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23.02.2013
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Amsterdams Grachten sind 400 Jahre alt
Und nur die Räder rosten

Amsterdams Grachten: 400 Jahre alte Kanäle
Fotos
TMN

Im Mittelalter war Amsterdam nur ein Fischerstädtchen. Dann aber rauften sich die Stadtherren zusammen und entwarfen das Kanalsystem, das inzwischen 400 Jahre alt ist. Der Grachtengürtel ist heute Unesco-Weltkulturerbe und eine besondere Touristenattraktion.

Amsterdam - Der lange Greifarm senkt sich erneut ins trübe Wasser der Herengracht. Eine Schar Touristen hat sich an einer der vielen Brücken versammelt und beobachtet das Spektakel. Fahrrad nach Fahrrad steckt in den Fängen des Bootkrans. Gemeinsam landen sie auf einem rostigen Haufen in der Mitte des Kahns, der die Kanäle Amsterdams von Müll und sonstigem Sperrgut befreit. Warum die Kanäle als Fahrradfriedhof benutzt werden, bleibt ein Geheimnis. Die Herren der Amsterdamer Stadtplanung hatten sicherlich etwas anderes im Sinn, als sie das Kanalsystem vor 400 Jahren auf dem Reißbrett entwarfen.

Zum Ende des 16. Jahrhunderts war es eng geworden in Amsterdam. Zuwanderer aus aller Herren Länder fanden bald keinen Platz mehr innerhalb der alten Stadtgrenzen rund um den heutigen Hauptbahnhof. "Die Einwanderer kamen mit Geld und Fertigkeiten. Das bedeutete viel Potenzial für die Stadt", erklärt Wite Lohman, Manager des Grachtenhuis, einem Museum über die Geschichte der berühmten Kanäle. Um den Einwanderern Platz zu geben und den Handel anzukurbeln, entschloss man sich zur Ausweitung der Stadt.

Im Grachtenhuis wird heute mit einer Lichtinstallation präsentiert, was damals passierte: Der Bürgermeister, Schatzmeister, Ingenieure, Architekten und nicht zuletzt ein Vertreter des Militärs berieten gemeinsam, wie die Stadterweiterung aussehen sollte. Pläne wurden verworfen, neue gemacht. Platz brauchte man, schön sollte es werden. Stadtmauern zur Verteidigung waren aber ein Muss. Schlussendlich einigte man sich darauf, vier große Kanäle kreisförmig um den alten Stadtkern anzulegen: Singel, Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht.

Platz für Arbeiter

"Innerhalb der neuen Stadtmauern sollte genug Platz für alle sein, ob reich oder arm. Der Stadtteil Jordaan zum Beispiel wurde für die Arbeiter errichtet", erläutert Lohman. Zu erkennen ist das auch noch heute an den niedrigeren Erdgeschossen - im Vergleich zu denjenigen der prachtvollen Häuser an den großen Kanälen. "In Jordaan wurde einfach nicht so viel Sand angehäuft."

Und Sand anzuhäufen war nötig, denn Amsterdam liegt unterhalb des Meeresspiegels. Das allein genügte aber nicht, um die ehrgeizigen Pläne der Stadtarchitekten in die Tat umzusetzen. Jedes Haus benötigte Pfähle, um nicht gleich nach dem Aufbau wieder im schlammigen Untergrund zu versinken. Wenn die Jahrhunderte alten Holzpfähle heute erneuert werden müssen, ist das eine kostspielige Angelegenheit. "Vom untersten Geschoss des Hauses werden Betonstücke nach und nach in den Boden gedrillt", erzählt Lohman.

Die Pfahlkonstruktion erklärt, wie die Grachtenhäuser entstanden und warum sie nie viel höher sind als vier oder fünf Stockwerke: Ihr Gewicht würde die Pfähle sonst in den Untergrund drücken - und so quasi ihr eigenes Versinken verursachen. Manches bleibt selbst für Lohman rätselhaft: "Niemand ist sich ganz sicher, wie die Arbeiter das angestellt haben. Wie haben sie das Wasser davon abgehalten, in die Kanäle einzudringen, während sie gebuddelt haben?"

Sicher ist, dass eine Menge Arbeiter für das Großprojekt Stadterweiterung angeheuert werden mussten. "Auch viele Deutsche kamen, um für uns die Kanäle zu bauen", sagt Marc Paping. Der Holländer, der sich als "Paap" vorstellt, bietet in seinem Boot private Grachtentouren an. Statt der großflächigen Werbeposter für andere Kanalfahrten ist ihm die Mund-zu-Mund-Propaganda lieber. Auch eine Webseite ist ihm schon zu viel des Werbens. "So ist es viel typischer für Amsterdam", findet Paap.

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Info-Kasten: Amsterdam

  • Anreise
    Der Amsterdamer Flughafen Schiphol ist der viertgrößte Europas und liegt nur 20 Minuten per Zug vom Hauptbahnhof entfernt. Viele der großen internationalen Fluggesellschaften und einige Billig-Airlines steuern Schiphol an. Auch ICs und ICEs verkehren regelmäßig zwischen Deutschland und Amsterdam Centraal.
  • Reisezeit
    Amsterdam lockt Besucher zu jeder Jahreszeit an. Im Winter kann es sehr kalt werden, manchmal frieren sogar die Grachten zu. Aber auch, wer im Frühling, Sommer oder Herbst anreist, muss mit wechselndem Wetter rechnen. Schirm und Regenjacke sollten im Gepäck nie fehlen.
  • Unterkunft
    Die Hotelpreise im Amsterdamer Zentrum sind gesalzen, zumindest in der Sommersaison. In den übrigen Jahreszeiten und bei früher Buchung können Touristen im Hotel schon für rund 80 Euro pro Nacht im Doppelzimmer unterkommen.
  • Sprache
    Niederländisch ist Amtssprache, aber der ständige Zustrom von Touristen hat dafür gesorgt, dass fast jeder Amsterdamer fließend Englisch spricht. Als deutscher Tourist sollte man das Gespräch auf jeden Fall auf Englisch beginnen und nicht davon ausgehen, dass alle Niederländer Deutsch verstehen, das wäre ein Fauxpas.
  • Informationen
    Niederländisches Büro für Tourismus & Convention (www.holland.com).









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