Samstag, 16. Februar 2019

Firmenjets Abflug in höhere Sphären

Businessjets: Wer vom Privatterminal abhebt
Corbis

2. Teil: Jetsetterei - nicht nur etwas für Konzernspitzen

Josef Ackermann (64) etwa hat seit Jahren keine Linienmaschine von innen gesehen. Die Strecken zu den Kunden in den USA, Dubai oder Shanghai bewältigte die langjährige Nummer eins der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen ausschließlich im Privatflieger. "Sicherheitsgründe", heißt es dazu im Konzern, und dass sein Pensum in der Businessclass gar nicht zu schaffen gewesen sei. Auf diese Weise jettete sich Ackermann in die Top Ten der europäischen NetJets-Kunden hinein.

11 der 30 Dax-Konzerne nutzen die Dienstleistungen des US-Anbieters oder anderer Charterfirmen, jedes dritte Unternehmen im Dax besitzt gar seine eigenen Jets.

Die Orakel berufsmäßiger Wahr- und Vorhersager stützen die Zuversicht, mit der die Branche ihre Geschäfte rund um die Vielfliegerei betreibt - zumindest auf längere Zeit. Die Consultants von Roland Berger rechnen in einer Studie vor, dass sich der Markt der in Europa verkauften Businessjets bis 2020 um 8 Prozent im Jahr erhöhen wird; in den USA und China erwarten die Luftfahrtexperten Wachstumsraten von 4,8 und 20,4 Prozent.

Derzeit allerdings wäre die Innung schon froh, wenn das Wachstum wenigstens in diesem oder im nächsten Jahr wieder kräftig anziehen würde. Denn seit nunmehr drei Jahren geht der Verkauf von Geschäftsflugzeugen in den USA, dem wichtigsten Markt, zurück; allein im Krisenjahr 2009 schrumpfte der Absatz um gewaltige 35 Prozent.

Wer am Boden bescheiden tut, lässt es in der Luft oft krachen

Dabei gehört die Jetsetterei keineswegs nur zu den Grundübungen der Konzernspitzen. Mittelständische Unternehmer und Mitglieder der großen Familienclans heben beinahe ebenso häufig vom Privatterminal ab.

Wenn Anton Schlecker (67) früher zusammen mit seiner Frau Christa donnerstagmittags aufbrach, um die Filialen seiner Drogeriekette zu inspizieren, dann flog er für Entfernungen von über 400 Kilometern bevorzugt seine bei NetJets vorgebuchten Stunden ab.

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer (52) besaß eine Zeit lang selbst einen Flieger, bevor er auf NetJets umstieg, weil das für ihn günstiger war. Auch Verleger wie Heinz Bauer (72) und Hubert Burda (72) verfügen über eigenes Fluggerät.

Der schwäbische Schraubenfabrikant Reinhold Würth (76), der gern selbst im Cockpit sitzt, gebietet gleich über fünf Jets. In unmittelbarer Nähe auf dem Flugfeld in Schwäbisch Hall stehen die vier Maschinen des knauserigen Lidl-Konzerns. Der Heizungs- und Sanitäranlagenbauer Viessmann lässt seine Manager in einer firmeneigenen Cessna Citation vom nordhessischen Allendorf aus in die große weite Welt fliegen. Und der Teil der Hamburger Reeder, der am Boden hanseatisch bescheiden tut, lässt es in der Luft umso kräftiger krachen.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung