Montag, 19. Februar 2018

Mallorca Die kulinarische Schatzinsel

Mallorca: Durch Plantagen und Bodegas
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TMN

Fernab des Strandtrubels ist Mallorca ein Paradies für Genießer. Jahrhundertealte Olivenhaine und traditionsreiche Weingüter prägen das Inselinnere - und den Geschmackssinn der Mallorquiner.

Algaida/Consell - Der Wind lässt den hellen Vorhang sanft aus der Eingangstür des alten Gutshauses gleiten. Drinnen bewegt er das schwere, weiße Tischtuch, draußen zerzaust er Ellens Haare. Die junge Frau hält mit der linken Hand ein Rotweinglas, die rechte dreht sie hin und her, als wäge sie ihre Worte ab: "Mantonegro zusammen mit Cabernet und Syrah und ein kleines bisschen Merlot." Ellen Beltrán zählt die Rebsorten auf, aus denen der Rotwein in ihrer Linken komponiert ist, der Ribas Negro. Die 30-Jährige ist Sommelière auf dem Weingut Ribas im kleinen Örtchen Consell auf Mallorca. Es liegt nur knapp 30 Kilometer vom Ballermann entfernt - und doch trennen beide Orte Welten.

Am Ballermann tanzen, feiern und trinken die Party-Touristen. Genießer zieht es dagegen auf ein Landgut wie das der Ribas. Sie suchen auf der Insel Ruhe statt Remmidemmi. Vor allem Weintourismus ist auf Mallorca in den vergangenen Jahren immer populärer geworden, beobachtet das spanische Fremdenverkehrsamt in Berlin. Entsprechend gibt es mittlerweile auch spezielle Angebote für Weinkenner. Einige Winzer haben sich zusammengetan und bieten kulinarische Besichtigungstouren mit dem "Weinexpress" an: Eine Bimmelbahn fährt Touristen dabei zu Kellereien der Insel.

Wer lieber mit dem Mietwagen oder dem Bus die Weingüter der Insel besichtigt, fährt etwa 20 Minuten von Palma aus bis zum Gut der Familie Ribas in Consell. Die kleine Gemeinde im Westen der Inselmitte hat schmale Straßen. So schmal, dass die Natursteinhäuser in Höhe der Busaußenspiegel zerkratzt sind. 1711 verschrieben sich die Ribas hier dem Wein - die Kellerei ist damit die älteste der Insel. Heute ist mit der 32-jährigen Tochter Araceli bereits die 13. Generation auf dem Gut.

"Kirsche und ein bisschen Balsamico"

Familiär und typisch mallorquinisch will die Bodega wirken, und zwar bis ins kleinste Detail. Der feudale Eingangsbereich mit den weiß gedeckten Tischen für die Besucher geht direkt über in den privaten Garten der Ribas. Selbst das Catering übernimmt ein alter Familienbetrieb aus der Gegend. Und in der kleinen Werbebroschüre, die auf den Tischen ausliegt, werden unter "Crew" sogar die Hunde aufgelistet, Core und Fusta.

Wenn Ellen über Wein spricht, reibt sie Zeigefinger und Daumen aneinander: "Kirsche und auch ein bisschen Balsamico", sagt sie und blinzelt in die Sonne. "Mallorquinische Weine sind sehr, sehr fruchtig." Das kommt offenbar gut an: Weine von den Balearen erleben laut dem Tourismusbüro der Inselgruppe gegenwärtig eine Renaissance.

Sie sind aber längst nicht alles, was das Inselinnere zu bieten hat: Auch Olivenplantagen gibt es hier zu besichtigen. Das Tourismusbüro der Balearen hat in einer Broschüre vier Touren für Urlauber zusammengestellt, die zu einigen der Plantagen führen. Die Routen eignen sich für Ausflüge zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Pferd.

Rund 15 Straßenkilometer südöstlich von Consell zum Beispiel liegt nahe der kleinen Gemeinde Algaida die Olivenplantage Treurer von Joan Miralles. Die Miralles schlagen in die gleiche Kerbe wie die Ribas und setzen auf Heimeligkeit. Joan ist ein großer Mann mit Wohlstandsbauch und zurückgegeltem, einst tiefschwarzem Haar. Vor zwölf Jahren hängte er seinen Job als Hotelmanager an den Nagel und kaufte die Finca Treurer mit dem umliegenden Land. 2007 pflanzte er 3000 Olivenbäume, hauptsächlich die Sorte Arbequina.

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