Samstag, 22. Juli 2017

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Hotelbau Ruandas neuer Optimismus

Bauen in Ruanda: Wie ein Münchener Architekt ein Land prägt
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Daniel C. Wolf / Formfest

Der Münchener Architekt Roland Dieterle baut im afrikanischen Ruanda ein Kongresszentrum, ein Museum und demnächst das erste Luxusökohotel. Seit Beginn des Projekts hat er viel Lehrgeld gezahlt. Gleichzeitig lernte er von Afrika Optimismus und Frohsinn.

Kigali - Wenn der Münchener Architekt Roland Dieterle sagt, er sei bereits hundert Mal nach Kigali geflogen und empfinde die Hauptstadt Ruandas als zweite Heimat, dann steckt hinter dieser Aussage eine sieben Jahre währende Abenteuergeschichte, die - wie die meisten Abenteuergeschichten - mit einem Aufbruch ins Ungewisse begann. Seither hat Dieterle keine Meere und keine Berge bezwungen, wohl aber tausend Hügel, denn so viele hat angeblich das ostafrikanische Land Ruanda.

Der 57 Jahre alte Architekt baut in der Hauptstadt des kleinen ostafrikanischen Landes Ruanda ein Kongresszentrum mit einer Arena für 2500 Personen. Angeschlossen sind ein Museum über ruandische Geschichte, Büroräume, ein Hotel mit 290 Zimmern und ein 1200 Quadratmeter großer Spa- und Wellnessbereich. Das 300-Millionen-Euro-Projekt ist ein globales Großunternehmen über drei Kontinente: Der Bauherr ist eine ruandische Projektgesellschaft, der Bauunternehmer ist die chinesische Beijing Construction and Engineering Company (BCEG) und die planende Instanz ist Dieterles Architektenbüro Spacial Solution.

Auf 130.000 Quadratmetern Grund entsteht auf einem der Hügel Kigalis ein Gebäude, das eine Landmarke der Stadtsilhouette und Wegweiser für die künftige Stadtarchitektur sein wird. Der afrikanischen Kunst entlehnt ist das spiralenförmige Dach auf dem Dom des Kongresszentrums und das Gesamtkonzept folgt strengen ökologischen Maßstäben. Das Energiekonzept sieht unter anderem vor, dass die Abwärme in Kühlung umgewandelt wird; auch begrünte Loggien tragen zur Kühlung bei.

Dieterle hat 15 Jahre lang für die Firma Siemens internationale Bauprojekte verwirklicht. Einmal hat er für den arabischen Raum ein Unterwasserhotel konzipiert, welches nie gebaut, aber auf einer Pressekonferenz in Dubai vorgestellt wurde. Über verschlungene Wege gelangten die Pläne dieses Hotels nach Ruanda. So fanden sich zwei Suchende: ein berufsmüder Architekt mit Lust auf etwas Neues und ein zutiefst traumatisiertes Land mit einem unbedingten Willen zu einer besseren und stabilen Zukunft.

Landumschlossen, rohstoffarm, überbevölkert

Dieterle sah sich damals mit seinen Visionen bei Siemens nicht mehr "richtig aufgehoben". Da er eine Professur für internationales Projektmanagement an der technischen Hochschule in Stuttgart - und damit ein Auskommen - hatte, wagte er sich mit 50 Jahren in die Selbstständigkeit und gründete Spacial Solutions. Der Name ergab sich aus seiner Vision von einer Architektur, die dem Menschen Raum lässt.

In Ruanda im Jahr 2005 waren die schlimmsten Wunden des 94er Völkermords der Hutu an den Tutsi geheilt, und Präsident Paul Kagame sah die Zeit gekommen, sein Land aus der Armut zu führen. Ruandas Optionen waren nicht groß: Es ist eines der kleinsten Länder Afrikas und dazu landumschlossen, rohstoffarm und überbevölkert. Man beschloss also, eine Art Drehscheibe für Ostafrika im Dienstleistungsbereich zu werden. Bankenwesen, IT-Technologie, Austragungsort für Konferenzen und die Vermittlung von Know-how stehen heute im Portfolio des Landes.

Vor allem will Präsident Kagame die Moderne nach Ruanda holen, und nimmt sich dafür Singapur und Dubai zum Vorbild. Auch bei der Umgestaltung Kigalis vom erweiterten afrikanischen Dorf in eine boomende Hauptstadt schweben ihm die großen Finanzzentren Asiens vor. Dieterle flog auf Einladung des Präsidenten zum ersten Mal nach Kigali und legte die Karten offen auf den Tisch. Er habe ein junges und noch kleines Unternehmen und schon vieles gebaut, aber noch kein Kongresszentrum. Seine Gesprächspartner sahen darin keinen Nachteil: "In Afrika laufen die Dinge über persönliches Vertrauen. Und das habe ich mir offenbar schnell erworben. Mit meiner Mischung aus Realitätssinn und visionärem Denken war ich wohl genau der Richtige."

Der Anfang war schnell gemacht. Eine Vertragsunterschrift, ein kurzes Briefing - und von da an war Dieterle Ruandas bekanntester Architekt. Ende dieses Jahres, so sah es der Zeitplan vor, sollte die Eröffnung des Kongresszentrums sein. Zu enthusiastisch gedacht, wie sich schnell herausstellte. "Das wird sich mindestens um 18 Monate verzögern", sagt Dieterle ein wenig grimmig. Nach sieben Jahren später ist viel von seinem Enthusiasmus der Ernüchterung gewichen. Die transkontinentale Dreifaltigkeit des Projekts verlangsamt wichtige Prozesse.

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