Mittwoch, 20. März 2019

Cinque Terre Weinberge und Tauchsafaris

Cinque Terre: Hoch auf den Klippen, tief unter Wasser
TMN

Auf den Wanderwegen der Cinque Terre drängen sich jedes Jahr Millionen von Touristen. Die fünf Dörfer sind trotzdem immer noch ein lohnendes Reiseziel. Man muss nur gut planen. Man kann etwa in den Weinbergen helfen, auf Tauchsafaris gehen oder auch einfach früher aufstehen als die anderen.

Vernazza/Levanto - Dahin fahren, wo alle sind? Wo sich Deutsche, Japaner und Amerikaner auf die Füße treten, insgesamt zwei Millionen Touristen jedes Jahr? Nach Cinque Terre an der Riviera di Levante? Ja, unbedingt! Denn die Küste der fünf weltberühmten Dörfer ist immer noch zauberhaft. Doch wer ihre Schönheit erleben will, muss sich um sie bemühen: auf Wanderpfaden hoch über dem Meer, beim Mitarbeiten in den steilen Weinterrassen oder beim Tauchen unterhalb der Klippen.

Morgens um sieben gehört der Aussichtspunkt am Kap von Punta Mesco noch den Smaragdeidechsen und der Ziegenherde, die sich gefährlich nahe an den Klippen durch die niedrigen Büsche der Macchia frisst. Wandergruppen sind noch nicht in Sicht. Unten in der Bucht scheint der Strand von Monterosso al Mare im Morgenlicht. Nach Süden hin, zur Spitze der Halbinsel bei Portovenere, verlieren sich die bis zu 800 Meter hohen Ausläufer des Ligurischen Apennin im Dunst. Dort liegen sie, die anderen vier Dörfer der Cinque Terre, der "Fünf Länder": Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore.

Verbunden sind die abgelegenen Orte seit jeher durch Pfade, die oberhalb der Dörfer durch die Berge und Weinterrassen führen. Vom Aussichtspunkt über Punta Mesco geht es eine halbe Stunde bergab nach Monterosso al Mare. Dort schließt sich der "Sentiero Azzurro" an. Der auf Karten blau markierte Küstenwanderweg 2 ist wahrscheinlich der bekannteste Trampelpfad Italiens. Über neun Kilometer führt er auf und ab - durch Weinberge, Olivenhaine und entlang der Steilküste, wo Ginster und Kakteen wachsen. Und hinter jeder Biegung taucht das intensiv blaue Mittelmeer auf - oder eines der Dörfer.

Mit den bewaldeten Bergen und den sattgrünen Weinterrassen im Hintergrund bilden Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore die perfekte Kulisse für mediterrane Sehnsuchtsbilder: Mal kleben die ineinander verschachtelten Häuser mit ihren verwitterten bunten Fassaden wie Schwalbennester zwischen den Felsen, mal thronen sie einem Adlerhorst gleich über den Klippen.

Die großen Fische sind zurückgekehrt

Im Innern dieser Hauslabyrinthe schauen alte Männer und Frauen mit Gehstöcken von Sitzbänken aus dem Alltag zu. Katzen dösen in Kellereingängen, während drei Stockwerke höher Frauen zwischen grünen Fensterläden nasse Wäsche zum Trocknen auf die Leine hängen. Die handtuchschmalen Gassen führen über viele Treppen hinab zu Häfen, in denen die Wellen gegen rot, gelb und weiß bemalte Fischerboote schwappen. Das Wasser in den Häfen ist glasklar und scheinbar ohne Leben. Doch das täuscht.

"Seitdem wir den Nationalpark haben und Küstenfischerei und Unterwasserjagd beschränkt wurden, sind die großen Fische zurückgekehrt", sagt Dario Ferrari. "Zackenbarsche, auch Haie. Du wirst sehen." Dann breitet der kahlköpfige Endfünfziger, der seit 30 Jahren die Tauchschule Punta Mesco in Levanto betreibt, in Anglermanier die Arme aus und stößt das Schlauchboot mit einem kräftigen Tritt vom Anleger ab.

Die ligurische Unterwasserwelt kann es in puncto Farbenpracht mit tropischen Riffen aufnehmen: Auf einer Sandebene breitet sich eine Seegraswiese aus. Die grünen Gräser wiegen sich mit den Wellen wie ein Kornfeld im Sommerwind. Dahinter steigt die Felswand an. Sie ist überzogen mit einer lebenden Tapete aus gelben Krustenanemonen und orangefarbenen Schwämmen. Hier und dort ragen Fächer aus roten Hornkorallen ins blaue Freiwasser, wo ein Barrakuda einer pulsierenden Wolke aus silbrigen Sardinen folgt.

Aus Felsspalten lugen Langusten, Oktopusse und Muränen hervor. Wie versprochen, sind auch die durch maßloses Harpunieren in weiten Teilen des Mittelmeeres selten gewordenen Zackenbarsche zu sehen und - tatsächlich - ein Hai: Ein etwa ein Meter langer Katzenhai ruht auf einem Stein. Erst als ihm einer der beiden anderen Taucher über die Schmirgelpapierhaut streicheln will, schlängelt er davon.

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