20.09.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Kapstadt
Santé hinterm Tafelberg

Südafrika: Streifzug durch die Wine Lands
Fotos
TMN

Kapstadt zieht Besucher magisch an: Die südafrikanische Metropole unter dem Tafelberg ist einer der faszinierendsten Orte der Welt. Das wahre Paradies aber liegt auf der Rückseite des Bergs. Genießer pilgern in die Wine Lands.

Franschhoek - Wenn der Hüne mit seinem Kavallerie-Säbel Champagnerflaschen köpft, fühlt man sich in einen französischen Musketier-Film versetzt. Mit einem lauten Knall fliegt der Korken an die Decke des Gewölbekellers. Dann sprudelt der edle Schaumwein heraus, der Achim von Arnim zu einem der bekanntesten Winzer Südafrikas und sein Weingut "Haute Cabrière" in Franschhoek für Genießer zu einer Pilgerstätte am Kap gemacht hat.

Der Südafrikaner mit deutschen Wurzeln ist ein Nachfahre des berühmten Dichterpaares Bettina und Achim von Arnim. Manche nennen den über 1,90 Meter großen Mann mit den kurz geschorenen Haaren und markanten Gesichtszügen anerkennend Revoluzzer. Als Erster baute er in dem 1688 von vertriebenen Hugenotten aus Frankreich gegründeten Franschhoek die klassischen Champagner-Rebsorten an, um daraus seinen "Cap Classique" zu machen. Benannt hat er ihn nach "Pierre Jourdan", einem Hugenotten, der schon vor über 300 Jahren das Weingut in dem von imposanten Bergketten umfassten Ort gegründet hat.

Schon der erste Gouverneur am Kap, Jan Van Riebeeck, hatte im 17. Jahrhundert erkannt, wie sehr sich die 50 Kilometer von Kapstadt entfernten Täler mit ihren milden Wintern und den sonnigen Sommern für den Weinbau eignen. Unter seinem Nachfolger Simon van der Stel, nach dem Stellenbosch benannt wurde, entstanden dort immer mehr imposante Weingüter.

Mandelas letzte Tage in Gefangenschaft

Heute sind die weiß getünchten Häuser mit Reetdächern und hohen geschwungenen Giebeln Touristen-Attraktionen. Das einzigartig weiche Licht am Kap lässt sie inmitten von Obstplantagen, Weingärten und violett blühenden Jacaranda-Bäumen erstrahlen. Die meisten Güter in diesem kapholländischen Stil stehen in und rund um Stellenbosch, dem Zentrum der Wine Lands.

Südafrikas Golf-Star Ernie Els betreibt hier wie viele andere Prominente und Reiche ein Weingut und zudem mit dem "Big Easy" ein Restaurant in einer alten Villa im Stadtzentrum.

Das Städtchen Paarl ist nach dem rund 700 Meter hohen "Peerlbergh" benannt, der wie eine Perle in der Sonne glitzert. In Paarl verbrachte Nelson Mandela seine letzten Tage in Gefangenschaft, bevor ihn die Regierung freiließ. An der Main Street reihen sich schmucke viktorianische Häuschen aneinander.

Etwas abseits hat sich der frühere deutsche IT-Manager Fred Uhlendorff nach einer fast siebenjährigen Weltumsegelung auf dem Weingut "Palmiet Valley" niedergelassen. "Ich habe mich sofort in diesen Platz verliebt", erzählt der Weltenbummler. In seinem Boutique-Hotel sitzen die Gäste abends an großen Tischen beim Essen zusammen. Dann schwärmen sie vom Golfen, den Wander- und Mountainbike-Touren in den Bergen und den günstigen Restaurant-Preisen am Kap.

Zahl der Weingüter verdreifacht

"Für mich sind die Wine Lands der schönste Platz der Welt", sagt Uhlendorff, der direkt nach dem Ende der Apartheid nach Südafrika kam. Sorgen um die Sicherheit macht er sich nicht, obwohl Besuchern immer wieder von Fahrten über Land nach Einbruch der Dunkelheit abgeraten wird. Auch wenn es hier weniger Kriminalität gibt als in anderen Teilen des Landes, bleibt der Kontrast zwischen Arm und Reich enorm. Um die Schere etwas zu schließen, hat von Arnims Familie in Franschhoek eine eigene Schule für die Kinder ihrer Arbeiter gebaut, in der sie kostenlos unterrichtet und mit Essen versorgt werden.

Anders als Stellenbosch und Paarl ist Franschhoek stark französisch geprägt. Auf der Hauptstraße mit vielen Boutiquen und Cafés wird das Savoir Vivre zelebriert. "Franschhoek ist das Zentrum für gutes Essen und guten Wein am Kap geworden", sagt von Arnims Frau Hildegard, eine Winzertochter von der Mosel. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Weingüter in Südafrika verdreifacht. Familien-Betriebe wie "Haute Cabrière" konkurrieren zunehmend mit Weingütern von Superreichen wie Laurence Graff.

Der bekannte Diamantenhändler hat mit dem "Delaire Graff Estate" oberhalb von Stellenbosch ein beeindruckendes neues Weingut-Hotel am Kap gebaut. Wie ein edler Solitär liegt es zwischen Weingärten und Blumenbeeten am Fuße des Botmaskop-Berges. Geld spielte beim Bau der luxuriösen Gäste-Villen und der beiden Restaurants genauso wenig eine Rolle, wie bei der Produktion der preisgekrönten Weine. Graff schmückt sein imposantes Weingut mit unzähligen Bildern und Skulpturen südafrikanischer Künstler. Vielleicht stellt er ja bald auch mal Achim von Arnims Werke aus. Der Winzer aus Franschhoek schwingt nämlich nicht nur seinen Kavallerie-Säbel, sondern auch erfolgreich den Pinsel.

Bernhard Krieger, dpa

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

© manager magazin online 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH





Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif