Montag, 25. März 2019

Eisenbahnreisen Entschleunigt nach Nizza

Der Pinienzapfenzug: Entspannt durch die Provence
TMN

2. Teil: Bergsteiger und Berufspendler nutzen den Zug

Trotz der vor sich hin rostenden Drehscheiben und verfallenen Güterschuppen zählt die Bahnstrecke nicht zum alten Eisen. Viele Berufspendler, Schüler und Studenten nutzen den Pinienzapfenzug. Das sei bequemer als die tägliche Pendelei mit dem Auto, erklärt Mylène Bénichou von der Bahngesellschaft CP. Eisenbahnfans kommen von überall her, sogar aus Japan, China und Amerika. Den Bummelzug besteigen Jahr für Jahr um die 500.000 Fahrgäste, Tendenz steigend.

Im Bahnhof von Entrevaux wird es richtig voll. Dutzende Ausflügler steigen zu, die von Nizza aus mit dem Frühzug bis hierhin gefahren sind, um ein paar Stunden durch die jahrhundertealten Gassen zu schlendern. Auf steilem Fels erhebt sich die mittelalterliche Burg, die Festungsbaumeister Vauban einst errichten ließ.

Ein paar Stationen weiter ist der stille Flecken Puget-Théniers einen Besuch wert. Das Dorf mit den verwinkelten Häusern aus dem 13. Jahrhundert macht sich heute unter Bergsteigern einen Namen. Auf dem Klettersteig "Les Demoiselles coiffées" können auch Anfänger unter Anleitung erfahrener Bergführer mit Seil und Haken zum Gipfel gelangen. Schwindelfreiheit, Mut und Kondition werden allerdings vorausgesetzt.

Im ehemaligen Güterschuppen, in dem heute das Verkehrsamt untergebracht ist, können Kletterer die notwendige Ausrüstung leihen. Von Puget-Théniers bis Nizza sind es noch 65 Kilometer für den Pinienzapfenzug, dessen Schienenstrang nun Kurve um Kurve dem schluchtenähnlichen Tal des Var-Flusses folgt.

Nach etwas mehr als drei Stunden endet die beschauliche Reise mitten im Häusergewirr von Nizza am Bahnhof "Nice-CP", der Südstation in der Rue Alfred Binet. Von dort streben die Touristen durch die quirlige Großstadt über die Avenue Malaussena dem glitzernden Mittelmeer entgegen, zu Nizzas prachtvoller Flaniermeile Promenade Anglais. Unter Palmen begegnen sich hier die Schönen und die Reichen, Touristen und Träumer.

Bernd F. Meier, dpa

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