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14.12.2012
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Wintersport
Adrenalinkick in Andorra

Wintersport in Andorra: Hauptsache, extrem
Fotos
TMN

Die Skipiste führt direkt in den Abgrund. Das Herz rast und die Bretter noch viel schneller. Dann knickt die Piste, die Skier fahren geradeaus - und schweben 30 plötzlich Meter über dem Boden. Nicht der einzige Adrenalinkick, den Andorra zu bieten hat.

Andorra la Vella - Andorra ist den meisten Deutschen als Einkaufsparadies ohne Mehrwertsteuer bekannt. Fußballfans denken vielleicht an hohe Niederlagen, Literaturliebhaber an Max Frischs gleichnamiges Drama. Doch Andorra lässt auch immer mehr Skifahrerherzen höherschlagen. Denn so klein das Fürstentum mit seinen 85.000 Einwohnern und 468 Quadratkilometern auch sein mag, es ist mit rund 300 Pistenkilometern das größte Skigebiet in den Pyrenäen.

Mehr als 60 Gipfel strecken sich über 2000 Meter in den meist auch im Winter blauen Himmel. Ein Drittel des Landes liegt oberhalb der Waldgrenze. Der gebirgige Zwergstaat zwischen Frankreich und Spanien ist damit ein El Dorado für Wintersportler. Schon früh am Morgen drängen sich Franzosen und Spanier an den Skiliften in Vallnord, dem westlicheren der beiden großen Skigebiete. Deutsche und andere Zentraleuropäer sind bisher nur selten auf Andorras Skipisten zu finden.

Über Nacht hat es geschneit. Pulverschnee bedeckt die steilen Berge und Pisten. Freerider treibt es vor allem in das Gebiet Ordino-Arcalis und Arinsal, wo sie abseits der Pisten in extra vorgesehenen Zonen durch unberührte Schneelandschaft fegen. Der Sessellift bringt die Skifahrer von Arcalis hinauf auf den 2552 Meter hohen Les Portelles. Es ist der perfekte Skitag - Neuschnee, Sonne und kaum Wind.

Aus dem Wasser in die Luft

Doch nach ein paar Abfahrten werden heute die Ski schon wieder abgeschnallt. Fast am Ende der Canaleta-Piste wartet Hector Encuentra in einer kleinen Holzhütte. Er führt die Besucher nur 20 Meter neben der Skipiste in eine fantastische Zauberwelt. Dafür werden allerdings die Skischuhe durch Schwimmflossen und die Sonnenbrille durch eine Tauchermaske ersetzt. Mit der Skikleidung zwängen sich die Besucher in Trockentauchanzüge, schnallen die Sauerstoffflaschen auf und stapfen durch den Schnee zum Bergsee La Canaleta. Vorbeirasende Skifahrer bremsen abrupt, um dieses ungewöhnliche Spektakel zu bestaunen.

Das von Hector in die Eisdecke geschlagene Loch wirkt winzig und bedrohlich. Es ist ein eigenartiges Gefühl, sich langsam in das dunkle, eiskalte Wasser des Bergsees hinabgleiten zu lassen. Der Adrenalinschub lässt einen beinahe das Atmen vergessen. Aber nach und nach verfliegt die innere Unruhe und macht Platz für den Genuss eines einzigartigen Erlebnisses. Hector taucht voraus. Die Sonnenstrahlen lassen die Eisdecke von unten mal weiß, mal blau und dann wieder grün erscheinen. Die ausgeatmeten Luftblasen sammeln sich an der Unterseite der dicken Eisschicht. Sie sehen aus wie Quecksilberkügelchen.

Hector zeigt skurril geformte, wellenartige Eisformationen unter Wasser. Es ist eine geheimnisvolle Welt. Nur 20 Minuten dauert der Ausflug. Nach kurzem Aufwärmen in der Hütte werden wieder die Skier untergeschnallt, und es geht über die Pisten zum nächsten Adrenalin-Schub - Speedriding, eine Schussabfahrt mit Gleitschirm.

Oben auf der roten Piste La Portella del Mig wartet bereits Eduard Terricabras zur Tandem-Fahrt. "Terri" stellt sich hinter seinen Gast, hakt ihn an seinem Gleitschirm ein, und los geht es. "Unsere Skier müssen immer parallel sein, bloß nicht bremsen oder Schwünge machen, sonst fallen wir beide hin. Und immer geradeaus, egal, wie die Piste verläuft", ruft er.

Zittern und grinsen

Das Herz rast und die Skier noch schneller. Mit jedem auch noch so kleinen Hügelchen auf der Piste heben sie ein paar Meter ab. Dann macht die Piste eine Rechtskurve. Terri fährt einfach geradeaus auf den Abhang zu, und plötzlich schwebt man 30 Meter über dem Abgrund durch die Luft. Automatisch hält man den Atem an, möchte die Augen zukneifen, aber die Aussicht ist zu schön und der Adrenalinspiegel zu hoch. Landung auf der Piste, um nach einigen Metern erneut auf den nächsten Abgrund zuzurasen. Am Ende zittern die Oberschenkel. Das Grinsen im Gesicht vergeht jedoch erst Stunden später.

Speedriding, Schneeschuhwandern im angrenzenden Naturpark Sorteny, Snowbikes, Motorschlittentouren, Heliski: Vallnord ist ohne Zweifel der Ort für alternative Wintersportaktivitäten in Andorra. Unterdessen lockt klassische Skifahrer vor allem das riesige Skigebiet Grandvalira mit 205 Pistenkilometern. Das Gebiet erstreckt sich von der französischen Grenze in Pas de la Casa bis nach Encamp nahe der Hauptstadt Andorra la Vella.

Mit 95 Kilometer leichten, 77 Kilometer mittleren und 33 Kiliometer schweren Pisten ist für jeden etwas dabei. Natürlich befinden sich im Grandvalira auch Snow- und Funparks, Halfpipes, Freerider-Zonen und alternative Freizeitangebote wie Hundeschlittentouren - doch Eistauchen und Speedriding haben bleibenden Eindruck hinterlassen.

Manuel Meyer, dpa

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