Freitag, 28. August 2015

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Sahara Nach den Sternen greifen

Marokko: Sahara-Kreuzfahrt auf dem Wüstenschiff
Fotos
TMN

Gibt es einen unwirtlicheren Ort zum Wandern als die Sahara? Keine Toiletten, sengende Sonne, Sand in den Ohren. Wer sich darauf einlässt, bemerkt die Widrigkeiten allerdings kaum. So sehr fesseln die Naturgewalten, Stille, Weite - und die Sterne, die zum Greifen nah scheinen.

M'Hamid - Das sattgrüne Draa-Tal ist eine riesige Oase mit schwindelerregend hohen Dattelpalmen und dichten Getreidefeldern. Auf dem Weg in die Sahara dominiert schnell trockene Weite das Bild. Kilometerlang führt die Straße im südlichen Marokko durch spärlich besiedelte Gegenden, bis sie in M'Hamid endet. Einige Häuser trotzen dort der Trockenheit und bilden den Ausgangsort für Touren in die Wüste.

Ein Händler entdeckt die Touristen, die auf sein Geschäft zusteuern. "Willkommen am Ende der Welt!", ruft er grinsend und wedelt mit blauen Turbantüchern. Klar, die Welt hört hier nicht wirklich auf - die vertraute, zivilisierte Welt allerdings schon, wie das Kameltrekking in den nächsten Tagen zeigen wird.

Der Start ist erst einmal mit Arbeit verbunden. Schließlich müssen die Kamele mit all den Dingen beladen werden, die die Reisenden für die Tour brauchen: Essen, ein Gaskocher, Zelte, Schlafsäcke und natürlich Wasserflaschen, mehrere Dutzend davon. Die Kamele scheint die Last nicht zu stören. Sie bleiben friedlich liegen, während die vollgepackten Körbe auf ihren Rücken verschnürt werden. Dann kann es losgehen. Über die asphaltierte Straße hinweg in den rötlich schimmernden Sand. Langsam verschwinden die Häuser aus dem Blickfeld, und vor einem liegt nichts als die Wüste.

Die Kamele sind hintereinander gebunden, sie bewegen sich gleichmäßig vorwärts. Es ist ruhig, nur die Schritte der Tiere und der Menschen sind zu hören und das Gluckern der Wasserflaschen in den Körben. Das erste größere Abenteuer kündigt sich kurze Zeit später aber schon am Horizont an, wie Abidin, einer der beiden Guides, bemerkt. "Ein Sandsturm kommt auf", sagt der junge Berber. Das ist nicht einfach ein Wind, der etwas Sand durch die Gegend pustet. Nein, der Himmel wird grau, von der eben noch grellen Sonne ist fast nichts mehr zu sehen.

Reden ist kaum möglich, Sehen fällt schwer

Massenhaft Sand fliegt umher, wirbelt über den Boden, prescht durch die Luft und trommelt an den Körper. Reden ist kaum möglich. Das Sehen fällt schwer. Die Touristen wickeln ihre Berbertücher etwas fester um den Kopf und ziehen sie über Mund und Nase. Die Augen blicken nach unten, wo der Wind den Sand über den Boden scheucht. Es geht zügig voran, niemand spricht. Irgendwann ist der Wind so stark, dass die Augen besser fast ganz geschlossen bleiben. Jeder konzentriert sich auf seine Schritte und passt auf, die kleine Karawane nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die Gruppe kommt an eine Düne. Gerade so hoch und breit, dass es hinter ihr etwas windstiller ist und es genügend Platz für ein Nachtlager gibt. Alle atmen auf. Als wenig später sogar ein Zelt aufgebaut ist, hockt sich die Gruppe hinein und Abidin beginnt, das Abendessen zuzubereiten. Der Wind, der am Zelt reißt, scheint ihn nicht mehr zu stören. Und während er in Kisten und Tüten kramt, Gemüse und Reis herausholt und mit einfachsten Mitteln kocht, kommen die Guides und die Reisenden ins Gespräch.

Außer Abidin begleitet noch Fouad die Gruppe. Er ist der Schüchternere der beiden und lächelt meist verlegen, wenn er angesprochen wird. Dennoch kommt das Gespräch mit einer Mischung aus Französisch und Englisch langsam in Gang. Fouad ist 22, Abidin 25 Jahre alt. Sie sind beide in der Wüste aufgewachsen, wie sie erzählen. Sie kennen sich in dieser Gegend gut aus, arbeiten schon seit längerem als Tourguides.

Nicht nur in dieser Hinsicht werden die Unterschiede zum Leben der Touristen deutlich. Abidin und Fouad staunen ungläubig, als die Europäer berichten, dass sie keine Geschwister haben oder höchstens noch einen Bruder. Abidin hat sechs Brüder. Und Fouad? Nur vier Geschwister - "eine Kleinfamilie", sagt er lachend.

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