Freitag, 14. Dezember 2018

Schlosshotels in Polen Baden in Champagnerluft

Rund 30 mittelalterliche Burgen, Barockpaläste und klassizistische Herrenhäuser stehen in Kotlina Jeleniogórska oft nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Das Tal hat sein architektonisches Potential als Luxusdestination entdeckt.  Nur mit der Küche hapert es zuweilen noch.

Kotlina Jeleniogórska - Im verwinkelten Barockschloss Staniszów (Stonsdorf) läuft der Gast über ausgetretene Treppen und alte Parkettböden, deren Knarren durch die historischen Teppiche kaum gedämpft wird. Vorbei geht es an Wänden, die mit fein ziseliertem Schnitzwerk, Stuck und Wandgemälden dekoriert sind. Zum altertümlichen Charme des Hauses passt auch, dass es ein wenig zieht und das Licht manchmal flackert.

Nur kulinarisch wird man hier nicht ganz glücklich: Kein einziges frisches Vitamin findet seinen Weg aufs Frühstücksbüfett. Und abends im Restaurant schmeckt die Pilzsuppe vor allem nach Mehlschwitze. Unter Gesichtspunkten der Haute Cuisine betrachtet, gibt es noch einiges nachzuholen im niederschlesischen Kotlina Jeleniogórska (Hirschberger Tal).

Am der Umgebung gibt es allerdings nichts auszusetzen. Seit jeher ist das Barockschloss Staniszów eines der beliebtesten Ausflugsziele im Tal. Das liegt vor allem am Schlosspark, der vom Gartenarchitekten Peter-Joseph Lenné, dem Schöpfer der Gärten in Potsdam Sanssouci, entworfen wurde: eine Landschaft mit Wäldchen, Wiesen und Felsgrotten, einer künstlichen Burgruine und Badeteichen.

Seine touristische Glanzzeit erlebte das Tal im 19. Jahrhundert. Die Gegend entsprach exakt der romantischen Vorstellung landschaftlicher Vollkommenheit: mit sanften Hügeln und Ruinen, Felsformationen und Wasserfällen - eine Postkartenidylle, eingerahmt vom majestätischen Kamm des Riesengebirges mit der Schneekoppe.

Wohnen wie einst Prinzessin Luise

Der vielgereiste Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt schrieb begeistert: "Der Blick auf das Riesengebirge zählt zu den schönsten der Welt." Auch die preußischen Adligen verließen jeden Sommer ihre Residenzen in Berlin und begaben sich auf die 16-stündige Kutschfahrt gen Niederschlesien. Mit ihnen kamen Architekten, die neue Landsitze schufen oder vorhandene Schlösser nach romantischem Geschmack umbauten.

In Wojanów (Schildau) fühlt man sich wie im Märchenland. Kein Wunder, gehörte doch das rot-sandfarbene, schlank in die Höhe ragende Schloss mit seinen vier Dachtürmchen einst der preußischen Prinzessin Luise. Heute wohnen hier bis zu 200 Hotelgäste in Zimmern mit samtbezogenem Edelholzmobiliar. Das Restaurant mit Parkblick lädt zu traditionell schlesischer, jedoch portionsmäßig reduzierter Küche ein. Hier kann auch der durchschnittliche Magen nach dem Wildschweinbraten noch ein Dessert bewältigen.

In einer alten Scheune neben dem Schloss befindet sich der Wellnessbereich, wo man unter freigelegten Feldsteinmauern und Dachbalken im Pool badet. Draußen gibt es Tennis- und Volleyballplätze. Dabei wäre man schon mit Spaziergängen gut ausgelastet, beginnt doch hinter dem Schloss ein 16 Hektar großer Landschaftspark im englischen Stil, der ebenfalls von Lenné stammt. Lindenalleen und Eichenspaliere führen zur Chinesischen Gartenlaube, zum Gärtnerhäuschen oder entlang des Schlängelflüsschens Bóbr. Möglich ist auch ein Streifzug zum Nachbarschloss Lomnica (Lomnitz), dessen Park in das Schildauer Areal übergeht.

Das kleine Schlosshotel Lomnitz, erbaut 1804, hat noch nicht einmal 20 Zimmer. Im Eingangsgewölbe prasselt der Kamin; an den Wänden hängen historische Ansichten der Umgebung; in den Ecken stehen alte Uhren und eichenhölzerne Bauernschränke. Durch die Gänge streunen die Kinder der Inhaber und ihr Wuschelhund. Die Hotelbesitzer, Elisabeth und Ulrich Küster, sind Nachfahren des einstigen Besitzers, eines preußischen Gesandten am sizilianischen Hof.

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