Dienstag, 28. April 2015

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Südsee Mit dem Frachter ins Paradies

Reif für die Insel: Südseereise mit dem Frachter
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TMN

Eine Reise mit der "Aranui 3" führt zu den Marquesas ans andere Ende der Welt. Die zu Französisch-Polynesien gehörenden Inseln liegen versteckt im Pazifik. Der Frachter versorgt das Südsee-Archipel mit Waren. Rund 180 Touristen dürfen jedesmal mit.

Taioahe - Im Gitterkasten liegen tiefgekühlte belgische Fritten. Die Kartons dampfen in der Hitze. Der von Glatze bis Fuß tätowierte Führer des Schiffskrans hat den Kasten aus dem Schiffsbauch geangelt und am Anleger abgesetzt. Dort laufen Einheimische mit Zetteln umher - Belege für ihre Bestellungen, die in Containern, Fässern und Säcken warten.

Eine Touristin, die gerade die Treppe vom Schiff herunter gestiegen ist, wundert sich über das Junk-Food angesichts des Überschusses an Früchten und Gemüsen vor Ort: "Ich habe frittierte Brotfrucht gegessen - schmeckt fantastisch - und dann diese Pommes?"

Szenen wie diese spielen sich am Hafen von Atuona auf Hiva Oa und auf den anderen bewohnten Inseln des Marquesa-Archipels alle drei Wochen ab. Ganze Dörfer werden in Aufruhr versetzt, wenn die "Aranui 3" auftaucht und mit neuer Fracht für Nachschub sorgt an Chicken Wings, Fertigkaffee, Hühnerbouillon, Autoreifen, fässerweise Benzin, Zucker, Mehl, Zement oder Kartoffeln.

Mit der Ware - oft aus Frankreich importiert - schwappt jedes Mal eine kleine Welle an Touristen in Welt der knapp 10.000 Menschen, die sich auf sechs der 14 Marquesas verteilen. Denn die "Aranui 3" ist auch ein Kreuzfahrtschiff.

Eine Fahrt mit der "Aranui 3" ist eine der exotischsten Kreuzfahrten überhaupt. Die Marquesas, die zu Französisch-Polynesien gehören, sind die am weitesten vom Festland entfernte Inselgruppe der Welt. Bis nach Australien sind es 6000 Kilometer, und wer mit dem Flugzeug von Europa kommt, muss dafür rund 30 Stunden einplanen.

Wo Paul Gaugin begraben liegt

17 Mal im Jahr bricht das Schiff im 1400 Kilometer entfernten Papeete, der Hauptstadt Tahitis, zu 14-tägigen Fahrten auf. Die maximal 180 Betten sind oft Monate im Voraus ausgebucht. Die Kabinen sind einfach und sauber. An Bord bringen Animateure den Gästen den Hüftschwung bei, und wer möchte, bekommt Ukulele-Stunden. Internetzugang gibt es nur sporadisch. Die Marquesas selbst sind erst seit wenigen Jahren ans WWW angeschlossen.

Davor waren es in der jüngeren Geschichte vor allem zwei Personen, die den Namen der Inseln in die Welt hinaustrugen: Paul Gauguin und Jacques Brel. Der französische Maler wählte Hiva Oa 1901 als sein letztes Exil. Das Gauguin-Museum in Atuona zeigt allerdings nur Neuinterpretationen seiner Werke und kein einziges Original. Wo genau er 1903 begraben wurde, ist heute unklar. Als Pilgerstätte dient ein Grab auf dem Calvaire-Friedhof.

In der Nähe von Gauguis Grab liegt der belgische Chansonnier Brel begraben, der 1978 in Paris an Lungenkrebs starb und auf eigenen Wunsch nach Hiva Oa überführt wurde. 1976 hatte der Sänger Zuflucht auf den Marquesas gesucht, um schwer krank dem Medienrummel zu entgehen. In einem Hangar hängt noch seine alte Jojo an der Decke. Mit der Propellermaschine hatte Brel kranke Einheimische zur Behandlung nach Tahiti geflogen.

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