Mittwoch, 21. November 2018

Sozialrally in die Mongolei Tue Gutes am Ende der Welt

Zwei Hamburger Brüder entschließen sich, Urlaub in Reinform zu erleben, Abenteuer, Freiheit und dabei auf jeglichen Komfort zu verzichten. Sie kündigen ihre Jobs und machen sich mit ihrem Kia im Rahmen der Sozialrally auf den Weg in die Mongolei. Eine Erfahrung, die ihr Leben verändert.

Hamburg - Es ist ein sonniger Sommertag, als sich Daniel und Sebastian Kaerger in Hamburg ins Auto setzen und alles hinter sich lassen. Jobs, Termine, Stress. Das Ziel der Brüder: Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei. In einem roten "Kia Rio", 1,2 Liter Hubraum, 80 PS, wollen sie einmal um die halbe Welt fahren, so weit wie die Luftlinie von Hamburg nach Sydney. Ohne Navigationssystem, nur mit Kompass und Landkarten. Sechs, sieben Wochen wird die Reise dauern, so genau wissen sie es nicht.

Zuerst müssen sie aber in die falsche Richtung fahren, nach Goodwood in Südengland. Dort startet offiziell die "Mongol Rally", an der die beiden und rund 450 andere Teams aus aller Welt teilnehmen. Sebastian, 31, und Daniel, 32, sind im Juli 2010 die einzigen Deutschen. Die Strecke ist nicht vorgegeben, auch kein Zeitlimit. Dafür aber Alter, Motorstärke und Größe der Autos. Und: Alle Teilnehmer sollen vorab Spenden für wohltätige Zwecke sammeln.

1000 britische Pfund haben Sebastian und Daniel von Freunden und Bekannten zusammengekratzt, das Geld geht an die internationale Hilfsorganisation Mercy Corps. Einmaliges erleben und Gutes tun, das ist die Idee der Rally. Dieses Jahr startet sie am 23. Juli, wieder in Goodwood.

Nach dem Start in England durchqueren die Brüder zunächst Europa: Frankreich, Belgien, Deutschland, Tschechien, die Slowakei, Rumänien, Bulgarien. Sie übernachten auf Campingplätzen, in Hostels, auf Kartoffeläckern. "Aber erst bei unserem ersten längeren Stopp in Istanbul hatten wir das Gefühl, jetzt geht es richtig los", sagt Sebastian rückblickend. "Jetzt verlassen wir Europa, jetzt kommt das Abenteuer." Zu diesem Zeitpunkt haben sie gut 5000 Kilometer hinter sich.

Schroffe Berglandschaften und funkelnder Sternenhimmel

Ab da campen sie fast immer wild, nur in größeren Städten gönnen sie sich mal ein Hotel und eine heiße Dusche. "Die längste Strecke ohne Dusche waren sieben Tage. Zur Not springt man eben in einen Fluss", sagt Daniel und lacht. "Das Fahren ist unglaublich befreiend. Du denkst nicht mehr an Arbeit oder E-Mails. Du bist ganz bei dir selbst und in der Natur. Du bist irgendwo im Nirgendwo."

In seinem normalen Leben berät Daniel als Wirtschaftsinformatiker Firmen, er entwickelt Webauftritte oder sitzt in Meetings. Auch Sebastian hat einen Bürojob, er plant als Wirtschaftsingenieur Windkraftanlagen.

Ihre Tage im Auto unterwegs verlaufen immer gleich: Aufstehen mit dem Sonnenaufgang, Zelt abbauen, Powerriegel zum Frühstück, einpacken. Und dann: Fahren, fahren, stundenlang. Sie kurven entlang der Küste des Schwarzen Meeres, durch anatolische Berglandschaften mit Nadelbäumen und schäumenden Gebirgsbächen. Dann wird die Szenerie schroffer und karger, vorbei am schneebedeckten Ararat geht es weiter in den Iran.

Es ist so heiß, dass sie auf dem Fahrersitz Handtücher unterlegen. "Damit man nach einem Fahrerwechsel nicht im Schweiß des anderen badet", sagt Sebastian. Abends stoppen sie, wo es ihnen gerade gefällt. Manchmal treffen sie andere Rallyteams. Die Abende klingen unter dem funkelnden Sternenhimmel mit Linseneintopf oder Senfhering aus der Dose, Brot und Bier aus.

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