Mittwoch, 19. September 2018

Alternative zu Schweröl Abschied vom Stinker-Schiff - Aidanova fährt mit Flüssiggas

Bug der Aidanova im Baudock in Papenburg (Archiv): Das fertige Schiff soll im November übergeben werden

Das erste mit Flüssiggas betriebene Kreuzfahrtschiff von AidaCruises steht kurz vor der Auslieferung. Die "AIDAnova" soll am Dienstagabend (19.00 Uhr) das Baudock bei der Papenburger Meyer Werft verlassen. Für Mitte November ist geplant, dass das 337 Meter lange und 42 Meter breite Schiff mit mehr als 2600 Passagierkabinen an die Aida-Reederei übergeben wird. Die Jungfernfahrt startet am 2. Dezember in Hamburg.

Flüssiggas gilt als umweltfreundlicherer Antrieb als Diesel oder Schweröl. Die meisten Kreuzfahrtschiffe verbrennen Schweröl, um Geld zu sparen. Die giftigen Abgase sind jedoch seit Jahrzehnten eine schwere Belastung für die Umwelt. Seit Jahren wird darüber gestritten, ob die Schiffe zumindest im Hafen auf eine weniger belastende Energieversorgung umstellen sollen.

Aida sieht sich mit dem Flüssiggas-Antrieb in einer Vorreiterrolle. Auch die Meyer Werft hat mit dem Bau des neuartigen Schiffes Neuland betreten. Auch, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Derzeit beschäftigt die Werft an der Ems rund 3450 Menschen.

Drei Milliarden Euro für den Flottenausbau

Aida, Marktführer für Kreuzfahrten in Deutschland, hat bei Meyer bislang drei LNG-Schiffe in Auftrag gegeben und investiert eigenen Angaben zufolge mehr als drei Milliarden Euro in den Ausbau seiner Flotte.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sieht Umweltvorteile beim Betrieb mit LNG allerdings nur mit Einschränkungen: Zwar seien die Abgase sauberer als bei Diesel oder Schweröl, aber auch Flüssiggas sei ein fossiler Rohstoff und belaste damit die Klimabilanz, sagte Nabu-Experte Dietmar Oeliger.

"Der Umweltvorteil hängt extrem davon ab, wo das Gas herkommt", sagte er mit Blick auf Gas, das in den USA mit der umstrittenen Fracking-Methode gewonnen wird. Reeder sollten sich das von ihnen gekaufte Gas zertifizieren lassen. Mittelfristig müsse Gas aus erneuerbaren Rohstoffen oder mit Wasserstoff betriebene Schiffe das Ziel sein. "Auf langen Strecken sehe ich da aber noch keine Lösung in den nächsten Jahren", sagte Oeliger.

Im Nabu-Ranking ist AIDA vorne

Trotz der Kritik: Wegen des Flüssiggas-Antriebs schafft es Aida dieses Jahr im Nabu-Ranking auf den ersten Platz. Der Naturschutzbund hat heute seine Auswertung veröffentlicht, in der 76 Kreuzfahrtschiffe auf ihren Schadstoffaustoß geprüft wurden.

Nabu zufolge haben die Kreuzfahrtreedereien bei der Reduzierung von Schadstoffen einen Sprung nach vorne gemacht. Doch es seien immer noch zu viele Kreuzer ohne Abgastechnik oder ohne umweltfreundlichere Treibstoffe als Schweröl unterwegs. Es sei ein Skandal, dass im Jahr 2018 immer noch Schiffe auf den Markt kämen, die auf diesen Treibstoff ausgelegt seien, teilte Nabu-Bundeschef Leif Miller mit.

Ebenso kritisierte der Nabu, dass die wenigsten Schiffe für eine Stromversorgung von Land aus im Hafen gerüstet seien, sodass sie ihre Motoren herunterschrauben könnten. "In den großen Hafenstädten Europas leiden die Menschen extrem unter der zu hohen Luftschadstoffbelastung durch die boomende Kreuzfahrtindustrie", erklärten die Umweltschützer und fordern: Deutsche Hafenstädte wie Rostock oder Kiel und Regionen wie das Wattenmeer sollen ab 2020 Einfahrverbote für schmutzige Kreuzfahrtschiffe verhängen.

la/dpa-afx

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