Montag, 22. Januar 2018

Firmenjets Abflug in höhere Sphären

Businessjets: Wer vom Privatterminal abhebt
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Corbis

Der Zugang zum Firmenjet oder die NetJets-Kundenkarte gilt als ultimativer Statusbeweis. Für wen lohnt sich der Abflug in die höheren Sphären, und welche Dax-Manager sind mit Falcon und Gulfstream unterwegs? Ein Einblick in die Welt der wahren First Class.

Hamburg - Von der Konzernzentrale bis zum Abflug dauert es kaum länger als 40 Minuten. Wenn Daimler-Chef Dieter Zetsche (58) um neun in Stuttgart-Untertürkheim losfährt, erreicht er mit seinem Dienstwagen um acht vor halb zehn die Zufahrt zum Rollfeld des Flughafens in Echterdingen.

Ein kurzer Gang durch die Sicherheitsschleuse des Privatterminals, zurück in die Limousine, und weiter geht es in Richtung Vorfeld. Keine fünf Minuten später steht Zetsche vor der heruntergeklappten Gangway einer Gulfstream G 550: Zwei Flugbegleiterinnen und drei Piloten nehmen ihn in Empfang. Mit eingezogenem Kopf und schnellen Schritten eilt er an der langezogenen Pantry vorbei in die Passagierkabine.

Die Ähnlichkeiten mit dem Innenraum einer Maybach-Limousine sind nicht zu übersehen. Dunkle, mit Wurzelholzfurnier verschalte Wände, dicke blaue Teppiche; acht extrabreite Sitze, mit fein gegerbtem weißem Rindsleder bezogen. Die beiden Bänke im hinteren Teil lassen sich bei Nachtflügen mit wenigen Handgriffen zu vollwertigen Betten aufmöbeln. Bis zum Start dauert es jetzt nur noch wenige Minuten.

Der Preis für Freiheit und Komfort

Ist die Maschine erst in der Luft, kann der Daimler Börsen-Chart zeigen -Chef übergangslos weiterarbeiten wie gewohnt - anders als in der First oder Businessclass der internationalen Fluggesellschaften ohne unerwünschte Zuhörer, dafür aber mit der Möglichkeit, zu telefonieren und jederzeit Mails zu empfangen.

Das entscheidende Plus: Für einen Trip, der ihn zuerst ins Werk nach Tuscaloosa in Alabama führt und ihm im Anschluss noch einen Abstecher zur Detroit Motorshow erlaubt, braucht Zetsche eineinhalb bis zwei Tage weniger als mit einer Linienmaschine.

Zwischen 3000 Euro auf Kurzstrecken und 12.000 Euro auf Langstrecken kostet die Flugstunde derzeit in einem Privatjet. Es ist der Preis für Freiheit und Komfort, von dem auch First-Class-Passagiere nur träumen können.

Kaum ein anderes Privileg dokumentiert Position und Status eines Konzernhierarchen deutlicher als der unbeschränkte Zugang zum Firmenjet. Und nichts hebt den vermeintlichen oder tatsächlichen Geldadel deutlicher vom fliegenden 08/15-Manager ab als der Privatjet im Hangar oder die Kundenkarte eines Charterdienstes wie NetJets.

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