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30.01.2013
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MacRitchie Reservoir in Singapur
Unter Stadtaffen

Singapur: Bei den Stadtaffen des MacRitchie Reservoir
Fotos
TMN

Als Peter Fox seinen Hit "Stadtaffe" schrieb, hatte er wohl keine Langschwanzmakaken im Sinn, sondern eher Menschen aus Berlin. Wer jedoch das MacRitchie Reservoir in Singapur besucht, kann sich dennoch an das Lied erinnert fühlen. Denn hier gibt es sie: wilde Affen in der City.

Singapur - Am Ende bekommt es Carolin doch etwas mit der Angst zu tun. Fast eine Stunde lang ist sie auf schmalen Pfaden durch den Urwald gelaufen, mit wachsender Ungeduld in der Stimme: "Wo sind denn bloß die Affen?" Und nun sitzt einer der Primaten vor ihr auf dem Hängebrücken-Geländer, fast auf Augenhöhe mit der Neunjährigen.

Der Langschwanzmakake ist Carolin und ihrer Schwester Tatjana auf dem Tree-Top-Walk gefolgt, der größten künstlichen Attraktion in dem Schutzgebiet, das in Singapur das MacRitchie-Wasserreservoir umgibt. Mit einem großen Satz hat der Affe die Reling erklommen, mit dem nächsten könnte er in Carolins Arme oder auf ihren Kopf springen.

Begegnungen wie diese sind an der Tagesordnung am MacRitchie Reservoir. Das Terrain liegt mitten in der Stadt, ist von Singapurs extremer Verstädterung aber weitgehend verschont geblieben. Es gab so gut wie keine Rodungen. Der ursprüngliche Regenwald, der einst mehr als 80 Prozent des südostasiatischen Inselstaates bedeckte, ist noch an vielen Stellen erhalten.

Reservoir für Sportler - und Affen

Das MacRitchie Reservoir war Singapurs erstes großes Sammelbecken für die öffentliche Wasserversorgung. Angelegt 1868 und später nach dem Ingenieur James MacRitchie benannt, wurde der See zweimal erweitert, um mit dem wachsenden Wasserbedarf Schritt zu halten. Heute dient er auch als Sportrevier: Ganze Schulklassen paddeln in der schwülen Hitze mit Kanus um die Wette, am Rand des Reservoirs unterhält der örtliche Country Club gleich zwei große Golfplätze.

Jogger und Naturliebhaber durchstreifen den Park auf fünf verschiedenen Routen, die zwischen drei und elf Kilometer lang sind. Für die längste Strecke sind in dem tropischen Klima etwa 3,5 Stunden zu veranschlagen, inklusive der Stopps an den vielen Hinweistafeln, auf denen am Wegesrand die Tier- und Pflanzenwelt erläutert wird.

Bitte nicht füttern

Ausgangspunkt ist der gepflegte MacRitchie Reservoir Park. Auf den ersten paar 100 Meter auf einem Plankenweg am Wasser ist der Lärm der Stadt noch deutlich zu hören. Dann aber verwandelt sich das Reservoir in eine Oase der Ruhe, die nur ab und zu von den Affen gestört wird. Manche schaukeln in den Baumwipfeln und machen Krach, andere kauern auf den Wegen und betteln mit Unschuldsblick um Futter. Auf den Hinweisschildern wird jedoch deutlich davor gewarnt, aus Mitleid in die Tasche zu greifen.

Die Affen sollen sich nicht daran gewöhnen, gefüttert zu werden, denn sie könnten sonst aggressiv werden, wenn sie nichts bekommen. Außerdem liegen auf dem Waldboden genügend Früchte herum. Deren Samen sollen von den Makaken weiter getragen werden. Die Affen zu füttern, wäre also langfristig negativ für die Artenvielfalt im Großstadtdschungel.

Gang zwischen den Braumkronen

Gute Chancen, die wilden Tiere aus der Nähe zu sehen, gibt es an einem Aussichtsturm entlang der Elf-Kilometer-Strecke, auf den auch die Affen gerne klettern. Und in größeren Gruppen lassen sie sich auch am Tree-Top-Walk sehen. Der im Jahr 2004 eingeweihte, 250 Meter lange Steg quer durch die Baumkronen verbindet zwei dicht bewachsene Hügel und erreicht eine Höhe von bis zu 25 Metern über dem Waldboden.

Wer auf der Hängebrücke stehen bleibt, kann die Vögel beobachten, die sich oben auf den Dschungelriesen niederlassen - und die Affen, wie sie geschickt auf den schmalen Spannseilen balancieren und auf den Steg hinauf kommen. Im ersten Moment kann der Schreck dann groß sein, wie bei Carolin. Während die Neunjährige langsam weitergeht, zieht der Makake auf dem Geländer völlig unbeeindruckt an ihr vorbei, springt vom Steg und trollt sich in den Wald. Für Carolin war die Begegnung ein Abenteuer - für den Stadtaffen war sie nur Alltag.

Christian Röwekamp, dpa

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