Dienstag, 1. September 2015

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Istanbuls Partyviertel Schlaflos in Taksim

Istanbuls Partyviertel: Schlaflos in Taksim
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TMN

17.000 Taxis gibt es in Istanbul, davon sind allein 14.000 an der Partymeile Taksim unterwegs. Das pulsierende Nachtleben des Stadtteils lockt Feierlustige aus aller Welt in die Bars und Restaurants.  Gutes Essen gibt es überall. Wer sich unter die Kiezgänger mischt, erlebt ein buntes Wunder.

Istanbul - Wer in Istanbul ausgeht, um Party zu machen, der plant nicht, sondern lässt sich treiben. "Der einzige Plan ist: lass uns losziehen und Spaß haben", erzählt Varol Döken und schreitet durch die Menschenmenge in Taksim. Der 32 Jahre alte Werbetexter hat lange mitten im Herzen der Party-Meile Taksim im Stadtteil Beyoglu gelebt. "Was Du auch an Party und Musik suchst, Du wirst es hier finden. Taksim ruft Dich nach dem Motto: Egal, was Du bist, egal, was Du brauchst, komm!", erzählt er.

Recht hat er. Allein auf der berühmten rund drei Kilometer langen Einkaufsstraße Istiklal Caddesi in Taksim reihen sich Cafés, Bars, Clubs, Restaurants, Tavernen und Kneipen dicht an dicht. "Es gibt hier Hunderte, vielleicht Tausende Bars und Clubs", erzählt Döken. Jeden Tag kommen neue hinzu. In der Parallelstraße Tarlabasi finden sich die Gay-Clubs.

Die Istiklal, wie sie von den Einheimischen genannt wird, reicht vom Tünel-Platz bis zum Taksim-Platz und ist seit den 1990ern eine Fußgängerzone. Bis in die späten Abendstunden wird auf ihr geshoppt, gegessen und getrunken. Hunderte Menschen drängen täglich auf die Einkaufsmeile.

In der Nacht scheinen es Tausende zu sein, überall ist Musik zu hören. Aus den Restaurants drängen würzige Düfte und mischen sich mit der Istanbuler Meeresbrise, die vom Bosporus herüberweht. Sobald die Sonne untergeht, schallen aus den Häusern die unterschiedlichsten Klänge und vermischen sich in der Istanbuler Nacht: von Jazz über Punk, Dancefloor, türkischem Rock bis zu klassischen Melodien. Menschen verschiedenen Alters stehen an den Fenstern der Clubs. Sie singen, tanzen, trinken und haben Spaß. Die ganze Welt scheint sich hier zum Feiern getroffen zu haben.

Tapas, Fisch und Anisschnaps

"Die Stadt schläft, aber Taksim schläft nie", sagt Döken und schaut dabei in die immer dichter werdende Menschenmenge auf der Istiklal. Gefeiert wird nicht nur am Wochenende. "Bereits ab Donnerstag gegen 22 Uhr geht es los", sagt er. Bis sechs Uhr in der Frühe wird gefeiert, man lässt man sich vom Sog der Stadt treiben und geht von einer Location zur nächsten. "Tausende sind unterwegs, und die müssen auch befördert werden. In Istanbul gibt es rund 17.000 Taxen, und 14.000 von ihnen sind nur um Taksim herum unterwegs", erzählt Döken.

"Der Abend beginnt damit, dass man erst etwas isst", erklärt Döken und betröpfelt die frische Dorade auf seinem Teller mit Zitronensaft. Zum Essen gehen die meisten in die türkischen Tavernen, die Meyhane, im Nevizade, einer der lebendigsten Gassen in Beyoglu. Die Nevizade geht von der Istiklal ab. Hier wird neben Bier und Wein meist der 40-prozentige türkische Anisschnaps Raki getrunken. Dazu gibt es verschiedene Tapas und frischen Fisch. Während die Kellner hektisch servieren, singen die Partygänger zu den türkischen Liedern der Musiker mit. Mal fröhlich, mal melancholisch.

Das Lieblingsgetränk der Türken ist neben dem Raki das Bier. Für durchschnittlich vier Euro ist es überall zu bekommen. "Alkohol ist teuer. Die Regierung hat die Preise um 65 Prozent erhöht", sagt Döken und nimmt dabei einen kräftigen Schluck von seinem Weißwein. In den Meyhane gehe es darum, das Getränk und das Essen langsam zu verzehren und zu genießen, so Döken. Währenddessen wird erzählt, gelacht, gesungen, manchmal auch getanzt.

Gleich neben den Meyhane sind in den engen verwinkelten Gassen von Nevizade mehrere kleine Kneipen. Vor ihnen sitzen auf kleinen Hockern an kleinen runden Tischen Menschen dicht an dicht und trinken. An ihnen fließt ein bunter Strom von Partygängern vorbei.

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