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29.12.2012
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Lieblingsskiort der Wiener
Schladming hofft auf einen WM-Boom

Lieblingsskiort der Wiener: Schladming hofft auf einen WM-Boom
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TMN

Schladming ist für viele deutsche Wintersportler noch ein Geheimtipp. Die Alpine Ski-WM im Februar aber wird das Skigebiet in der Steiermark ins Rampenlicht rücken. Rund um Dachstein und Planai wurde kräftig investiert.

Schladming - Früher drehte sich in Schladming alles nur um Silber. Während der alpinen Ski-Weltmeisterschaft Anfang Februar geht es in der einstigen Minenstadt zwei Wochen um Gold. Michael Tritscher, Schladmings früherer Weltklasse-Skirennläufer, fiebert der zweiten Ski-WM im größten Wintersportzentrum der Steiermark nicht nur wegen der Renn-Entscheidungen in der Planai-Skiarena mitten im Ort entgegen. Wie viele Einheimische hofft der ehemalige Slalom-Star auf einen WM-Boom für das Lieblingsskigebiet der Wiener, das in Deutschland bei weitem noch nicht so bekannt ist, wie viele Orte in Tirol und im Salzburger Land.

Rund 400 Millionen Euro wurden investiert, um das nur eine Stunde von Salzburg entfernt liegende Städtchen für Rennläufer und Urlauber herauszuputzen. Mit der Ski-WM vom 4. bis 17. Februar will sich die Region mit ihren schönen Waldabfahrten auf internationaler Bühne als topmodernes Skigebiet präsentieren. "Pisten wurden verbreitert, Lifte ausgebaut, die Beschneiungs-Anlagen komplettiert und der ganze Berg mit kostenlosem W-Lan-Internetzugang ausgestattet", sagt der technische Leiter der Planai-Bergbahn, Karl Höflehner.

Rund 99 Prozent der 232 Pistenkilometer zwischen den schroffen Südwänden des Dachsteins und den eher sanften Schladminger Tauern sind mittlerweile künstlich beschneibar. "Normalerweise kann man so bei uns bis in den April hinein sogar bis ins Tal abfahren", sagt der Geschäftsführer des Tourismusverbands Schladming-Dachstein, Hermann Gruber. Ein spezielles Mikroklima beschere dem nur 745 Meter hoch gelegenen Schladming so kalte und schneereiche Winter wie sehr viel höher angesiedelten Orte anderswo.

Für die Region sei die WM ein Glücksfall, meint Gruber. In der Nähe der neuen Planai-Talstation mit ihrer futuristischen Glasfassade entstanden neue Hotels. Ein Fünfsternehaus ist nicht dabei. Dafür ist Schladming zu bodenständig. Früher lebte die ganze Region vom Silber- und Kupferbergbau. Auch Gourmet-Tempel gibt es nicht. Gut essen kann man dennoch. Wie beispielsweise direkt an der Piste bei Peter Pichler in der "Holzhackerstube". Der hat sein Handwerk bei den Koch-Legenden Paul Bocuse und Eckhart Witzigmann gelernt. Statt Haute Cuisine kocht er in seiner Heimat aber lieber schnörkellose Gerichte mit Zutaten aus der Region.

Der zum größten Skiverbund Österreichs, Ski Amadé, zählende Ort war immer schon ein Ziel für Familien und leidenschaftliche Skifahrer. Für sie ist die 18 Kilometer lange Edelgrieß-Geländeabfahrt vom ansonsten eher langweiligen Dachstein-Gletscher das Größte. Rennteams aus aller Welt trainieren regelmäßig auf der Reiteralm. Obwohl der westlichste der vier miteinander verbundenen Schladminger Ski-Berge nur 1860 Meter hoch ist, bietet er schon früh im Jahr optimale Trainingsbedingungen.

Von der Reiteralm gelangen Skifahrer hinüber zum 1850 Meter hohen Hochwurzen und dann weiter über die 1906 Meter hohe Planai bis zum 2015 Meter hohen Hauser Kaibling. "Und dies auch während der WM", betont Technik-Chef Höflehner. "Die Einschränkungen für Gäste während der Veranstaltung sind minimal, das Erlebnis aber ist einzigartig", verspricht Ex-Rennläufer Tritscher. Urlauber können täglich die Rennläufer beim Training auf der Reiteralm und das aktuelle Rennen auf einer Videoleinwand mitten im Skigebiet sehen.

Noch beeindruckender wirkt alles von den Rängen der WM-Arena aus. Diese ist auch Schauplatz des jährlichen Nacht-Weltcupslaloms. "Dort bei Flutlicht ins Ziel hineinzufahren, ist schon unvergesslich", meint Tritscher, der sein Heimrennen nie gewinnen konnte. "Einmal war ich hinter dem Deutschen Armin Bittner Zweiter", erinnert sich Tritscher, der seit vielen Jahren eine Skischule in Schladming betreibt.

Ein Sieg beim WM-Slalom ist auch der Traum von Felix Neureuther. "Der Slalom in Schladming hat schon ein ganz besonderes Flair", erzählt der deutsche Skistar. Ein bisschen wie Neureuther kann sich in Schladming jeder fühlen. Der Zielhang ist jeden Abend bis 19.30 Uhr beleuchtet. Nach dem Après-Ski in einer der vielen urigen Hütten, in denen es fast nirgendwo seelenlose Selbstbedienungsbereiche gibt, können auch Touristen dort hinunter fahren. Hinauf geht es mit der Gondelbahn dann aber nicht mehr. Nachtskilauf gibt es dagegen am Hochwurzen auf einer über drei Kilometer beleuchteten Piste.

Für die meisten Urlauber endet der Ski-Tag aber ohnehin früher, um dann in eine ausgelassene Party überzugehen. In der Hauptsaison tanzt halb Wien in den Après-Ski-Schuppen von Schladming. Die sich über drei Etagen erstreckende "Hohenhaus Tenne" gilt als größtes Après-Ski-Lokal der Alpen. Sehr viel ruhiger geht's gegenüber in der "Platzhirsch Alm" mit ihrem Arnold-Schwarzenegger-Stübchen zu.

Der frühere Besitzer Charly Kahr, der Ski-Legenden wie Franz Klammer trainierte, hat die Wände dort mit "Arnie"-Bildern gepflastert. Als Freund von Kahr war der Terminator oft zum Ski fahren in Schladming. Zur WM kommt der aus der Steiermark stammende Ex-Gouverneur von Kalifornien nach vielen Jahren wieder. Mal sehen, ob Schwarzenegger das herausgeputzte Schladming wiedererkennt.

Bernhard Krieger, dpa

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