten, die in Kuwait arbeiten, haben Probleme, sich in der Kultur einzufinden. In Saudi-Arabien und Indien herrscht laut Studie die schlechteste Lebensqualität, in Indien spielt dabei die stark verschmutzte Luft eine Rolle. Auch drei europäische Ländern landen unter den unbeliebtesten Zielen: Italien, England und Griechenland. Wie auch schon die Jahre zuvor schneidet Griechenland aufgrund seiner wirtschaftlichen Unsicherheit und der schlechten beruflichen Perspektiven schlecht ab - in beiden Punkten landet das Land auf dem letzten Platz. Auf dem vorletzten Platz in der Kategorie Arbeitsleben landet Italien, dessen politische Lage die Befragten als äußerst instabil beurteilen.

Der Brexit sorgt bei Ausländern, die in Großbritannien arbeiten, für große Unsicherheit. Ein deutscher Befragter schreibt: "Ich hasse es, darauf zu warten, welche Rechte ich nach dem Brexit noch habe." Doch dass die britische Insel, die vor fünf Jahren noch Platz 21 im Länder-Ranking belegt hatte, nun auf Platz 59 ist, liegt hauptsächlich an den hohen Lebenshaltungskosten. Die Hälfte aller Expats klagt über die hohen Kosten, besonders der Wohnraum sei unbezahlbar. Knapp jeder Zweite haderte deshalb sogar, ob er überhaupt nach England ziehen soll. Unbeliebt bei den Befragten ist auch das britische Klima - und die Briten selbst. Ein brasilianischer Expat schreibt: "Ich führe hier ein sehr einsames Leben. Die Menschen sind kalt und nicht daran interessiert, Freunde zu finden."

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