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27.01.2013
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Überseestadt Bremen
Hafencity in groß

Überseestadt: Bremens Hafencity
Fotos
TMN

Sieht aus wie in Hamburg, aber nur auf den ersten Blick: Bremens Überseestadt soll doppelt so groß werden wie die Hafencity - und setzt eigene Akzente in Sachen maritimes Leben.

Bremen - Ein so starker Touristenmagnet wie die Hamburger Hafencity ist die Bremer Überseestadt noch nicht. Zugegeben: Sie ist weniger spektakulär, weniger fein, und sie gefällt in ihrem unfertigen Zustand erst auf den zweiten Blick. Doch wo einst das Herz des Bremer Handels schlug, erfindet sich die Stadt rund um zwei große Hafenbecken gerade neu. Und nicht nur als Wohnviertel soll die Überseestadt zur attraktiven Adresse werden, auch für Touristen lohnt sich ein Abstecher - schon jetzt, und bald noch viel mehr.

Die Türme des nur gut drei Kilometer entfernten Doms immer in Sichtweite, entstehen Wohnungen mit Weserblick, Büros, Geschäfte, Restaurants und Bars. Der Unterschied zur Hamburger Hafencity: Bremen verbirgt seine industrielle Seite in der Überseestadt nicht. Getreidemühle, Holzhandel, Cornflakesfabrik - die Relikte des Industriezeitalters sind hier lebendig und nah. Der alte Überseehafen wurde 1998 mit 3,5 Millionen Kubikmetern Sand zugeschüttet, auf einem Teil der Fläche entstand der neue Großmarkt.

Wer hier wohnen will, muss auch mit Lastwagenverkehr und den Geräuschen und Gerüchen des Hafenviertels leben. "Bei uns gibt es noch richtigen Umschlag, wir haben urbanes Hafenleben", sagt Peter Siemering, der den Überseestadt-Marketingverein leitet und Geschäftsführer der Bremer Touristik-Zentrale ist. "Das Spannende ist, dass man einen Konsens finden muss zwischen Industrie, Wohnen und Büro. Ich glaube, dass das in 10, 15 Jahren der Magnet sein wird."

Doppelt so groß wie die Hafencity

Der vornehme Landmark-Tower direkt am Weserufer ist das Aushängeschild der Überseestadt. Die Skybar im 20. Stock des Hochhauses bietet einen schönen Blick weit über die Stadtgrenzen hinaus. Leider ist die Bar nur für Veranstaltungen und Clubmitglieder geöffnet. Aber auch ein Spaziergang am Fuß des Turmes auf der neuen Promenade mit Blick auf die Sport- und Freizeitbootmarina lohnt sich. Dort reihen sich Wohnhäuser und Restaurants aneinander. Gerade begann der Bau der "Bootshäuser" mit 64 Eigentumswohnungen.

Am Kopf des alten Europahafens hat sich Birgitta Rust einen Lebenstraum erfüllt. Hinter einer großen Glasfassade brennt sie in ihrer eigenen Destillerie edle Schnäpse und Whisky. Sie beobachtet die Entwicklung der Überseestadt genau: "Es bewegt sich hier einiges." Je mehr gebaut werde, desto belebter werde der neue Stadtteil.

"Ich fühle mich wohl hier und könnte mir vorstellen, hier später auch zu wohnen", erzählt Rust. Für Bremen-Besucher, die Hochprozentiges mögen, könnte "Piekfeine Brände" ein Ausflugsziel in der Überseestadt sein. Rust weiht Interessierte bei Seminaren in ihrer Brennerei in die Geschmacksgeheimnisse der hochprozentigen Getränke ein.

Bis die gesamten 300 Hektar der Überseestadt bebaut sind - das ist doppelt so groß wie die Hafencity Hamburg - werden noch viele Jahre vergehen. Bis 2025 sollen weitere Parks und Sportanlagen, zahlreiche Wohn-, Büro- und Geschäftshäuser entstehen. 350 Millionen Euro Entwicklungskosten stecken in dem Areal, die Projekte der privaten Investoren kommen auf rund zwei Milliarden Euro. Wenn alles fertig ist, sollen hier einmal 450 Unternehmen mit 9000 Beschäftigten arbeiten. Seinen Containerumschlag erledigt Bremen seit vielen Jahren in Cuxhaven.

Übergang zum Szene-Viertel

Am Eingang zur Überseestadt, direkt hinter der Eisenbahnbrücke am Weserufer, entstehen gerade ein Vier-Sterne-Superior-Hotel mit rund 140 Zimmern und ein Varieté-Theater mit 400 Plätzen. "Das wird eine neue Tourismusattraktion und sicherlich ein hochinteressanter Anlass, Bremen zu besuchen", ist Siemering überzeugt. Anders als die große Schwester Hamburg hatte Bremen vom Musical-Boom nicht dauerhaft profitieren können. Das Musical-Theater in der Innenstadt wird nur noch für einzelne Konzerte genutzt.

Nach Siemerings Einschätzung ist die Überseestadt für den Tourismus auch deswegen interessant, weil es dort etliche Kultureinrichtungen - darunter die Hochschule für Künste - und eine abwechslungsreiche Veranstaltungsreihe gibt. Das Hafenmuseum im Speicher XI bietet Einblicke in die Entwicklung der Hafenwirtschaft, bei Lloyd Caffee kann man dem Röster über die Schulter schauen, und in der Kochschule Bremen gibt es die Anleitung zum perfekten Menü.

An der Baustelle von Hotel und Varieté findet die Überseestadt direkten Anschluss an die Weserufer-Flaniermeile Schlachte. Was die Überseestadt noch vorhat, ist hier schon gelungen: Touristen fühlen sich genauso wohl wie die Bremer, seit das Weserufer neu gestaltet wurde und im zentralen Teil der Schlachte sich nun Restaurants, Cafés und Bars aneinanderreihen.

Hier tummeln sich an schönen Tagen Müßiggänger und sportlich Aktive zu Hunderten. Im Sommerhalbjahr bieten zahlreiche Biergärten schattige Plätze mit Blick auf den Fluss - und in der Vorweihnachtszeit verwandelt sich das hohe Ufer in einen zauberhaften Weihnachtsmarkt.

Sönke Möhl, dpa

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