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18.02.2013
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"American Queen"
Zeitreise mit Kesseldampf

Schaufelraddampfer: An Bord der "American Queen"
Fotos
TMN

Die "American Queen" ist der größte Schaufelraddampfer der Welt, eine Fahrt mit ihr auf dem Mississippi eine Zeitreise: Zwischen Blümchentapeten und Spitzengardinen singt ein Elvis-Imitator. Wer echten Luxus will, sucht hier allerdings vergeblich.

Memphis - Suchscheinwerfer gleiten über das schwarze Wasser. Die Luft schmeckt nach Rauch. Aus den Bordlautsprechern kommt aufgeregtes Knacken. Gleich ist es soweit. Der Höhepunkt der Flussfahrt steht kurz bevor. Zum Glück ist es schon nach neun, also nach dem Abendessen. Denn ob man deswegen eine glacierte Entenbrust mit Safranreis stehen gelassen hätte?

Mal ehrlich: Vor oder nach dem Essen - das ist die Zeitrechnung auf jedem anständigen Kreuzfahrtschiff. Nach zweitägigem Dahingleiten auf dem größten jemals gebauten Schaufelraddampfer der Welt, ist man landläufigen Banalitäten längst entglitten, inklusive der Sorgen um die Figur. Zuweilen wirkt Chefköchin Regina Charboneau - sie stammt aus dem Uferstädtchen Natchez - persönlich an Bord und kreiert Speisen wie ihren Nachtisch-Kreation aus Feigen-Pekannuss-Brotpudding mit karamellisierter Zuckersoße.

Mit vollem Magen darf das Abenteuer gern kommen. Steuerbord blinken Lichter. Das muss Cairo sein, die Kleinstadt im US-Bundesstaat Illinois. Lautlos huschen dunkle Schatten über das Deck: eine Brücke. "Ladies and Gentlemen", schnarrt es aus dem Lautsprecher, "Sie sind auf dem Mississippi." Das Signalhorn tutet zur Begrüßung.

Beim üblichen Nachmittagsschwatz im Navigationsraum hatte Jerry Hay, eigens angeheuerter Hobby-Fluss-Historiker, Karten gezeigt: Wie ein riesiges Y fließen hier der Ohio und der schlammige Mississippi zusammen. Die "American Queen" ist wieder einmal auf ihrem Lieblingsgewässer angekommen.

Priscilla Presley steht Patin

Es war eine lange Fahrt. Viele Jahre war der Luxusliner in unfreiwilliges Exil verbannt. 1995 lief die 60-Millionen-Dollar-Majestät vom Stapel, wechselte Besitzer, erduldete Zwangspausen. 2008 konnte der Eigner die Raten endgültig nicht mehr zahlen. Die "Königin" bekam den Kuckuck aufgeklebt. Armaturen wurden eingepackt, elegante Mahagoni-Möbel eingemottet, und die degradierte Dame dümpelte fortan auf einem See in Texas vor sich hin. Erst 2011 retteten Investoren sie aus der Verbannung.

Eigentlich hatte die "American Queen" ja schon einen pompösen Namen für ihre Paddelboot-Proportionen von sechs Decks, 127 Metern Länge und 436 Gästebetten. Aber weil sich Priscilla Presley, die Ehefrau von Elvis Presley, als Promi-Taufpatin fand, wurde nochmal Champagner verspritzt.

Steamboating ist nicht billig, aber besonders. Das Schwesternschiff "Delta Queen" liegt in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee als Hotelboot dauerhaft vor Anker. Die "Mississippi Queen" wurde sang- und klanglos verschrottet. Übrig blieb die "American Queen". Seit April 2012 ist sie als einzig authentisches Kreuzfahrt-Paddelboot wieder auf Wasserstraßen im Herzen Amerikas unterwegs.

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