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26.03.2013
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Segeln und Radeln
Schiff ahoi!

Von Monika Hippe

Segeltörn: Mit dem Dreimast-Großsegler Atlantis auf See
Fotos
Tallship Company

Richtig ausspannen kann man am besten auf einem Segelschiff. Auf dem Dreimast-Großsegler "Atlantis" geht es über die Ostsee zur schwedischen Schärenküste. Mit an Bord: 24 Fahrräder für die täglichen Radtouren übers Land.

Stockholm - Ein Ring aus dicken Tauen dient als perfekter Liegesessel für diesen Nachmittag auf Deck. Es ist außerordentlich bequem und erholsam mit einer Bierflasche in der Hand darin zu sitzen und auf den Horizont zu schauen. Dem Konzert der Ostsee zu lauschen, dem Wummern des Windes in den Segeln, dem Klackern der Metallösen gegen die Masten. Die Wellen applaudieren dazu. Schnell wiegen einen die rhythmischen Geräusche und das sanfte Schaukeln in den Schlaf. Oder war es der Stress der vergangenen Wochen? Vom Duft frisch gebackener Waffeln wird man wieder wach. Crewfrau Sandra serviert sie an Deck der Atlantis.

Die Atlantis ist eine prächtige Dreimaster-Barkentine, 57 Meter lang und 7,45 Meter breit. Mit einem 750 PS-Motor. Sie wurde 1905 auf einer Hamburger Werft als Feuerschiff gebaut, um an der Aussenelbe Dienst zu tun. Nach ihrer Ausmusterung 1985 restaurierte man sie zum Großsegler und zimmerte 18 holzgetäfelte Kabinen in stilechtem Ambiente hinein. Das alte Holzlenkrad und der Säulenkompass mit Messingbeschlag an Deck sind allerdings heute nur noch Dekoration. Unter holländischer Flagge kreuzt das Schiff hauptsächlich in Westeuropa und in der Karibik.

Immer wieder steuern Yachten mit hohem Tempo auf die Atlantis zu. Kapitän René Ypenga - den alle nur Yp nennen - ist dann still am fluchen: "Shit, wieder ein Kamikaze-Segler". Ausweichen ist nicht so einfach mit dem 365-Tonnen Schiff. Am Ende will der Kamikaze-Fahrer doch immer nur das eine: ein gutes Foto. Denn die Atlantis sieht mit 15 gehissten Segeln aus wie ein kinotaugliches Piratenschiff. Es sind schöne Momente genau dann an der Reling zu stehen, hinunter zuwinken und sich irgendwie ziemlich groß zu fühlen. Am Abend gibt es ein üppiges Willkommens-Dinner im Salon. Reiseleiter Ulf Marquardt stellt sich und die Crew vor. Ein vollkommen relaxter Typ, sonnengebräunt und sympathisch. Zwei Bier und ein paar Sicherheitshinweise später geht es ab in die Koje.

Radeln im Bullerbü-Land

Morgens um sechs Uhr fängt der Generator an zu Brummen. Dem folgt ein Knarren und Quietschen. An Deck werkelt die Crew schon mit den Seilen. Segelerfahrung braucht hier niemand. Aber wer will, hilft einfach mit beim Segel hissen oder einholen oder bei kleineren Reparaturen. Mit entsprechender Kondition und Schwindelfreiheit kann man nach Absprache sogar Mast und Klüverbaum entern.

Am Vormittag transportieren Ulf und Bootsmann Tim erst die Räder dann die Passagiere im Motorschlauchboot an Land. Katharina hat ein E-Bike bestellt, Paul hat sein eigenes Rennrad dabei. Ein kleiner Steg führt quasi in die Wildnis. Schafe grasen auf saftigen Wiesen. Die Radtour führt erst durch Birken- und Kiefernwälder, später vorbei an Windmühlen und Bullerbü-Häuschen, geschmückt mit bunt bemalten Briefkästen. Die Pause an einer Bucht nutzen die einen fürs Picknick, die anderen für ein Bad in der erfrischenden Ostsee. An diesem Tag hat sie nur wenige Grad. Bevor es wieder an Bord geht, dreht Paul in Rennradklamotten noch eine zusätzliche Runde.

Gemächlich in den Tag gleiten

Am Abend rattert die Ankerkette mit Getöse auf den Meeresgrund. Mit über fünf Meter Tiefgang ist die Atlantis für viele Häfen zu groß und ankert deshalb draußen vor der Küste. Aus der Kombüse dringt der Duft von Grillfisch und das Radio dudelt "Ich düse, düse im Sauseschritt und bring die Liebe mit". Smutje Marco kocht im Takt der neuen deutschen Welle - ziemlich lecker. Auch für die Vegetarierinnen hat er besondere Köstlichkeiten parat. Nach dem Essen informiert Relax-Ulf über den Tagesablauf und schildert die Handelswege der Hanse, die im 12. Jahrhundert über die Ostsee bis nach Russland führten.

Mit jedem Tag auf See scheint eine Portion Alltagsballast mit der Meeresbrise davon zu wehen. Körper und Geist kommen langsam zur Ruhe. Morgens kann man ganz gemächlich in den Tag gleiten, denn pünktlich muss hier niemand sein. Es dauert jedes Mal eine Stunde bis alle Räder an Land transportiert sind. Da hat man Zeit zum Faulenzen, zum klönen, zum Lesen oder sich von Yp in die Welt der Navigation einweihen zu lassen.

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