Dienstag, 1. September 2015

Alle Artikel und Hintergründe

Lappland Mit Huskys durch den Schnee

Laufende Energiebündel: Mit Huskys durch den Schnee
Fotos
TMN

Weiß, so weit das Auge reicht: Das ist Lappland im Winter. Und: Stille. Die wird nur unterbrochen vom Knirschen der Kufen. Im Norden Finnlands gibt es kein schöneres Fortbewegungsmittel als den Hundeschlitten - wenn man ihn richtig bedienen kann.

Luosto - Gleich geht es los, das wissen auch die Huskys. Sie stehen bereits im Wald vor den Schlitten, die sie in wenigen Momenten durch den Schnee ziehen werden. Die Hunde bellen schon ganz aufgeregt. Sie reißen an der Leine, sie wollen endlich starten. Doch noch müssen sie warten. Denn erst wenn die Bremsen gelöst sind, können die Tiere lossprinten. In den nächsten Stunden wird die Huskysafari nahe des kleinen Ortes Luosto kilometerlang durch die schneebedeckte Winterlandschaft führen. Einer der unvergesslichen Höhepunkte einer Reise nach Lappland im Norden Finnlands.

Vor der Tour erklärt Guide Mika Backman allerdings noch ein paar Regeln: "Ihr dürft nie, niemals, unter keinen Umständen euren Schlitten mit den Huskys loslassen." Dann könnte er von hinten auf die Tiere losrasen und sie verletzen. "Benutzt außerdem eure Bremse!" Dafür stellen sich die Schlittenführer mit einem oder beiden Beinen auf die Metallstange am Schlittenende, dann rammen sich die Zinken darunter in den Schnee. "Bremst in den Kurven, damit der Schlitten nicht vom Weg fliegt. Und wenn wir anhalten, stellt euch mit eurem gesamten Gewicht auf die Bremse, damit die Hunde sie nicht losreißen können."

Mit etwa 15 Stundenkilometern durch den Wald

Das klingt zunächst einmal schwierig, ist es dann aber gar nicht. Das richtige Gespür überträgt sich schnell. Im ersten Moment überrascht der Ruck zwar noch, mit dem die Huskys den Schlitten in den Wald ziehen. Doch dann geht es schnell in ein gemächliches Tempo über. Mit etwa 15 Stundenkilometern gleitet der Schlitten über den Schnee. Es ist still - bis auf die Geräusche der Schlitten und Hunde. Denn während in diesem dichten Wald fernab jeder größeren Stadt nicht ein Auto zu hören ist, ratschen die Kufen des Schlittens über den Schnee und erzeugen ein konstantes, dumpfes Rauschen.

Ansonsten ist nur noch das Hecheln der Hunde zu hören. Emsig ziehen sie den Schlitten. Ihre schmalen Beine sind ständig in Bewegung und erinnern an einen Tausendfüßler, so schnell trippeln die 24 Beine der sechs Huskys über den Schnee. Ihre Hinterteile wackeln hin und her, die Schwänze fliegen von einer zur anderen Seite. Einigen Hunden hängt die Zunge aus dem Maul, hin und wieder schnappt einer nach etwas Schnee, der sich neben dem Weg auftürmt. Zur Abkühlung, wie Mika erklärt. Kein Wunder, bei dem dicken Fell und der Anstrengung.

Leithund bestimmt die Richtung und das Tempo

Tepa gibt den Ton an. Sie ist der Leithund. Die Huskydame ist zwar das kleinste Tier vor dem Schlitten, doch auf die Siebenjährige in der ersten Reihe hören auch die Herren des Trupps. Sie bestimmt die Richtung und das Tempo. Hinter ihr im Gespann kommen zwei schnelle Hunde und in der dritten Reihe rennen Taavi und Niilo, zwei besonders kräftige Hunde, an denen die Last des Schlittens mehr als an den anderen hängt.

Mit ihnen zusammen geht es durch eine faszinierende Landschaft. Die Tour führt durch eine Region etwa eineinhalb Autostunden von Lapplands Hauptstadt Rovaniemi entfernt. Das ist nördlich des Polarkreises, wo die Tage im Sommer besonders lang und im Winter besonders kurz sind. Von etwa Mitte Dezember bis Ende Januar wird es erst gegen 10.00 Uhr hell. Nur langsam weicht die stockfinstere Nacht und lässt ein paar Sonnenstrahlen durch. Doch auch dann schimmert der Himmel bläulich wie sonst zur Dämmerung am Abend und taucht die gesamte Landschaft über Stunden in ein mystisch wirkendes blaues Licht.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH