Dienstag, 26. März 2019

Gourmettour durch Norwegen Pilgern oder Picheln

Trøndelag: Wo Feinschmecker und Pilger glücklich werden
Hilke von Hoerschelmann

Reiche Auswahl an Aquavit und selbstgebrauten Biersorten, liebliche Fjordlandschaften, bemerkenswerte Küche: Trøndelag in Mittelnorwegen ist ein äußerst vielseitiger Landstrich, der Gourmets ebenso lockt wie Pilger - sie folgen dem Olavsweg, der in Trondheim endet.

Tautra - Zimmerwarm, nicht geeist, so kommt in Norwegen der Aquavit ins Glas. Und tatsächlich: Aromen von Rauch, Kümmel und Fenchel, ja sogar von getrockneten Apfelsinen machen sich deutlich besser auf der Zunge breit. Wie alle norwegischen Aquavite reift auch der whiskyfarbigen Steinvikholm Akevitt in alten Sherryfässern aus Eichenholz, sie stammen aus der südspanischen Region um Jerez.

Unterstützt wird das Geschmackserlebnis von beliebten norwegischen Käsesorten, dazu gehört der Geitost, ein Ziegen-Molke-Käse, braun mit Karamellgeschmack. Der Sauerrahmbrei Rømmegrøt wird serviert mit Zucker und Zimt, Jarlsberg ist der Lochkäse mit Nussaroma. Stets dabei: knuspriges, hauchdünnes Flatbrød.

Fünf hauseigene Biersorten fließen bei Staale Anderson im Klostergården Restaurant auf der Insel Tautra aus den Zapfhähnen. Überraschend leicht, sogar das vermeintlich bittere Stout. Malz, Hopfen, Wasser und Hefe sind die klassischen Zutaten auch in Norwegen, man hält sich in Sachen Reinheitsgebot strikt an die EU-Regeln. Alle Ingredienzien von Staales Speiseangebot sind "nicht gereiste Zutaten", Slow Food auf norwegisch. Staale verfeinert sie zu Delikatessen, macht aus Riesenzwiebeln Marmelade, karamellisiert Minze, legt Walnusskerne in Honig ein.

Aquavit oder Bier ist für Pilger nicht von Interesse. Ihr Augenmerk gilt allein dem Olavsweg. Dieser beginnt bei Oslo und wird nach 600 Kilometern an der Nidaros-Kathedrale in Trondheim enden, wo man das Grab des Heiligen Olavs vermutet. "Pilgern ist ganzheitliches Wandern für Leib, Seele und Geist, mit Platz für existentielle Fragen und christliches Erbe", beschreibt Jørg Kunzendorf diese Erfahrung. Der Pfarrer und Lehrer ist Kenner und Führer auf allen norwegischen Pilgerpfaden.

Zum Kloster kommen Pilger und Gourmets

Für Pilger ist auf Tautra vor allem die neue Kapelle des erst vor sechs Jahren neuerstandenen Mariaklosters von Interesse: eine architektonische Attraktion von Architekt Jan Olav Jensen. Das Balkenskelett aus hellem Holz, überdacht mit Glas. Ebenso aus Glas die Front hinter dem Altar mit Sicht auf den Fjord. Das hereinflutende Licht erhellt die innere Einkehr in der andächtigen Stille dieser sanften Landschaft.

Das männliche Pendant: das Munkeby Mariakloster, kleinste und wohl nördlichste Zisterzienserstation. Pilger nächtigen in der schlichten Schlafstatt, Gourmets kommen für den köstlichen Munkebykäse. Rezept samt 50 Jahre Erfahrung brachten Bruder Cyril und Bruder Joël aus Cîteaux im Burgund mit. Für die feine, glatte Kruste waschen und drehen die Mönche täglich die 800-Gramm-Laiber, fünf Wochen lang.

Die E6-Schnellstrasse führt von Oslo durch ganz Norwegen. Eilige Nordkapbesucher preschen auf ihr ihrem Ziel entgegen, auch durch Trøndelag - nicht ahnend, dass wenige Kilometer entfernt der 'Gyldne Omvei', der Goldenen Umweg verläuft, mit behaglichen Bed & Breakfast Hotels, liebenswerten Restaurants, kleinen Bierbrauereien, prämiertem Elch-Eis und reichlich Aquavitauswahl. "Wir hoffen, dass viele Reisende 'vom Weg abkommen', um einen Tag, eine Woche, einen ganzen Sommer oder ein ganzes Leben zu bleiben", sagt Lise Lyngsaunet Skrove.

Ihr Hotel-Restaurant 'Husfrua' ist eine der 20 Stationen kreativer Jungunternehmer. Ein Vorgeschmack: An den jeweils vier Ecken eines Tellers liegen sich gegenüber: Scheiben von heller Leberpastete mit Birnenspalten und Elchspeck, ein Rote-Beete-Hering-Wrap mit sur fløte/saurer Sahne, Elchfilet auf Kronsbeersahnemousse und gelben Moltebeeren, zwei Fleischklösschen, Pfifferlinge an Zwiebelmarmelade.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung