Donnerstag, 17. Januar 2019

Alpine Ski-WM in Åre Wo Schweden richtig mondän ist

Skifahren in Åre: Schwedisches Winterglück
SkiStar/dpa-tmn

In Åre wird im Februar die alpine Ski-WM ausgetragen. Dann präsentiert sich Schwedens mondäner Wintersportort als nordische Alternative zu den Alpen - mit Weitsicht, Genusspisten und skandinavischer Gelassenheit.

Wenn Jesper Johnsson frühmorgens die Tourenski schultert und durch den Schnee zur "Kabinbanan" stapft, schläft die Stockholmer High Society noch. Die Hauptstädter haben Åre zwar zu ihrem Lieblingsdomizil für ihre Winterferien erkoren, den Lebensrhythmus der Einheimischen aber noch nicht übernommen. Während Johnsson schon von der Bergstation zum 1420 Meter hohen Gipfel des Åreskutan aufsteigt, gehen in Hotelzimmern und Chalets erst nach und nach die Lichter an.

Åre erwacht und wirkt doch irgendwie immer ein bisschen verschlafen. Verglichen mit dem Rummel österreichischer Skihochburgen ist Schwedens bekanntestes Skigebiet ein Kurort. Aus den Kaminen bunter Bauernhäuser steigt Rauch in die klirrend kalte Luft empor. In der "Åre Kafferosteri" faucht die Espresso-Maschine. Besitzerin Eva Gefvert Nordell und ihr Mann brühen damit ihre Eigenröstung, mit der die schwedischen Barista-Meister den "Word Roast Cup" gewannen. Auf dem zugefrorenen Åresjön See ziehen Skilangläufer im Morgengrauen ihre Bahnen vor der Kulisse schneeverkrusteter Bergkuppen. Im Winter wirkt die Provinz Jämtland wie die Kulisse einer Schweden-Schmonzette von Inga Lindström.

Anders als in den Filmen der ZDF-Reihe aber ist die Idylle an der Grenze zu Norwegen echt. Der baumlange Skibergführer Johnsson, genauso wie die Fackeln vor dem historischen Hotel "Åregarden" und die Talstation der Zahnradbahn im Zuckerbäckerstil. Åre lockt mit seiner Bilderbuchlandschaft und den schier unendlichen Freizeitmöglichkeiten Schwedens Großstädter nicht nur in den Ferien. "Immer mehr Stockholmer ziehen nach Jämtland, weil sie keine Lust mehr auf die Enge und Hektik der Stadt haben", sagt Johanna Schalander. Sie kämen wegen des "Åre-Lifestyles" und weil der alles andere als billige Ferienort immer noch günstiger ist als Stockholm.

Schalander ist eine von denen, die ihren gut bezahlten Job in der Hauptstadt aufgegeben haben, um in Åre ein anderes Leben zu führen. Aktiver, naturverbundener, gelassener. "Rund um Åre sprießen Start-ups aus dem Boden, junge Leute eröffnen Geschäfte und Lokale", erzählt Schalander vom Boom in Jämtland.

Lesen Sie auch: Was man beim Tiefschneekurs lernt

Auch Johnsson gehört zu den Jungunternehmern. Zusammen mit dem Bruder des schwedischen Freestyle-Champions Henrik Harlaut hat er die Firma Åreguiderna eröffnet. Johnsson und Philip Harlaut bieten Motorschlitten-Touren, Curling-Events, Langlauf und Skitouren an. Solche wie die am Åreskutan. Dort legt Johnsson noch einen Zwischenstopp in der winzigen, fast komplett von einem Schneepanzer überzogenen Toppstugan-Hütte ein, bevor er die Abfahrt in Angriff nimmt. Das "Baksidan" genannte Areal gilt als das beste Freeride-Terrain Schwedens, die steile "Östra Ravin" als ultimative Mutprobe für Adrenalin-Junkies.

Ins Off-Piste-Areal trauen sich nur die wenigsten Urlauber. Nicht, weil es besonders steil wäre, sondern wegen des herausfordernden Schnees. "Wir nennen ihn Blumenkohl-Schnee", erzählt Johnsson. Feuchtwarme Luft vom Golf-Strom mische sich im Nordwesten Schwedens mit kalter Polarluft und überziehe die Berge gern mit einem Mix aus Schnee und Eis, der wie Blumenkohl aussehe. Der häufig wehende Wind schafft mystische Schneeskulpturen. Pulverschnee gibt es nur selten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung