Freitag, 31. Juli 2015

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Wo die Spione lauschten Unterwegs auf dem Berliner Teufelsberg

Station der Spione: Unterwegs auf dem Berliner Teufelsberg
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TMN

Die alte Radarstation auf dem Teufelsberg war jahrelang Sperrgebiet. Von hier aus hörten die Amerikaner im Kalten Krieg den Ostblock ab. Inzwischen bietet ein ehemaliger amerikanischer Soldat Führungen über das Gelände an. Ein Ausflug in den Berliner Grunewald.

Berlin - Wer Mut hat, schaut runter. Doch für den Anfang muss der Blick geradeaus genügen. Kilometerweit grüne Baumkronen. Dahinter das Olympiastadion, rund und winzig klein. Dann wieder grüne Fläche, die hinten am Horizont den Himmel zu treffen scheint. Man hat einen schönen Blick von der weißen Kuppel, dem höchsten Punkt der alten Radarstation auf dem Berliner Teufelsberg. Aber der Blick ist riskant: Einen Schritt nach vorne und man fällt durch das Loch in der Fassade 26 Meter in die Tiefe.

In der weißen Kuppel ist das Licht dämmrig. Der Raum ist etwa so groß wie der Mittelkreis in einem Fußballfeld. Weiße Plane formt das runde Dach. Es ist in Rauten zusammengenäht und erinnert an einen Fußball. An einer Stelle hat jemand in die Außenhaut der Kuppel ein Loch geschnitten. Es ist so groß wie eine Tür.

Diese weiße Kuppel und ihre Schwestern auf der alten Radarstation sind eines der Wahrzeichen von Berlin. Wer mit dem Flugzeug anreist, sieht die Fußbälle im Grunewald schon bei der Landung. Anders als um die Siegessäule oder das Brandenburger Tor rankten sich um dieses Wahrzeichen viele Geheimnisse: Das Gelände auf dem Teufelsberg im Grunewald war jahrelang militärisches Sperrgebiet. Von hier oben wurde im Kalten Krieg der gesamte Ostblock ausspioniert. Seit einiger Zeit gibt es Touren auf dem Gelände.

Ein Berg aus Trümmern

Rund 30 Menschen sind an diesem Tag an den S-Bahnhof Grunewald gekommen, wo die Touren starten. Es sind Berliner dabei, aber auch Touristen aus dem Ausland. Sie scharen sich um einen älteren Herrn mit Panama-Hut. Nach 20 Minuten Fußmarsch durch den Grunewald steht die Gruppe vor einem eisernen Fabriktor. Die "Field Station Berlin" ist erreicht.

Der Teufelsberg im Grunewald ist mit seinen rund 115 Metern deutlich höher als der Rest von Berlin. Der Berg entstand nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Trümmern der zerbombten Stadt. Die "Field Station Berlin" auf dem Teufelsberg wurde Anfang der 50er Jahre errichtet. Während des Kalten Krieges stellten Briten und Amerikaner dort Radaranlagen auf. So konnten sie die Kommunikation im Osten abhören.

"Rund 300 Kilometer weit konnte man von hier aus lauschen", erzählt Christopher McLarren, der Mann mit dem Panama-Hut. Die Protokolle der Abhörstation seien deshalb von großem Interesse gewesen. Denn von kaum einem anderen Ort konnte man so weit ins Land des Feindes hören.

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