Freitag, 27. März 2015

Tibet und Südchina Im Bulli auf das Dach der Welt

Tibet-Tour im Bulli: Abenteuer auf vier Rädern
Fotos
Fabian Pickel

Eine Reise im VW-Bus durch Tibet und den Süden Chinas ist ein Kampf: erst mit der Bürokratie, dann mit Natur und Technik. Wer das riskiert, wird belohnt mit Eindrücken, die kein Pauschaltourist bekommt. mmo-Autor Fabian Pickel hat das Abenteuer gewagt.

Lhasa - Vier Fahrzeuge in die Volksrepublik China einreisen zu lassen, das geht nicht so ohne weiteres. Trotz monatelanger Vorbereitung mit Hilfe einer chinesischen Reiseagentur muss der Autokonvoi fünf Tage in Nepal stehen. Erst dann öffnet sich auch der letzte Schlagbaum in Richtung Reich der Mitte.

Der Dokumentenstapel ist inzwischen fast einen halben Meter hoch. Gegen eine saftige Gebühr gibt es chinesische Nummernschilder, eine festgelegte Route durch die Volksrepublik und einen einheimischen Reiseführer auf den Beifahrersitz. Dann ist es endlich geschafft. Zwei Lkw, ein VW-Bus und ein Geländewagen rollen über die "Freundschaftsbrücke" nach Tibet. Das Ziel ist die Grenze zu Laos.

Eine Betonstraße schlängelt sich auf den rund 5300 Meter hohen Lhakpa La-Pass. Vom kräftigen Grün subtropischer Himalaya-Täler bis zur Schneefallgrenze sind es nur 75 Kilometer. Weiße Flocken taumeln auf die Windschutzscheibe, das Kühlwasser kocht, die Motoren kämpfen.

"Keine Sorge, zum Übernachten geht's wieder runter", kommentiert Tashi (Name geändert, d.R.) die dünne Luft. Der drahtige Tibeter mit Sonnenbrille begleitet seit Jahren Touristen mit eigenem Auto als Guide durch China. "Unten", das liegt allerdings immer noch auf rund 4000 Meter Höhe: das tibetische Hochland, eine trockene, meist karge Weite aus Stein und Steppe, im Süden begrenzt von den höchsten Gipfeln der Erde.

In spektakulärer Lage, auf Bergkämmen oder Felsvorsprüngen, zeugen buddhistische Klöster von der ursprünglichen Kultur der "Autonomen Region Tibet". Viele von ihnen sind allerdings bestenfalls noch baulich intakt. Die wenigen verbliebenen Mönche werden rund um die Uhr kontrolliert, an jeder Ecke spähen Überwachungskameras. In ihren orangen Gewändern sind die kahl geschorenen Geistlichen nicht viel mehr als Farbkleckse auf den Fotos der Touristen.

Tibetische Kultur als Ausstellungsobjekt

Wenn Tashi von Massakern an Mönchen und der Unterdrückung seiner Kultur berichtet, dann sieht er sich dabei immer wieder um und achtet darauf, dass ihn niemand belauscht. Chinas Staatsmacht ist überall.

Über der tibetischen Hauptstadt Lhasa thront, einem Koloss gleich, der Potala-Palast. Seine unzähligen Fenster blicken auf eine Stadt, deren Antlitz sich mehr und mehr einer chinesischen Durchschnittsstadt annähert: Die gewachsene Struktur aus traditionell-tibetischen, dickwandigen Steinhäusern weicht schlichten Zweckbauten und breiten Durchgangsstraßen.

Durch den einstigen Sitz des Dalai Lama zieht eine endlose, überwiegend chinesische Touristenkarawane. Die Regierung in Peking macht Kasse mit einer Kultur, die sie gleichzeitig zum Ausstellungsobjekt degradiert. "Die haben hier alle nichts zu suchen, mit ihren Waffen und ihren Uniformen", murmelt Tashi unauffällig, wütend über das chinesische Sicherheitspersonal.

Das herausgeputzte Stadtzentrum gleicht einem Museum. Vor dem Jokhang-Tempel werfen sich tibetische Gläubige betend zu Boden, nachdem sie oft monatelang zu Fuß an diesen heiligen Ort gepilgert sind. Direkt daneben lassen chinesische Soldaten im Gleichschritt ihre Stiefel auf den Boden knallen. Ein Blumengesteck feiert 60 Jahre chinesische Herrschaft über Tibet. Weiter geht die Reise, raus aus Lhasa, in die südchinesische Provinz Yunnan.

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