Dienstag, 26. März 2019

Neuer Aspria Club in Hamburg Imperativ der Gemütlichkeit

Mit dem Konzept des "Third Place", einem luxuriösen Refugium zwischen Arbeitsplatz und Zuhause, expandiert die Aspria-Gruppe europaweit. Der neue Club in Hamburg zeigt, wie ein modernes Konzept, das Fitness und Gemütlichkeit verbindet, die Lücke zwischen Arbeit und Freizeit schließt.

Hamburg - Chromblinkend wartet der Hantelsatz auf seinen ersten Benutzer, in Sichtweite etliche Fitnessmaschinen auf neuestem technischen Stand. Direkt daneben ein verlockend gemütliches Chesterfield-Sofa, ein Imperativ der Gemütlichkeit inmitten der sportbetonten Umgebung. Die Botschaft ist klar: Tu was für dich, aber bleib entspannt dabei.

Mit seinem neuen "Aspria Uhlenhorst" in Hamburg will die internationale Aspria Gruppe eine neue Landmarke setzen. Kernstück der Clubs ist das Konzept eines "Third Place" neben dem eigenen Zuhause und der Arbeitsstelle, ganz in der Tradition britischer Clubs: Ein Ort, an dem man Freunde und Geschäftspartner trifft, essen geht, entspannt, an den man Gäste mitbringen und, das ist das Moderne daran, sich auch um seine Gesundheit, Fitness und das körperliche Wohlbefinden kümmern kann.

26 Millionen Euro hat Aspria in den Neubau auf dem Traditionsgelände des 1888 gegründeten Klipper Tennis- und Hockey-Clubs gesteckt, mehr als ein Jahrzehnt lang wurde geplant. Auf den 18.000 Quadratmetern des Areals gibt es nun fünf wohlig temperierte Schwimmbecken, sechs Tennisplätze, fünf Saunas, einen Saunagarten mit beheizten Fußwegen, einen riesigen Fitnessbereich und viel Raum fürs Clubleben mit Lounge, Kaminzimmer und Restaurant. Außerdem gehören 48 mit vier Sternen zertifizierte Hotelzimmer zum Angebot, deren Gäste das komplette Angebot ebenfalls nutzen können.

"Kultur steht bei uns an erster Stelle", sagt Clubdirektor Christof Herbster. Das Aspria soll seinen Mitgliedern Business- und Kunstworkshops bieten, Kochkurse, Weinproben, Konzertbesuche. Und Lesungen. Die sind, nebenbei bemerkt, auch nötig. Zwar stehen überall in der Lounge, in den Wartezonen des Spa, in den Clubräumen Bücherregale, auf den vielen Sofatischen stapeln sich Bildbände.

Kaviar im Gesicht für 165 Euro

Bei näherem Hinsehen erweist sich die gesammelte Literatur aber als, nun ja, relativ diebstahlsicher: Den großen ADAC-Reiseatlas von 1989 wird wohl kaum jemand mitgehen lassen, ebenso wenig wie den vergilbten Fotoband "Alle Wunder der Welt" von 1968, oder Band 6/7 des Jahrbuchs des Museums für Kunst und Gewerbe von 1988. Auf den Regalbrettern locken Fritjof Capras "Wendezeit" von 1983 und alte Rosamunde-Pilcher-Schwarten.

Aber das ist nur ein Detail, auf dem man angesichts des großen Ganzen nicht allzu sehr herumreiten sollte. Insgesamt strahlt der Club einen hohen Bleibenwollen-Charakter aus, mit den selbst im schweißtreibenden Fitnessbereich allgegenwärtigen Chesterfield-Sofas und -Sesseln, mit dunklem Holz und grauem Schiefer, rotem Samt und opulenter Außenmöblierung auf schwelgerischen Terrassen. Es riecht dezent nach Geld. Es ist wirklich schön geworden.

Aspria-CEO Brian Morris gibt sich aber betont unelitär. "Wir haben den CEO und die Sekretärin", sagt er, "wir sind stolz darauf, niemanden auszuschließen." Man kann sich allerdings vorstellen, dass es für die Sekretärin auf Dauer doch leichter ist, wenn der CEO sie als Gast mitnimmt. Zwar sind die Monatsgebühren mit derzeit 115 Euro (sie sollen noch auf 125 Euro steigen) ganz bezahlbar.

Die Mitgliedsbeiträge tragen allerdings, wie Clubdirektor Herbster sagt, weniger als die Hälfte zu den Einnahmen bei; gewinnentscheidend sind außer dem Hotelbetrieb vor allem die "secondary spends", die Einnahmen aus Speisen, Getränken und Dienstleistungen wie etwa dem "Luxury Caviar Facial", einer Kaviar-Gesichtsbehandlung für 165 Euro (für Mitglieder fünf Euro günstiger). Aber man kann stattdessen natürlich auch im Clubrestaurant einen Teller Nudeln zu sich nehmen (acht Euro). 1500 Mitglieder hat der Club Uhlenhorst schon jetzt - ab Sonntag ist er für sie geöffnet. Zwischen 3000 und 4000 Mitglieder könne die Anlage gut verkraften, schätzt Direktor Herbster.

4000 bis 5000 neue Mitglieder gewinnt Aspria pro Jahr, sagt CEO Morris, 35.000 seien es bereits (Kinder mitgezählt). Das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen will weiter expandieren. Bis jetzt gibt es europaweit acht Aspria-Clubs, in Deutschland außer zweien in Hamburg noch einen in Berlin und einen in Hannover. Ein bis zwei Clubs pro Jahr wolle das Unternehmen in den kommenden Jahren entwickeln und in den nächsten drei bis fünf Jahren zwischen 100 und 200 Millionen Euro vor allem in große Clubs investieren. In Deutschland seien acht Großstädte auf der Planungsliste, so Morris; ein weiteres Großprojekt stehe hier kurz vor dem Vertragsabschluss.

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